Leichtbau im Automobil setzt sich durch
Leichtbau ist der aktuelle Trend in der Automobilindustrie. Für die Hersteller gibt es zahlreiche neue Ansatzpunkte, wie Referenten auf dem „Würzburger Automobil Gipfel 2010“ aufzeigten.
Leichtbau heißt der derzeit angesagte Trend in der Automobilindustrie. „Nach dem CO2-Wettlauf kommt jetzt der Kilogramm-Wettlauf bei den Automobilherstellern“, sagte Hans-Wolf Mattheus, Leiter MBC Innovationsmanagement und Gewichtsmanagement der Daimler AG, auf dem „Würzburger Automobil Gipfel 2010“. Auf der Veranstaltung der Fachzeitschrift »Automobil Industrie« diskutierten das Thema rund 160 Teilnehmer.
Statt nach dem Gewicht hätten die Kunden bislang nach Leistung, Sicherheit und Komfort gefragt, konstatierte Mattheus. In der Folge seien die Autos immer schwerer geworden - bei Mercedes und den Wettbewerbern gleichermaßen. Eine Umkehr der Gewichtsspirale, um den Verbrauch signifikant zu reduzieren ohne die Fahrleistungen zu schmälern, sei deshalb unbedingt nötig gewesen.
Auf der Suche nach überflüssigen Kilos hat Daimler seine kompletten Entwicklungs- und Produktionsprozesse durchleuchtet. „Jeder Entwickler weiß inzwischen, was er in Sachen Leichtbau zu leisten hat“, stellte der Daimler-Manager klar. Auch der Einkauf sei inzwischen ein fester Bestandteil des Leichtbaukonzepts. „Denn der Wettlauf um das geringste Fahrzeuggewicht ist natürlich auch ein Wettlauf der Materialkosten pro Kilogramm.“
100 Kilogramm weniger spart 0,3 Liter Kraftstoff
Dabei wirkt sich jedes eingesparte Pfund direkte auf den Verbrauch aus: „Ein um 100 Kilogramm leichteres Fahrzeug verbraucht 0,3 Liter weniger pro 100 Kilometer“, so Mattheus. Dies entspreche einer CO2-Reduktion von 7,5 Gramm pro Kilometer.
Impulse für den Leichtbau lassen sich nicht zuletzt aus dem Motorsport ziehen. „Es gibt keinen Fahrer oder Mechaniker, der nicht darauf getrimmt ist, alles so leicht und leichtläufig wie möglich zu bauen“, betonte die Profi-Rennfahrerin Ellen Lohr. Schon in den ganz kleinen Rennserien werde auf Leichtbau geachtet - angefangen bei einfachsten Lochblechen, dem Kürzen von Schrauben oder dem schlichten Verzicht auf Komponenten.
Eine weitere Möglichkeit zur Gewichtseinsparung ist der Werkstoff Magnesium „MnE21“. Interessant sei, dass die Kosten von Bauteilen aus MnE21 auf einem Niveau lägen, das diese Legierung gerade für Großserien interessant werden lasse, sagte Prof. Ulrich Bruhnke, Geschäftsführender Gesellschafter Tech-Mag.
Im Sinne einer zukunftsweisenden Gewichtsoptimierung plädierte Lohr für ganz neue, effektivere Fahrzeuggesamtkonzepte anstelle der sogenannten Conversion Designs. „Leichtbau ist planbar. Er muss jedoch bereits in der Konzeptphase eines neuen Automobils konsequent in den Köpfen der Ingenieure verankert werden“, resümierte die Rennfahrerin.
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