KÜS warnt vor unzulässigen Tuning-Maßnahmen

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm

Dröhnende Auspuffanlagen, schräg gestellte Reifen und grelle Frontscheinwerfer – die HU-Prüfer der KÜS sehen viele verbotene Tuningmaßnahmen. Dabei kann die Individualisierung durchaus regelkonform gelingen.

Mit der Achse ist alles in Ordnung, mit der Betriebserlaubnis nicht. Der Fahrer setzte auf maximales Rad-Reifen-Tuning mit einem absurd hohen Reifensturz.
Mit der Achse ist alles in Ordnung, mit der Betriebserlaubnis nicht. Der Fahrer setzte auf maximales Rad-Reifen-Tuning mit einem absurd hohen Reifensturz.
(Bild: KÜS)

Die KÜS warnt anlässlich der derzeit laufenden PS-Schau auf der IAA vor illegalen Tuningmaßnahmen. Die Prüfingenieure fänden im Rahmen der Hauptuntersuchung immer wieder gefährliche Veränderungen und Basteleien am Fahrzeug, berichteten KÜS-Vertreter auf der Automesse. Die Spannbreite reiche von der Verwendung verbotener Leuchtmittel bis zur Montage von Fahrzeugrädern ohne Nachweis der Zulässigkeit.

Zuletzt hat sich nach Kenntnis der Sachverständigenorganisation die Verwendung unzulässiger Xenon-Nachrüst-Kits rückläufig entwickelt, das Problem sei aber immer noch existent. „Xenonbrenner gehören nicht in für Halogenlampen gebaute Leuchten“, stellen die Sachverständigen klar. Gleiches gelte für LED-Lampen. Die getauschte Lichtquelle projiziert das Licht nicht mehr dorthin, wo es sinnvoll und erlaubt ist, so dass die Wahrscheinlichkeit einer starken Blendung deutlich steigt. Werden unzulässige Leuchtmittel verbaut, erlöscht die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs.

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Im Trend liegen Rad-/Reifen-Umbauten auf größere Dimensionen. Spurverbreiterungen oder veränderte Karosserieanbauteile im Bereich der Räder können jedoch gegen die gesetzlichen Vorgaben einer ausreichenden Radabdeckung verstoßen, warnt die KÜS. Mangelhafte Radabdeckungen verursachen häufig Steinschläge in den Frontscheiben nachfolgender Fahrzeuge. Außerdem behindert das stärkere Aufwirbeln bei nassen Witterungsbedingungen die Sichtverhältnisse.

Aus der Praxis weiß die KÜS, dass einige Tuner versuchen, durch Räder mit deutlich negativem Sturz das Fahrzeug sportlicher aussehen zu lassen und zugleich eine ausreichende Radabdeckung ohne Bördelarbeiten zu erreichen. Die Folge sei jedoch ein erhöhter Verschleiß an Reifen und Radlagern, zudem reagiere das Fahrzeug verzögert auf Lenkbewegungen und werde in Geradeausstellung unstabil, so die KÜS-Fachleute. Durch eine verringerte Reifenaufstandsfläche könnten zudem die Vortriebs- und Bremskräfte nicht mehr ordentlich auf die Straße gebracht werden.

„Eine optimale Abstimmung des Gesamtfahrwerks, vor allem unter Berücksichtigung der dynamischen Achslastverlagerung, ist etwas für Profis“, stellt die KÜS fest. Autofahrer, Tuner und Werkstätten sollten daher nur auf Fahrwerksteile von zertifizierten Herstellern mit ordentlichen Prüfzeugnissen zurückgreifen, raten die Sicherheitsfachleute.

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Ein wachsendes Problem sind aus Sicht der KÜS getunte Abgasanlagen, die besonders laut und auffällig sind. Diese Bauteile würden insbesondere von so genannten „Posern“ genutzt, die mit quietschenden Reifen und Vollgassprints in den Innenstädten unterwegs sind. Die KÜS weist drauf hin, dass für jedes Fahrzeug eine Lärmobergrenze besteht, die nicht überschritten werden darf, da Lärm nicht nur nervt, sondern auch krank machen kann. Außerdem verschlechtert sich in der Regel das Abgasverhalten durch Manipulationen des Abgasstrangs.

Die KÜS legt aber Wert darauf, dass dieses Fehlverhalten nicht mit dem legalen und sicheren Tuning in einen Topf geworfen werden dürfe. Dass Veredelungen am Auto auch sicher, legal und ansprechend sein können, zeige sich an vielen geprüften Fahrzeugen und bei Tuningtreffen. Ein Rat in eigener Sache darf da nicht fehlen: „Bevor man mit den Änderungsmaßnahmen beginnt, ist ein Gespräch mit dem Prüfingenieur der richtige Weg. Er kennt die gesetzlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten und bewahrt den Besitzer so vor Fehlern und unnötigen Ausgaben.“

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