Eigentlich sollte der Land Rover nur ein Ersatz für die US-Jeep sein, mit denen britische Bauern ihre Felder bestellten. Die Premiere ist 70 Jahre her – und war der Beginn einer Erfolgsstory.
Die Queen und Prinz Philip in einem Land Rover 1954 bei einem Besuch in Mackay, Queensland.
Er war Großbritanniens erster Friedensbotschafter mit Vierradantrieb. Als der Land Rover im Frühjahr 1948 auf dem Automobilsalon von Amsterdam enthüllt wurde, lag die Nachkriegswelt noch in Trümmern und neue Autos wurden für den Wiederaufbau und die Versorgung der Bevölkerung gebraucht.
Genau dafür hatte die traditionsreiche Premiummarke Rover ihr jüngstes Produkt konzipiert, den knorrig-kantigen Allradkraxler Land Rover, der erst 1990 die Modellbezeichnung Defender erhielt: In der Landwirtschaft sollte das von seinen Fans liebevoll „Landy“ genannte Nutzfahrzeug die Motorisierung vorantreiben und im Exportgeschäft zählte der 4x4-Allesüberwinder mit Geländeuntersetzung zu Großbritanniens wichtigsten Devisenbringern.
Aber auch die britischen Streitkräfte setzten bald auf dieses Universaltalent aus rostresistentem Aluminium – Stahl war anfangs knapper als Leichtmetall. Trotzdem waren es die abenteuerlichen Einsätze als zuverlässiges Expeditionsfahrzeug und als unentbehrlicher Geländewagen von Hilfsorganisationen, die das Image des Land Rovers prägten und seine Absatzkurve steil nach oben führten. Über zwei Millionen Einheiten wurden bis 2016 ausgeliefert. Seitdem warten alle Fans – und das britische Königshaus – auf den angekündigten Nachfolger. Tatsächlich liegt der in seinem Herzen urbritische Geländewagen Königin Elisabeth II. ganz besonders am Herzen. So lenkt sie ihren Land Rover souverän über Stock und Stein und durch Flussfurten zu Feldern ihrer Anwesen.
Aus dem Hofstaat der Windsors ist Land Rover längst nicht mehr wegzudenken. Ebenso wie Rolls-Royce und Bentley sind die britischen Allrad-Fahrzeuge fester Bestandteil des königlichen Fuhrparks, seit die Queen 1953 bei einem Staatsbesuch erstmals aus einem offenen Land Rover winkte. Heute dient ein Range Rover mit Hybridantrieb als royales Parademobil, aber die Liebe der Königin zum klassischen Landy bleibt ebenso bestehen wie die zu ihren Pferden und Corgies.
Geburtstags-Edition für 150.000 britische Pfund
So durfte Land Rover beim Fest zum 90. Geburtstag der Monarchin auf Schloss Windsor nicht fehlen und die Königin reiste selbstverständlich zur Eröffnung eines neuen Motorenwerks von Jaguar-Land Rover bei Birmingham. Was nun im 70. Jubiläumsjahr der Offroad-Marke – eigenständig geführt wird sie offiziell übrigens erst seit 1990 – Spekulationen befeuert, ob der Produktionsstart eines neuen Land Rover Defenders ebenfalls in Anwesenheit der Queen erfolgen wird.
Zuvor jedoch zelebriert Land Rover das Leiterrahmen-Urgestein mit einer „Defender Works V8 70th Anniversary Edition“. Dabei handelt es sich um 150 aufgefrischte Landies mit 298 kW/405 PS starkem V8, für die dann jeweils mindestens 150.000 Pfund Sterling fällig werden. Eine ambitionierte Preisforderung, die jedoch das Interesse der Fans nur weiter befeuert. Tatsächlich ist der Land Rover Defender längst ein automobiles Nationaldenkmal, das als ebenso britisch betrachtet wird wie Big Ben, Buckingham Palast oder Linksverkehr. Immerhin stellte sich Land Rover von Beginn an in den Dienst des Vereinigten Königreichs und des Commonwealth.
Kein Land, in dem der Landy nicht anzutreffen war, vor allem, wenn es sich um (ehemalige) britische Kolonien handelte. Wenn heute die „Ärzte ohne Grenzen“ auf afrikanischen Pisten zu Patienten rumpeln oder Rebellen Raketenwerfer transportieren, zeigen die TV-Nachrichten vor allem preiswerte Geländegänger japanischer Provenienz. Aber auch die aus nahezu unverrottbarem Aluminium gebauten Land Rover leben weiter. Gut drei Viertel aller seit 1948 ausgelieferten Station Wagons, Pick-ups und Planenwagen sind „still going strong“, haben also überlebt. Aus dem Erfolgsmodell hervorgegangen ist eine Familie, die heute sieben Land-Rover- und Range-Rover-Modellreihen umfasst.
„Rover für den Farmer“
Daran war Ende der 1940er Jahre natürlich noch nicht zu denken. Damals präsentierte die renommierte Marke Rover ein Produkt, das so gar nicht zur prestigieusen Pkw-Palette passte. Maurice Wilks, leitender Ingenieur bei Rover und Bruder des geschäftsführenden Direktors Spencer Wilks, beabsichtigte einen „Rover für den Farmer, mit dem er überall hinkommt und alles machen kann, einen universellen Land Rover“. Dieses landwirtschaftliche Nutzfahrzeug sollte die während des Zweiten Weltkriegs nach Britannien gekommenen Jeep in ihrer Funktion als Feldarbeiter ablösen und zugleich gegen den damals besonders populären Ferguson Traktor antreten.
Ausfuhrgewinne erwirtschaften musste der Allrad-Rover außerdem, denn die britische Regierung teilte die begrenzten Rohstoffmengen damals nach Höhe der Exporterlöse zu. Knauserigkeit war dagegen der Grund für die markant-kantigen Karosserieformen, in die sich Aluminium ohne teure Presswerkzeuge bringen ließ. Die konstruktiven Kennzeichen des Kraxlers mit Geländeübersetzung waren ein Kastenrahmenchassis sowie Starrachsen vorn und hinten, ab 1983 gab es Schraubenfedern.
Stand: 08.12.2025
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