Kritik an EU-Chinazölle Eingriff der Politik gefährdet den E-Auto-Handel

Von Nick Luhmann 2 min Lesedauer

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Das Kfz-Gewerbe Baden-Württemberg übt scharfe Kritik an den Ausgleichszöllen der EU auf E-Autos aus China. Der Eingriff der EU in den Markt gefährde massiv die Arbeitsplätze im Autohandel.

Die BYD Explorer No 1 hat Anfang 2024 erstmals in Bremerhaven angelegt. Sie ist eines von mehreren neuen Schiffen, mit denen Chinas Autobauer den Export vorantreiben wollen.(Bild:  BLG/Jan Sieg Photography)
Die BYD Explorer No 1 hat Anfang 2024 erstmals in Bremerhaven angelegt. Sie ist eines von mehreren neuen Schiffen, mit denen Chinas Autobauer den Export vorantreiben wollen.
(Bild: BLG/Jan Sieg Photography)

„Die Politik braucht dringend ein Praktikum in den Grundregeln des Autohandels“, sagt Michael Ziegler, Präsident des Verbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Baden-Württemberg. Das Zoll-Säbelrasseln aus Brüssel stehe im Widerspruch zu den Anforderungen des Autohandels. Da gelte es auf den Kunden zu hören, den Wettbewerb im Auge zu behalten, ein ausreichendes Fahrzeugangebot vorzuhalten und dann zu verhandeln.

Mit den nun seit dem 4. Juli geltenden Ausgleichszöllen greife die EU massiv in den Automarkt ein und verfehle seine Ziele. Ziegler: „Statt günstiger E-Autos und mehr Klimaschutz werden die Arbeitsplätze von vier Millionen Beschäftigten im Kfz-Gewerbe in ganz Europa, davon über 80.000 in Baden-Württemberg, massiv gefährdet.“

Denn die Zölle träfen den Autohandel: „Im Verkauf ist es egal, ob ein E-Auto aus China kommt oder aus der EU. In der Werkstatt gilt dasselbe. Wir brauchen preiswerte E-Autos statt Säbelgerassel. Die Hersteller wissen das und selbst die sprechen sich gegen Zoll-Protektionismus aus, weil der kein Auto mehr Absatz bringt“, sagt Ziegler.

Es sei notwendig, wettbewerbsfähig zu sein und den Kunden Autos bieten zu können. Der Kunde müsse Spaß am Auto haben und gerne eins kaufen. Doch die Brüsseler Maßnahmen seien eher kontraproduktiv: „Früher waren die deutschen Hersteller am chinesischen Markt erfolgreich, weil sie vom Image und der Qualität ihrer Produkte profitiert haben“, so Ziegler. Jetzt die „Produktion aus China mit Dumpingvorwürfen madig zu machen“, wecke in China bestenfalls den Nationalstolz und die Chinesen kaufen chinesisch.

Europäische Hersteller auch ohne Hilfe wettbewerbsfähig

Ziegler zeigt sich sicher, dass die deutschen und alle europäischen Autohersteller auch ohne den Eingriff der EU den Wettbewerb mit China bestehen können. „Wir sehen einen Strukturwandel wie beispielsweise den Verkauf der Mercedes-Autohäuser, und auch andere Hersteller haben sich schon längst wieder auf ihre Kernkompetenz zurückgezogen.“

Der Autohandel habe in den letzten Jahren zunehmend auf eine Mehrmarkenstrategie umgestellt. „Die Logik, die dahintersteht, ist jedem klar, der etwas Ahnung vom Marketing hat. Der BYD von heute kann der Einstieg in den Daimler von morgen sein – wenn die Politik die Finger vom Markt lässt und die Hersteller frei in ihrer Produktionspolitik sind.“

Das heiße allerdings nicht, dass Brüssel, Berlin und Stuttgart die Wettbewerbsfähigkeit der Autobranche nicht unterstützen könnten: „Bürokratieabbau kommt derzeit immer noch nur in Mach-Schönwetter-Reden vor.“

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