Krisenbewältigung ist ein Rennen gegen die Zeit
Der Unternehmensberater Werner Koller plädiert dafür, dass Autohäuser, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden, frühzeitig und selbstkritisch die eigene Situation durchleuchten sollten, um noch gegensteuern zu können.
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Redaktion: In vielen Unternehmen stehen jetzt die Arbeiten für die Erstellung der Jahresabschlüsse für 2014 an. Worauf sollte ein Betrieb, der sich in der Krise befindet, besonders achten?
Werner Koller: Der Jahresabschluss muss ein zutreffendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Autohauses liefern. Dazu ist es notwendig, dass das Unternehmen mögliche negative Entwicklungen in der Zukunft – soweit zulässig – in Form ausreichender bilanzieller Risikovorsorge (z. B. durch Bildung von Rückstellungen) berücksichtigt. Auch muss es die Bewertung der Waren- und Forderungsbestände kritisch hinterfragen. Von zentraler Bedeutung sind im Jahresabschluss neben dem eigentlichen Zahlengerüst der Bilanz sowie der Gewinn- und Verlustrechnung auch aussagekräftige Erläuterungen im Lagebericht. Gerade wenn ein Betrieb in der Krise steckt, ist es besonders wichtig, dass er den Abschluss zeitnah erstellt und die Ergebnisse frühzeitig mit seinen Kapitalgebern bespricht. Dabei sollte er immer auch ein Sanierungskonzept vorlegen können. Wenn die Unternehmensführung bereits eigenkapitalwirksame Sanierungsmaßnahmen (z. B. Rangrücktritt, Kapitalerhöhung) eingeleitet hat, muss sie darauf achten, dass sie die Vereinbarungen, die hierzu getroffen werden, noch im aktuellen Abschluss verarbeiten kann.
Welche Kennzahlen haben die Banken und die Hersteller besonders im Auge?
Neben dem regionalen Marktanteil sowie der Marktausschöpfung im Verkauf und im Aftersales spielt für die Hersteller die Ertragskraft des Handelsnetzes die wesentliche Rolle. Hierzu ziehen sie in den überwiegenden Fällen die Umsatzrendite heran. Der Wert sollte vor Steuern über 1,5 Prozent liegen. Die Banken legen ihr Augenmerk zunächst auf die Quote des wirtschaftlichen Eigenkapitals. Für ein Top-Rating sind hier Werte ab 25 Prozent notwendig. Ein weiteres Thema in Bankgesprächen sind aber immer auch liquiditätsorientierte Auswertungen. Die Höhe des erzielten Cashflows in Relation zur Gesamtverschuldung (sogenannter dynamischer Verschuldungsgrad) erlaubt beispielsweise Aussagen darüber, ob das Unternehmen die eingegangenen Verbindlichkeiten nachhaltig bedienen kann. Auch inwieweit das Autohaus seine Finanzierungslinien im Durchschnitt ausnützt und wie deren zeitliche Entwicklung aussieht, sind für Banken wichtige Indikatoren für die Bewertung der wirtschaftlichen Situation eines Unternehmens – ebenso die Umschlagsfaktoren der einzelnen Bestandsarten.
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