Liqui Moly: Arbeitsplätze statt Aktienkurs
Firmeninhaber Ernst Prost sieht die aktuelle Krise als willkommene Chance, Denk- und Verhaltensmuster neu zu bewerten.
Anbieter zum Thema
Wir befinden uns im Jahre 2009. Ganz Deutschland befindet sich in einer Rezession und alle jammern und blasen Trübsal.Ganz Deutschland? Nein! Nicht so ein kleines Unternehmen aus Ulm an der Donau. Liqui Molly, das „gallische Dorf der Schmierstoffbranche“ hat eine simple, aber eindringliche Forderung: wieder mehr echte soziale Marktwirtschaft.
In einer landesweiten Anzeigenkampagne wendet sich Ernst Prost, Eigentümer und Geschäftsführer des Schmierstoffspezialisten, an Markt und Menschen. Er fordert, dass Gewinnstreben und Ethik bei Unternehmen wieder besser miteinander in Einklang gebracht werden sollten und geht mit buchstäblich gutem Beispiel voran.
„Ulm statt Lichtenstein“, „Deutschland statt China“ oder „Mittelstand statt Multi“ lauten seine durchaus provokanten Parolen. Liqui Moly spricht öffentlich aus, wie die wirtschaftliche Welt funktionieren könnte, wenn nicht die Rendite im Vordergrund stünde, sondern das Wohl der Gesellschaft seinen ehemaligen Stellenwert zurückerhielte.
Verrückte Zeiten
Ehrenwerte Gedanken in Zeiten der Wirtschaftskrise‚ die längst auch Liqui Moly eingeholt hat. Statt sattem zweistelligem prozentualem Wachstum pro Monat zeichnen die Zahlen seit Oktober ein nüchternes, zum Jahresanfang sogar düsteres Bild. „Das habe ich zuvor noch nie gehabt, weder in dieser Firma noch in anderen“, erzählt der Geschäftsführer. Ganze Märkte brächen einfach weg und neue fingen dies nur bedingt auf.
Ein Patentrezept zum Krisenmanagement hat auch Prost nicht zur Hand, aber von den üblichen Mitteln wie Massenentlassungen und Verlagerung der Produktion ins Ausland hält er nichts. Es geht auch anders: In Deutschland produzieren und die Arbeitsplätze im Blick behalten, nicht die Rendite – zwei von mehreren Argumenten, die Liqui Moly in seiner Anzeigenkampagne thematisiert. Ziel ist es, Wirtschaft, Politik und Bevölkerung wachzurütteln und als Gegenpol zur Masse zu fungieren.
„Menschen entlassen passt nicht in mein Bild von Krisenbewältigung. Wir sind ein Unternehmen mit Seele und Anstand. Bei uns zählt der Mensch. Es mag sehr altruistisch klingen, dabei bin ich auch Egoist. Wenn ich den Leuten Gutes tue, mache ich das nicht als reiner Samariter, sondern weil ich weiß, dass diese Menschen zu mir stehen, wenn es darauf ankommt. Genau das ist jetzt der Fall“, erklärt der Geschäftsführer und zeigt damit, dass ihm der Wert eines gesunden Arbeitsklimas bewusst ist. Diesen Kurs will er gerade jetzt beibehalten und auch möglichst viele andere Unternehmer dazu ermutigen. Steffen Dominsky
(ID:298961)