KÜS warnt: Tachomanipulationen greifen um sich
Die Kfz-Überwachungsorganisation rät beim Gebrauchtwagenkauf zu besonderer Vorsicht. Angesichts der wachsenden Zahl von Tachomanipulationen sollten Autokunden nur Fahrzeuge mit geprüfter Qualität beim „Händler des Vertrauens“ kaufen.
Angesichts der wachsenden Zahl manipulierter Tachos bei Gebrauchtwagen raten die Kfz-Sachverständigen der KÜS, beim Kauf gebrauchter Fahrzeuge besonders auf geprüfte Qualität zu achten. Wie hoch die dabei aufgewandte kriminelle Energie sei, zeige ein Blick in die Statistik. Nach Hochrechnungen der Polizei seien etwa 30 Prozent der in Deutschland jährlich verkauften Gebrauchtwagen manipuliert. „Der Kilometerstand eines gebrauchten Pkw ist der entscheidende wertbestimmende Faktor. Wird hier getrickst, entsteht dem Käufer ein massiver wirtschaftlicher Schaden“, stellt KÜS-Geschäftsführer Peter Schuler fest.
Polizei-Razzia gegen dreiste Trickser
Einem Fall von organisierter Tacho-Manipulation ist derzeit die Polizei auf der Spur. Nach einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Donnerstag) durchsuchten Anfang dieser Woche mehr als 500 Beamte in einer groß angelegten Razzia etwa 150 Geschäfte, Büros und Privatwohnungen in Deutschland, Österreich, Bulgarien und der Schweiz. Dabei seien insgesamt 185 Beschuldigte, darunter 70 Autohändler, überprüft worden. Dem Bericht zufolge wurden im Zuge der Razzia rund 300 Autos und über 800.000 Euro Bargeld sichergestellt.
Zudem habe die Polizei 26 Verdächtige festgenmmen. Sie sollen die Kilometerstände von Gebrauchtwagen durch Eingriffe in die Elektronik oder durch Austauschen von Speicherchips zurückgedreht haben, um den Wert der Autos zu steigern. Beim wohl drastischsten Fall sei bei einem Pkw der Tachostand von 700.000 Kilometer auf 150.000 manipuliert worden. Danach wurde der Wagen für 15.999 Euro verkauft. Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 3.000 Euro pro Auto.
Augen auf beim GW-Kauf: „Korrekturen“ einfach wie nie
Waren in Zeiten mechanischer Tachos „Laufleistungskorrekturen“ ebenso einfach zu bewerkstelligen wie zu bemerken, stelle sich die Kontrolle heute ungleich schwieriger dar, heißt es in einer aktuellen KÜS-Mitteilung. Um einen digitalen Tachometer manipulieren zu können, benötigten kriminelle Anbieter einen Laptop und Anschlüsse für die Schnittstellen des Steuergeräts im Auto. Da die Schnittstellen offen ausgeführt sind, damit Werkstätten Fehler auslesen können, sei der Zugang mit der passenden Software für die Manipulierer kein Problem. Auf Knopfdruck könne so der Kilometerstand verändert werden.
Alternativ sei es auch möglich, das komplette Display auszuwechseln und beispielsweise eines aus einem Unfallwagen mit niedriger Laufleistung zu montieren. Vor allem bei Mietwagen und Taxis sei zudem der Einbau von Kilometerfiltern beliebt. Dahinter steckt ein kleiner Chip, der dem Tacho nur jeden zweiten gefahrenen Kilometer übermittelt. Bei den kriminellen Verkäufern seien besonders teure Dienstwagen beliebt, die hohe Laufleistung mit geringem Alter verbinden. Hier lohne sich die Verringerung der Tachoanzeige besonders.
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