LV Berlin-Brandenburg warnt vor Dramatisierung der Branchenlage

Autor / Redakteur: Christoph Baeuchle / Jens Rehberg

Der LV Berlin-Brandenburg zeigt sich mit der aktuellen Situation im Kfz-Gewerbe wenig zufrieden – und im nächsten Jahr kommt es noch schlimmer.

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Trotz Absatzrekord im laufenden Jahr hat der Landesverband Berlin-Brandenburg sich unzufrieden über die aktuelle Situation geäußert und für das nächste Jahr eine weitere Verschlechterung vorhergesagt. „Die Verkaufsrekorde haben die Rentabilität nicht verbessert, lediglich die Liquidität“, sagte Hans-Peter Lange, LV-Präsident Berlin-Brandenburg, beim ersten Pressegespräch des Landesverbandes. Zudem trübe das Volumen der vorgezogenen Käufe die Aussicht auf 2010.

Die schwierige konjunkturelle Situation bekomme die Branche derzeit vor allem im Gebrauchtwagenmarkt (minus 0,9 Prozent), beim Absatz von Transportern (minus 29,9 Prozent) und schweren Nutzfahrzeugen (minus 35,3 Prozent) sowie im Werkstattgeschäft (minus 3,8 Prozent) zu spüren.

Dagegen konnten die Betriebe den Neuwagen-Absatz kräftig steigern: In Berlin legten die Verkäufe in den ersten acht Monaten 2009 auf 115.000 Einheiten zu, im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es noch 78.000 Stück. In Brandenburg erwarte man nach 59.000 verkauften neuen Pkw im Jahr 2008 nun rund 125.000. Dabei habe das Privatgeschäft um mehr als 100 Prozent zugelegt. Lange bilanzierte: „Die Umweltprämie ist Geschichte – eine Erfolgsgeschichte.“ Die Jahreswagen hätten an den zwei Millionen Anträgen einen Anteil von etwa 10 bis 15 Prozent gehabt.

Weichen für die Talfahrt stellen

Nach dem Ende der Umweltprämie kehrt der Markt zurück zur Normalität. „Der automobile Alltag steht schon in der Tür“, so Lange. Für die rund 1.300 Autohäuser und Werkstätten in Berlin und Brandenburg gehe es jetzt darum, die Weichen für die erwartete Talfahrt zu stellen. Die Branche gehe, auch vor dem Hintergrund anhaltender Strukturveränderungen, von „schweren Zeiten in Verkauf und Service für 2010“ aus.

Allerdings warnte Lange vor einer Dramatisierung. Lichtblicke könne es im gewerblichen Geschäft und bei Transportern geben. Zudem hätten zahlreiche Prämien-Kunden erstmals einen Neuwagen gekauft, „diese Kunden müssen nun gehalten werden“. Chancen würden sich auch durch ZDK-Projekte wie „Autoglas Plus“ und Lichttest bieten.

Auch Karsten Bräuer, Leiter der Dekra-Niederlassung in Berlin, warnt vor einer zu pessimistischen Sicht. Die Prämien-Kunden seien zuvor mit ihren Fahrzeugen nicht in Fabrikatsbetrieben gewesen.

Das Gespräch mit den Banken suchen

Lange legte den Betrieben nahe, frühzeitig das Gespräch mit den Banken zu suchen. Zudem sollten die Betriebe auch staatliche Angebote wie Kurzarbeit nutzen, so könne man durch schwierige Zeiten kommen, ohne Leute freistellen zu müssen.

Ein Werkstattsterben, wie von Experten prophezeit, sieht Lange nicht auf die Branche zukommen. In den vergangenen Jahren sei häufig von Werkstattsterben die Rede gewesen, der Landesverband Berlin-Brandenburg habe alle konjunkturellen Zyklen überstanden.

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