Mahle: Stahlkolben gehen in Serie

Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow

Es ist ein historischer Moment: Mit Renault setzt erstmals in der Neuzeit ein Pkw-Hersteller auf Stahlkolben für Dieselmotoren.

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Die flache Bauform des Mahle-Stahlkolbens sorgt für geringere Reibung.
Die flache Bauform des Mahle-Stahlkolbens sorgt für geringere Reibung.
(Foto: Mahle)

Ob Hermann Mahle jetzt im Grabe rotiert wie eine Kurbelwelle bei 9.000 min-1? Der Stuttgarter Ingenieur hatte in den zwanziger Jahren die ersten Leichtmetallkolben entwickelt, um die damals vorherrschenden, schweren Graugussteile abzulösen. Und nun, rund 90 Jahre später, bringt das von ihm gegründete Unternehmen wieder einen Eisenkolben für Pkw auf den Markt. Doch da heute modernste Stahllegierungen verwendet werden, hat das Produkt namens Monotherm viele Vorteile gegenüber Aluminium, vor allem in hochleistungsfähigen Dieselmotoren.

Erstmals liefert Mahle nun Stahlkolben für Pkw-Diesel in Großserie, und zwar für die neuen 1,5- und 1,6-Liter-Vierzylinder von Renault. Beim Dieselmotor bieten Stahlkolben gegenüber bisher üblichen Aluminiumkolben wesentliches Potenzial, die CO2-Emissionen zu senken. Die Vorteile liegen in der Reduzierung der Reibleistung und in der Verbesserung der Thermodynamik und summieren sich auf circa drei Prozent Kraftstoffeinsparung im NEFZ.

Renault nutzt die Stahlkolben für seine neuen Euro-6-Vierzylinder-Dieselmotoren: ein 1,5-Liter-Motor (K9K) mit 81 kW/110 PS Leistung und 260 Newtonmetern maximalen Drehmoments sowie ein 1,6-Liter-Motor (R9M) mit 96 kW/130 PS und 320 Newtonmetern. Der Stuttgarter Zulieferer steuert für beide Motoren Monotherm-Kolben inklusive Kolbenringe und -bolzen bei.

Das Produkt hat sich bereits vielfach in Nutzfahrzeugen bewährt, betont Mahle. Erfahrungen hat das Unternehmen darüber hinaus im Renneinsatz von Dieselmotoren beim Langstreckenrennen von Le Mans. Für die Serienproduktion von Pkw-Stahlkolben investiert Mahle in den kommenden Jahren in vier neue, vollautomatische Bearbeitungsreihen. Die erste Fertigungslinie hat im Werk Rottweil bereits den Betrieb aufgenommen.

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