Lancia : „Eine Marke mit sehr viel Kraft“
Ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist angesichts eines rückläufigen Gesamtmarkts eine sehr positive Entwicklung, sagt der neue Lancia-Chef Ferdinand Kaiser.
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Redaktion: Seit 1. Juni 2007 ist Lancia in Deutschland unter dem Dach der Fiat Group Automobiles Germany AG eigenständiger unterwegs. Was heißt das für die Marke?
Ferdinand Kaiser: Ebenso wie in Italien sind die Konzernmarken jetzt auch in Deutschland getrennt aufgestellt. Wir sind jetzt wieder eine eigenständige Business-Unit, was die Marke Lancia für die Zukunft stärkt. Es heißt aber nicht, dass wir uns von der Fiat Group Automobiles Germany AG entkoppeln. Mit der Eigenständigkeit wollen wir jedoch den Ansprüchen des Handels und der Kunden besser gerecht werden.
Welche Ansprüche haben die Händler?
Eine zentrale Forderung lautet: Wir wollen mit der Marke wieder Geld verdienen und dem muss man Rechnung tragen. Das kann nicht gleich morgen passieren, aber in der Zukunft wollen wir dem Handel ein Portfolio bieten, mit dem er wieder Geld verdienen kann.
Wo positioniert sich die Marke Lancia?
Lancia hat nicht nur eine lange Tradition, sondern auch Temperament und Eleganz. Das wird auch künftig unsere Ausrichtung bleiben. Wir werden Lancia ganz bewusst nicht zu einer Premiummarke entwickeln. Wir wollen viel lieber jene Kunden erreichen, die nach einer echten Alternative suchen.
Wie definieren Sie diese Kunden?
Lancia-Kunden sind Menschen mit gehobenem Einkommen, gut situiert, um die 40 Jahre alt, überwiegend verheiratet, teilweise sind die Kinder aus dem Haus.
Ist Lancia auf der Modellseite überhaupt wettbewerbsfähig?
Wir sind in allen vertretenen Segmenten durchaus wettbewerbsfähig. Vorausgesetzt man kennt unsere Produkte. Letzteres ist unsere größte Herausforderung.
Heißt das, die Deutschen kennen die aktuellen Lancia-Modelle nicht mehr?
So ist es. Wenn wir heute jemanden auf der Straße fragen: „Was ist Lancia?“, kommt als erste Antwort „Ypsilon 10“. Das haben die Leute im Kopf abgespeichert. Dann kommen Thesis und Delta. Delta ist dabei für uns die Brücke in die Zukunft.
Was wollen Sie unternehmen, um dieses Problem zu lösen?
Die beste Lösung sind steigende Zulassungszahlen. Vor allem über die zugelassenen Fahrzeuge kann der Kunde Lancia wahrnehmen.
Wo sollen die Zulassungen herkommen?
2005 haben wir in Deutschland 2 582 Neuwagen verkauft, 2006 waren es 2 626. Im ersten Halbjahr 2007 verbuchten wir 1 384 verkaufte Fahrzeuge und damit ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das ist angesichts eines rückläufigen Gesamtmarkts eine sehr positive Entwicklung.
Apropos Handel: Wie viele Händler zählt das Lancia-Netz aktuell in Deutschland?
Wir haben ein zweistufiges Händlernetz plus Service-Points. Zusammen kommen wir so auf 188 Partner.
Reicht das aus, um flächendeckend präsent zu sein?
Nein. Wir haben noch einige Open Points. Es ist eine große Herausforderung, ein Händlernetz wie in den neunziger Jahren aufzubauen.
Wo muss Lancia möglichst rasch präsent sein?
In allen Landeshauptstädten inklusive Berlin – aber auch noch in vielen weiteren Städten und Ballungszentren allgemein.
Haben Sie bereits neue Partner gefunden?
Wir haben im ersten Halbjahr 2007 fünf Open Points geschlossen. Bis Ende 2007 kommen acht weitere neue Partner hinzu. Auch das ist ein positives Signal.
Kommen die neuen Partner aus dem Fiat-Netz?
Ja. Die Händler haben bereits eine italienische Markenvertretung und wollen in Zukunft alle unsere Marken verkaufen. Sie haben gelernt, über den Tellerrand zu schauen und dabei erkannt, dass Lancia sie nach vorn bringen kann.
Welche neuen Produkte können alte und neue Partner erwarten?
Das erste neue Modell ist der Ypsilon Sport Momo Design. Er ist für mich deshalb sehr wichtig, weil er das neue Markenlogo repräsentiert. Dieses Logo signalisiert Erneuerung und Heritage. Das zweite neue Auto wird der neue Musa sein. Nächstes Jahr in Genf präsentieren wir dann den völlig neuen Delta HPE.
Sind eigentlich die Qualitätsprobleme gelöst?
Qualität ist für mich ein wichtiges Thema. Der Ypsilon wird in Sizilien in einer Topqualität produziert. Und der Musa kommt ebenso perfekt aus dem Norden Italiens. Sicher, bei der Einführung von Thesis und Phedra gab es Probleme, aber das ist längst Geschichte.
Wo sehen Sie die Marke Lancia 2010 in Deutschland?
Wir wollen unsere Verkaufsziele in Deutschland gesund steigern. Wir planen 2007 rund 3 000 und 2008 rund 6000 Einheiten zu verkaufen. 2009 soll dann mit 13 000 bis 15 000 verkauften Fahrzeugen ein wirklich großer Schritt erfolgen.
Das sind sehr ehrgeizige Ziele.
Es sind sehr ambitionierte Ziele. Wir glauben aber an unseren Erfolg. Lancia ist eine Marke mit sehr viel Kraft und einer guten DNA. Wir haben zwar lange Zeit viel zu wenig aus dieser Marke gemacht und werden sicher auch nicht morgen gleich alle überholen. Aber wir werden einen Schritt nach dem anderen gehen und für jeden Schritt arbeiten, arbeiten, arbeiten.
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