Crashtests Lebensechte Dummys mit Knochen und inneren Organen

Quelle: mid

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Die Folgen von Autounfällen auf die Passagiere werden aufwendig an Puppen analysiert. Doch noch immer sind viele Fragen ungeklärt. Eine neue Generation an Dummys soll das jetzt ändern. Sie haben Knochen, Sehnen, Bänder und innere Organe.

Dummys werden in der Unfallforschung schon lange eingesetzt. Eine neue Generation soll nun neue Aufschlüsse über innere Verletzungen geben.(Bild:  ADAC/Ralph Wagner)
Dummys werden in der Unfallforschung schon lange eingesetzt. Eine neue Generation soll nun neue Aufschlüsse über innere Verletzungen geben.
(Bild: ADAC/Ralph Wagner)

Eine deutsche Firma aus dem Münsterland hat eine neue Generation an Crashtest-Dummys entwickelt: Die neuartige „Puppe“ kann nach dem kontrolliert durchgeführten Crash sogar geröntgt und obduziert werden. Mit der Puppe und den Verfahren wollen die Unfallforscher künftig genauer analysieren können, was mit den Fahrzeuginsassen während eines Unfalls geschieht.

„Biofidel“ nennt sich der neuartige Dummy, den die Münsteraner Firma Crashtest-Service jetzt anbietet. Die 79 Kilogramm schwere Unfallpuppe sitzt in Autos, die mit einer definierten Geschwindigkeit mehr oder weniger frontal gegen ein feststehendes Hindernis geschleudert werden, um erkennen zu können, was einem menschlichen Insassen dabei widerfahren würde.

Und je genauer der Dummy dem menschlichen Körper entspricht, desto mehr und präzisere Rückschlüsse lassen die Crashtests auf die Praxis im Verkehrsalltag zu. Deshalb verfügt der Biofidel-Dummy auch über Knochen, die brechen können, über Sehnen und Bänder, die reißen können, und über Weichteile, die nahezu genauso verletzt werden können wie menschliche Organe. Somit lassen sich mit diesem neuen Dummy-Typ auch innere Verletzungen sehr realistisch simulieren.

Das Besondere an den Biofidel-Dummys ist also ihre ausgeprägte Vergleichbarkeit mit dem realen Menschen. Diese hohe Übereinstimmung führt der Hersteller auf die spezielle Konstruktionsweise der Unfallpuppe zurück. Denn bei ihr sollen alle eingesetzten Materialien in ihren physikalischen Eigenschaften bestmöglich den „Bauteilen“ eines Menschen entsprechen, indem etwa die Dichte und Struktur der Dummy-Knochen dem menschlichen Skelett detailgetreu nachempfunden wurden.

Puppen mit Skelett und Organen

Hierzu entwickelte Biofidel-Erfinder Michael Weyde, ein langjähriger Unfallforscher, gemeinsam mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden und der Technischen Universität Berlin Materialien, die der Zug-, Druck- und Biegefestigkeit von menschlichen Knochen entsprechen. Der Werkstoff, der am Ende der Versuche ausgewählt wurde, wird in Formen gegossen, aus denen Dummy-Knochen hervorgehen, die jenen des Menschen sehr nahekommen.

Außerdem entwickelte der Unfallforscher mit seinen Partnern aus der Forschung für die Biofidel-Dummys ein spezielles Silikon, mit dem sich das Gewebe von Weichteilen, Muskeln und Fett „lebensecht“ nachbilden lässt und das in seiner Verformung den menschlichen Vorbildern gleicht. Umhüllt wird dieser Körpernachbau von einer sehr realitätsnahen Hautnachbildung aus einer speziellen Latex-Mischung.

An Frauenmaße angepasste Dummys

Diese Dummys entsprechen dem menschlichen Körper also sehr viel mehr als bisherige, starrere Dummys aus Stahl und Kunststoffen. Allerdings treffen auch diese Fortschritte zunächst nur für Personen zu, die der Anatomie des sogenannten 50-Perzentil-Mannes entsprechen, die also rund 1,75 Meter groß sind und etwa 78 Kilo wiegen. Das sind die statistisch ermittelten geschlechtsspezifischen Durchschnittswerte der Körpergröße und des Gewichts eines männlichen Zeitgenossen.

Diesen Maßen entsprechen aber längst nicht alle Männer und schon gar nicht die Mehrheit der Frauen. Deshalb fordern Experten schon seit Längerem, die Anatomie von Crashtest-Dummys jener von weiblichen Personen anzupassen, damit Frauen bei der Weiterentwicklung der Sicherheit von Fahrzeugen nicht benachteiligt werden. Tatsächlich erleiden einschlägigen Statistiken zufolge Frauen bei Unfällen nämlich häufiger schwere oder gar tödliche Verletzungen als Männer. Diesem Umstand wollen die Unfallforscher künftig Rechnung tragen, indem auch der Biofidel-Dummy der weiblichen Anatomie angepasst wird.

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