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Mehr als ein Trend Der Onlinekauf von Fahrzeugen ist für Markus Müller mehr als ein Trend. Seiner Meinung nach hat er einen festen Stellenwert im Markt erreicht; aber er sieht ihn als Ergänzung zum stationären Handel: „Der Gebrauchtwagenhandel vor Ort ist nicht totzukriegen. Es wird definitiv beides geben.“ Entscheidend ist seiner Meinung nach, wie der Käufer sein Auto sieht; ob er eine emotionale Bindung aufbaut oder es rein funktional betrachtet. Das sei auch der entscheidende Punkt, wenn man beispielsweise über Autoabos spricht, sagt Müller. Sie haben ihre Berechtigung, so der Vorstandsvorsitzende, seien aber keine Lösung für die breite Masse.
Ergänzendes zum Thema
Intec-Vorstand Markus Müller und Element-CIO Eric Schuh im Gespräch
Dank der Zusammenarbeit mit Element Insurance kann der Garantieanbieter Intec schnell und flexibel auf Marktsituationen reagieren. Das zeigen gemeinsame Produktentwicklungen, aber auch das gleiche Verständnis vom Ökosystem Autohandel.
Redaktion: Die Versicherungsbranche erlebt eine digitale Transformation. Welches sind aus Ihrer Sicht die drei wichtigsten Aspekte in diesem Zusammenhang?
Markus Müller, Vorstand von Intec, legt Wert darauf, seinen Kunden zeitgemäße Versicherungsprodukte anzubieten, die leicht zu handhaben sind. ( Bild: Intec )
Markus Müller: Wir haben bei Intec schon 2006 mit der Digitalisierung begonnen. Die Händler konnten schon vor 15 Jahren bei uns online Garantien abschließen. Aber erst in der Zusammenarbeit mit Element hat sich das Ganze rasant weiterentwickelt. Alle Bereiche unseres Lebens wurden in den letzten fünf bis sieben Jahren in einer exorbitanten Geschwindigkeit digitalisiert. Wir haben keine auf Papier gedruckten Verträge mehr. Alles geschieht online. Diese schnellen Kommunikationswege erleichtern die Arbeit und sparen Geld und Zeit. Natürlich bedeutet das hohe Investitionen in die IT-Infrastruktur, aber das hat Intec mit dem IT-Dienstleister Cierra gut gemeistert. Früher haben wir die Versicherungsverträge per Fax oder per Post verschickt, und die Daten mussten wir dann noch mal von Hand eingeben. Das fällt heute alles weg. Mit einem Knopfdruck hat der Vertrag seine Gültigkeit. Das ist für alle Beteiligten ein toller Fortschritt.
Eric Schuh ist CIO bei Element Insurance. Das InsurTech ist der einzige komplett cloudbasierte Versicherer in Deutschland. ( Bild: Element )
Eric Schuh: Ich könnte weit mehr als nur drei Aspekte aufzählen. Aber ich stelle jetzt ganz bewusst das Thema Automobilhandel nach vorne. Der Kunde möchte in erster Linie ein Auto kaufen – und keine Versicherung. Daher haben wir uns mit unserem Versicherungsangebot nahtlos in den Autokaufprozess eingebettet. Wir können jedem Vertriebspartner für eine große Anzahl zu versichernder Gegenstände ein passgenaues Angebot machen. Waren und Dienstleistungen sind komplexer geworden und haben eine Vielzahl an Assets geschaffen, die mit den alten Techniken nicht mehr handhabbar wäre. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass durch die Digitalisierung auf eine viel einfachere Art und Weise Partnerschaften entstanden sind, als es früher überhaupt möglich war. Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen die Schnittstellen an einem Computer noch von Modell zu Modell unterschiedlich waren. Heute muss niemand mehr einen Treiber für irgendwas runterladen. Diesen Weg gehen wir als Versicherungsunternehmen mit. Meine Hypothese ist, dass sich die Branche in eine Art Marktplatz entwickelt.
Welche Vorteile hat der Handel konkret davon, dass er jetzt digital auf Versicherungen zugreifen kann?
Müller: Autohändler wollen in erster Linie Autos verkaufen und ihre Kunden beraten. Sie wollen sich nicht noch mit Versicherungsbedingungen et cetera auseinandersetzen. Es genügt zu wissen, welche Art von Versicherung für welchen Kunden die richtige ist. Bei uns können sie das Versicherungsgeschäft in den Verkaufsprozess integrieren und sich auf ihre wesentliche Aufgabe, den Verkauf, konzentrieren. Finanzdienstleistungen wie Finanzierungen, Leasing et cetera sind ja ebenfalls bereits in den Verkaufsprozess integriert und vereinfachen damit den Alltag der Verkäufer. Das bieten wir auch.
Integrierte Prozesse und Dienstleistungen bieten eine große Bandbreite an Gestaltungsmöglichkeiten. Wie sieht künftig die Architektur einer Versicherung aus? Geht der Trend zu modularen Konzepten?
Müller: Wir haben über ein modulares Konzept nachgedacht, uns aber dagegen entschieden. Denn ein Basistarif, der gegebenenfalls erweitert wird, birgt immer die Gefahr, dass die schlussendlich optimale Lösung für den Kunden unübersichtlich wird, weil man zu viele Besonderheiten inkludieren muss. Für die unkomplizierte Integration in den Verkäuferalltag wäre das kontraproduktiv. Intec will für alle Mobilitätsbereiche eine Versicherungslösung anbieten. Wir wollen flexibel und schnell auf Markterfordernisse reagieren. Erst kürzlich haben wir eine Garantie für reine Elektrofahrzeuge, eine für Hybridfahrzeuge und eine Reparaturkostenversicherung herausgebracht. Wir denken also nicht in kleinen Modulen, in denen beispielsweise separat Antrieb, Bremsanlage oder Komfortelektronik abgesichert werden, sondern in größeren Bereichen.
Herr Schuh, Sie haben auch Einblick in andere Branchen. Welche Trends in Sachen Versicherung beobachten Sie?
Schuh: Bleiben wir bei der Mobilität: Das Auto an sich ist ein Risiko, aber das eigentliche Risiko ist der Moment, in dem ein Fahrzeug in den Verkehr gebracht wird. Es ist ein Unterschied, ob ich auf einem Scooter durch die Straßen cruise oder ob ich in einem Auto fahre mit tonnenweise Stahl um mich herum. Die Menschen wollen mobil sein, aber der Begriff Mobilität sagt noch nichts über das Risiko aus. Es ist eine andere Sache, hinter dem Steuer zu sitzen, als mit der Bahn oder mit dem Fahrrad zu fahren. Versicherungsunternehmen stehen vor der Aufgabe, die unterschiedlichen Arten von Mobilität unter einen Hut zu bekommen. In der Schweiz gab es früher beispielsweise eine Fahrradversicherung; da hatte jedes Fahrrad ein Nummernschild. Heute ist ein Fahrrad in der Schweiz – wie anderswo auch – in der Haftpflichtversicherung abgedeckt. Wegen der E-Bikes denkt man aber wieder über eine Fahrradversicherung nach. Wer das Versicherungswesen modular betrachten will, muss verstehen, was im Ökosystem Mobilität passiert. Wir stellen dem Nutzer zur Verfügung, was er möchte. Das sieht hinter den Kulissen modular aus, kommt aber beim Kunden als einfach verständliche Komplettlösung an.
In diesem Jahr haben Sie schon eine Reihe gemeinsamer Produkte herausgebracht. Welche werden als Nächstes kommen?
Müller: Wir werden Produkte herausbringen, die angesichts des neuen Gewährleistungsrechts ab 2022 notwendig sind. Zudem wird im nächsten Jahr die Versicherungssteuer für Garantieprodukte relevant; hier haben wir auch ein Produkt in Arbeit. Das unterstreicht, wie schnell wir auf rechtliche und steuerliche Veränderungen reagieren und passgenau für den Handel neue Produkte entwickeln.
Schuh: Die Vertriebs- und Managementplattform von Intec und die Versicherungsplattform von Element greifen ineinander. Diese Zusammenarbeit ermöglicht innovative Lösungen, an denen sich die Branche teilweise jahrelang die Zähne ausgebissen hat.
Europa-Expansion gestartet Abgesehen von neuen Produkten ist die europäische Expansion der nächste Schritt für das Garantieunternehmen. Zusammen mit dem Wiener Versicherungsmakler Greco ist Intec gerade in Österreich gestartet. Ab 2022 ist ein Marktstart in Polen, Italien, Frankreich und Benelux geplant; die Reihenfolge hängt davon ab, wo der Intec-Partner Element eine Zulassung als Versicherung bekommt.
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