E-Mobilität Lidl macht Laden von E-Autos kostenpflichtig

Von Andreas Grimm/dpa

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Angesichts der wachsenden Zahl an Elektroautos bieten immer weniger Unternehmen kostenloses Laden für E-Autos an. Diesem Trend folgen nun Lidl und Kaufland. Konkurrent Aldi hat das Marketing-Element „Gratisstrom“ bereits eingestellt. Bei einem Discounter läuft das Lockangebot derzeit noch.

Der Discounter Lidl will künftig für den Ladestrom an seinen Ladepunkten kassieren. Im Gegenzug soll das Ladenetz ausgebaut werden.(Bild:  Lidl)
Der Discounter Lidl will künftig für den Ladestrom an seinen Ladepunkten kassieren. Im Gegenzug soll das Ladenetz ausgebaut werden.
(Bild: Lidl)

Das Lockangebot „Gratisstrom“ gerät zunehmend aus der Mode. Immer weniger Einzelhandelsketten oder Einzelunternehmen halten noch kostenlose Lademöglichkeiten für E-Autos auf ihren Parkplätzen vor. Im Juni 2022 hatte Aldi sein Gratisangebot abgeschaltet – der Discounter unterhält immerhin rund 1.000 Ladepunkte. Nun wollen auch Lidl und Kaufland Geld für den Strom, wie die Schwarz-Gruppe als Mutterkonzern am Montag mitteilte. Noch vor Kurzem hatte das Unternehmen auf Anfrage der Redaktion „Auto Motor und Sport“ bestätigt, dass Kunden bis zu einer Stunde gratis laden könnten.

Nun führt die Unternehmensgruppe „ab dem 12. September 2022 eine Gebühr für den getankten Grünstrom ein“, hieß es. Jede Kilowattstunde an AC-Ladepunkten bis zu 43 Kilowatt Ladeleistung koste dann 0,29 Euro pro Kilowattstunde. An DC-Ladepunkten mit bis zu 149 Kilowatt Ladeleistung seien es 0,48 Euro pro Kilowattstunde. An einzelnen Standorten könne mit 150 Kilowatt oder mehr für 0,65 Euro geladen werden. Lidl und Kaufland betreiben ein großes Netz. Lidl verfügt über mehr als 1.050 Ladepunkte; Kaufland hat rund 270 Ladepunkte.

Aldi verlangt für den Strom ähnlich viel. An den Normalladesäulen, die bis zu 22 kW leisten, kostet die Kilowattstunde 29 Cent. An einer der fast 200 Schnellladestationen mit einer Leistung von bis zu 150 kW werden 39 Cent pro Kilowattstunde berechnet. Damit laden E-Auto-Fahrer laut Aldi in der Regel schneller und günstiger als zu Hause. Das Laden bei Rewe und seiner Discount-Tochter Penny ist deutlich teurer als bei Aldi. Je nach Ladeleistung variieren die Preise zwischen 54 und 69 Cent pro Kilowattstunde.

Immer weniger kostenlose Ladestationen

Sogenannte Ladeschnorrer scheinen nicht Auslöser für die Lidl-Entscheidung gewesen zu sein. Die Schwarz-Gruppe habe damit keine nennenswerten Erfahrungen gemacht, hieß es auf Anfrage von „Auto Motor und Sport“. Die überwiegende Mehrheit nutze die Ladestationen nur während des Einkaufs. Mit dem Ende des Gratisladens sollen nun der weitere Ausbau sowie die Instandhaltung der E-Ladestationen gewährleistet werden.

Gleichwohl bekommt die Schwarz-Gruppe den Boom der Elektroautos deutlich zu spüren. Im Jahr 2020 hätten im Durchschnitt vier Elektroautos am Tag an einer E-Ladestation von Lidl ihre Akkus aufgeladen, bei Kaufland neun Autos. 2021 habe sich diese Anzahl bereits bei beiden Handelssparten verdoppelt. Mittlerweile verzeichne das Handelsunternehmen an Spitzentagen im Durchschnitt bei Lidl rund 15 und bei Kaufland rund 20 Ladevorgänge je Station.

Eine Gratisalternative ist – noch – die Edeka-Tochter Netto. Sie baut ihr Netz mit AC- und DC-Ladepunkten erst noch auf und bietet laut den Recherchen von „Auto Motor und Sport“ derzeit Gratisstrom. Wie groß das Netz aktuell ist, teilt Netto nicht mit. Allerdings kündigte der Discounter an, dass man in Zukunft auf kostenpflichtiges Laden umstellen werde.

Bereits im Frühjahr hat eine Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI gezeigt, dass die Zahl der Händler, die für das Laden Gebühren verlangten, binnen Jahresfrist deutlich zugenommen habe. Innerhalb von zwölf Monaten war demnach der Anteil der Händler, bei denen das Laden grundsätzlich nicht mehr kostenfrei war, von 29 auf 42 Prozent gestiegen. Rund 26 Prozent der Händler boten für Kunden immerhin noch vergünstigte Tarife beim Laden an. Bei 15 Prozent der Händler durfte die Kundschaft weiter kostenfrei laden. Weitere 15 Prozent boten das Laden für alle kostenlos an.

Die EHI-Projektleiterin Elektromobilität, Cathrin Klitzsch, betonte, auch nach Abschluss der Studie habe sich der „Trend weg vom kostenlosen Tanken im deutschen Handel weiter fortgesetzt“. Gleichzeitig sei aber auch die Leistung der auf den Parkplätzen an den Einkaufsstätten neu installierten Ladesäulen Schritt für Schritt größer geworden. Dadurch sei es möglich, in kürzerer Zeit mehr Strom zu tanken.

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