Umweltfreundlich, günstig bei Anschaffung und Unterhalt, sympathisch und mit Parkplatzgarantie – Microcars bieten einige handfeste Vorteile. Doch der Sparzwang, dem diese Fahrzeuggattung unterliegt, schafft auch Probleme.
Nach dem Dekra-Frontalcrash sieht der Citroen Ami eigentlich noch gut aus. Allerdings wurde die Aufprallenergie aufgrund der steifen Karosserie an die Insassen geleitet.
(Bild: Dekra / Friedhelm Schwicker)
Leichtbauautos, gerne auch Microcars oder Mopedautos genannt, machen seit Jahren von sich reden. Sie versprechen unter anderem einen geringen CO2-Fußabdruck und damit Vorteile für das Klima. Zudem sind sie vergleichsweise günstig und insbesondere die elektrisch angetriebenen Vertreter eine finanziell interessante Alternative zu teuren Elektroautos. Auch bei Fahranfängern stoßen die Winzlinge auf Interesse, denn schon 15-Jährige dürfen sich hinter das Steuer der langsameren L6e- und 16-Jährige hinter das der schnelleren L7e-Varianten setzen.
Oft werden die Leichtgewichte auch als vermeintlich sichere Alternative zu Rollern und 125er-Motorrädern angepriesen. Doch gerade das Thema Sicherheit ist auch die Achillesferse dieser Zwerge, denn sie unterliegen diversen Sparzwängen, die sie zumindest für ihre Nutzer auch gefährlich machen, wie ein aktueller Crashtest einmal mehr belegt.
Auslöser für die wieder entfachte Diskussion um die Sicherheit von Microcars war ein von der Fernsehsendung „Auto mobil - das Vox Automagazin“ in Auftrag gegebener und von der Prüfgesellschaft Dekra durchgeführter Crashtest mit den L6e-Vertretern Citroen Ami und Aixam Access. Beide Fahrzeuge wurden mit 45 km/h, also ihrer Höchstgeschwindigkeit, gegen ein stehendes Hindernis mit 40 Prozent Überdeckung gefahren. Das Fazit der Dekra war erschreckend und angesichts der gezeigten Bilder der deformierten Fahrzeuge nachvollziehbar: Demnach wirken in einem solchen Szenario Kräfte auf den Fahrer ein, die als potenziell tödlich eingestuft werden.
Der im November 2024 ausgestrahlte Fernsehbeitrag sorgte unter anderem mit Aussagen wie „Horror-Ergebnis“ für ein nicht unerhebliches und wohl auch gewünschtes Medienecho. Die weit verbreiteten Vorbehalte deutscher Autokäufer gegenüber dieser Fahrzeugklasse dürften nach diesem Beitrag nicht geringer geworden sein.
Besser als Zweiräder – aber nur bedingt
Die Kritik am unzureichenden Insassenschutz von Leichtkraftfahrzeugen hat in Deutschland eine schon längere Tradition. So warnte die Unfallforschung der Versicherer (UDV) bereits 2007 in einer gemeinsam mit dem Allianz Zentrum für Technik (AZT) erstellten Studie zur Sicherheit von Microcars: „Bereits bei Kollisionen mit „Stadtgeschwindigkeit“ besteht für den Fahrer ein erhöhtes Verletzungsrisiko“.
Diese kritische Haltung gegenüber den Kleinstfahrzeugen vertritt die UDV auch heute noch. Die Unfallforscher verweisen unter anderem auf zwei Crashtest-Kampagnen von Euro NCAP aus den Jahren 2014 und 2016, bei denen die insgesamt acht untersuchten Microcars durchweg mit „mangelhaft“ bewertet wurden. Die klare Empfehlung von Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer im GDV, lautet: „Vor dem Hintergrund dieser und unserer Forschungsergebnisse können wir zu L6e- oder L7e-Fahrzeugen nicht guten Gewissens raten.“
Der Verkehrsclub ADAC kann den Autozwergen ebenfalls kein gutes Zeugnis ausstellen, insbesondere in Hinblick auf ihre Insassensicherheit. Der letzte Crashtest, den der ADAC vor gut 20 Jahren mit einem Mopedauto durchführte, fiel ähnlich katastrophal wie die Dekra-Tests aus. Ebenso die Versuche, die der ADAC im Test-Konsortium Euro NCAP 2016 durchgeführt hat. „Unsere Experten sind sich aber weitgehend sicher: Würden wir den Crash heute wiederholen, kämen wir zu den gleichen Ergebnissen“, so Volker Sandner Leiter Fahrzeugsicherheit beim ADAC. Immerhin bescheinigt der ADAC dem Microcar einen Sicherheitsvorteil gegenüber Klein- und Leichtkrafträdern, die vor allem von jungen Verkehrsteilnehmern genutzt werden.
Demnach bietet das Microcar durch Gurte und Karosserie einen besseren Schutz vor dem Sekundärcrash, bei dem Mopedfahrer in der Regel mit der Straße kollidieren. Dennoch überwiegen in der Bewertung des ADAC die Vorbehalte gegenüber der Mobilitätsalternative Microcar: „Wirklich empfehlenswert, vor allem für längere Touren und Nachtfahrten, sind die zudem nicht billigen Fahrzeuge aus unserer Sicht nicht. Für junge Leute in der Stadt wären sie vielleicht noch geeignet - aber die haben ja den ÖPNV. Dort, wo es keinen ÖPNV gibt, auf dem Land, sind die Microcars eher nicht zu empfehlen“, resümiert Sandner.
Eine neue Klasse: Lösung oder Stolperstein?
Wenn die Hersteller dieser Fahrzeuge hierzulande mehr Autos unters Volk bringen wollen, werden sie sich wohl stärker um mehr Insassenschutz kümmern müssen. Der Spielraum dafür ist allerdings eng, da die Fahrzeuge ohne Batterie nur 425 bzw. 450 Kilogramm wiegen dürfen. Zumindest einen kleinen Vorstoß in Richtung mehr Sicherheit hat die Renaultmarke Mobilize gemacht, die 2025 mit dem Duo und dem Bento zwei Nachfolger des Renault Twizy auf den Markt bringen wird, die mit vier Scheibenbremsen, Dreipunktgurten mit Gurtkraftbegrenzer sowie einem Fahrerairbag ausgestattet sind. Auf mehrere Airbags, ABS, ESP sowie verstärkte Karosserien und Knautschzonen darf man angesichts der Gewichtsbeschränkungen allerdings kaum hoffen.
Stand: 08.12.2025
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Soll die Insassensicherheit im künftig stärker berücksichtigt werden, bleibt der eigentlich sympathische Ansatz des ökologisch und ökonomisch vorteilhaften Leichtbau-Mobils problematisch. Zu gering ist der Spielraum, um eine ähnlich aufwändige Sicherheitstechnik zu integrieren, wie sie in der Pkw-Welt längst üblich ist.
Der Preis ist das Problem
Einen Ausweg aus diesem Dilemma könnte eigentlich nur die Einführung einer neuen Klasse bieten, die zwar dem Leichtbaugedanken verpflichtet bleibt, aber durch mehr Spielraum beim Gewicht auch mehr Spielraum für Sicherheitstechnik bietet. Bei einer solchen „L8e“-Klasse bestünde dann das Problem weiter steigender Kosten, was zu deutlich höheren Preisen führen würde.
Derzeit kosten die Einstiegsversionen von L6e- und L7e-Fahrzeugen zwischen 8.000 und 14.000 Euro und damit ein gutes Stück unterhalb der günstigsten Pkw-Modelle. Wollten die Leichtfahrzeuge sicherheitstechnisch mit den Pkw mithalten, müssten sie vermutlich auch preislich in Pkw-Regionen vorstoßen. Dann wären sie allenfalls eine preiswerte, aber finanziell nicht mehr wirklich attraktive Alternative zum klassischen Pkw.