Mehrfach Jubiläen Maserati: schnappsiger Geburtstag

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Zwei Mal 100 und einmal 111 Jahre: Für den Sportwagenhersteller als Modena gab's dieses Jahr einiges zu feiern – und den Blick zurück auf eine turbulente Geschichte zu werfen.

Wie bei so manchem kleinen Unternehmen der Automobilbranchte ist auch Geschichte von Maserati eine sehr wechselhafte. Jetzt jährte sich die Gründung der Marken mit dem Dreizack zum 111. Mal.(Bild:  Maserati)
Wie bei so manchem kleinen Unternehmen der Automobilbranchte ist auch Geschichte von Maserati eine sehr wechselhafte. Jetzt jährte sich die Gründung der Marken mit dem Dreizack zum 111. Mal.
(Bild: Maserati)

Am 1. Dezember feierte Maserati den 111. Jahrestag seiner Gründung – ein Meilenstein, der die Marke zur traditionsreichsten im italienischen Motor-Valley macht. Doch das ist nicht das einzige Jubiläen in diesem Jahr: Das Markenlogo und die Geschichte des Motorsports feierten in diesem Jahr beide ihr 100-Jähriges. Schließlich nahm 1926 mit dem Maserati Tipo 26 das erste Fahrzeug mit dem Dreizack auf der Motorhaube, an der Targa Florio teil und gewann seine Klasse. Da war Maserati bereits ein gutes Jahrzehnt alt, denn 1914 gründeten Alfieri Maserati und seine Brüder Ettore und Ernesto die Firma „Ditta Alfieri Maserati“ in der Via de’ Pepoli 1A in Bologna. Wie aus der amtlichen Gewerbeanmeldung hervorgeht, nahm das Unternehmen offiziell am 1. Dezember seinen Betrieb auf. Die Maserati Brüder waren leidenschaftliche Mechaniker und liebten die Geschwindigkeit. Und ebenfalls 1926 entwarf ein weiterer Bruder, Mario, das Dreizack-Logo – inspiriert vom Neptunbrunnen in Bologna.

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Der erste Rennsieg 1926 war der Auftakt zu einer langen Reihe von Erfolgen, darunter zwei Siege bei den 500 Meilen von Indianapolis (1939 und 1940), vier aufeinanderfolgende Siege bei der Targa Florio (1937, 1938, 1939 und 1940), neun Formel-1-Siege und der Gewinn der Formel-1-Weltmeisterschaft 1957 mit Juan Manuel Fangio. In jüngerer Zeit kehrte Maserati mit dem MC12 an die Spitze zurück und gewann zwischen 2005 und 2010 sechs internationale FIA GT-Meisterschaften – die höchste Auszeichnung im GT-Rennsport für serienbasierte Fahrzeuge. Seit 2023 ist es der Maserati GT2, der Siege in Serie erringt.

Wechselhaft die Geschichte von Anfang an

1932 erlag Alfieri Maserati 44-jährig an den Spätfolgen eines Rennunfalls. In der Folge übernahm Bindo Maserati, der bislang bei Isotta Fraschini gearbeitet hatte, die Leitung der Officine Alfieri Maserati, während Ettore für Entwicklung und Verwaltung zuständig war. 1937 verkauften die verbliebenen Maserati-Brüder das Unternehmen an den aus Modena stammenden Industriellen Adolfo Orsi, der in seiner Heimatstadt mehrere Stahlwerke betrieb und landwirtschaftliche Maschinen sowie Werkzeugmaschinen herstellte. Orsi wollte die Rennerfolge Maseratis vor allem zu Werbezwecken für seine Betriebe nutzen. So prangte bis in die Nachkriegszeit hinein der Name Maserati nicht nur auf Automobilen, sondern auch auf technischen Geräten, die der Orsi-Konzern produzierte.

Maserati fertigte in dieser Zeit unter anderem auch Motorräder. Die Maserati-Brüder Bindo, Ernesto und Ettore blieben zehn Jahre lang als Berater in dem Unternehmen, dessen Sitz ab 1. Januar 1940 Modena war, wo das Werk in der Viale Ciro Menotti eröffnete und seitdem die Heimat des Dreizacks ist. 1947 trennten sich die Brüder von Maserati und gründeten mit Officine Specializzata Costruzioni Automobili (OSCA) in Bologna einen Konkurrenzbetrieb. Mit Maserati A6 bzw. 1500 GT erschien im selben Jahr das erste Straßenfahrzeug, das Maserati in Serie in nur zweistelliger Stückzahl herstellte, und zugleich das letzte Modell des Unternehmens, das noch unter der Beteiligung von Mitgliedern der Maserati-Familie entwickelt wurde.

Und dann übernahm Citroën das Ruder

Nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen vollzog Maserati in den 50er-Jahren den Wechsel vom reinen Rennwagenhersteller zum Produzenten von Straßensportwagen: Ähnlich wie die Scuderia Ferrari war auch Maserati auf zusätzliche Einnahmen angewiesen, um den Rennbetrieb erfolgreich aufrechtzuerhalten. Der 1957 erschienene 3500 GT mit standardisierter Touring-Karosserie wurde bereits fast 2.000 Mal gebaut. Maseratis Geschäftsführer Omer Orsi erweiterte die Produktpalette in den folgenden Jahren konsequent. Im Bereich der Supersportwagen entstand der 5000 GT, der unter anderem den Zweck verfolgte, nicht genutzte Rennwagenkomponenten zu verwerten. Andererseits etablierte Orsi mit dem Quattroporte I Maserati ab 1963 außerdem im Bereich der Sportlimousinen. In den frühen 60er-Jahren entwickelte sich Maserati damit zu einem ernsthaften Konkurrenten für Ferrari. Maserati erreichte zeitweise dessen Produktionszahlen; Lamborghini, der 1963 als weiterer Konkurrent hinzugekommen, wurde meist sogar übertroffen.

Ende der 60er-Jahre geriet Maserati in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die der Orsi-Konzern nicht mehr auffangen konnte. 1968 übernahm daraufhin Citroën über 60 Prozent der Unternehmensanteile. In die Citroën-Ära fällt auch die Einführung der Mittelmotor-Sportwagen Merak und Bora, die ein für Maserati neues technisches Konzept umsetzten. Die Autos sollten in größeren Stückzahlen produziert werden und neue Käufergruppen erschließen. Dementsprechend wurde der vergleichsweise preiswerte, mit einem Sechszylindermotor ausgestattete Merak als Konkurrent des Porsche 911 positioniert. Der Sechszylindermotor des Merak fand zeitgleich im Citroën SM Verwendung.

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Erst Herr de Tomaso und dann Fiat

1963 debütierte die Marke dann mit dem Quattroporte und schuf damit das Segment der leistungsstarken Luxuslimousinen. Doch weder der Merak noch der Bora erreichte die erwarteten Stückzahlen. Zudem scheiterte die Einführung eines Quattroporte-Nachfolgers mit Citroën-Technik. Schließlich ließ der Absatz der weiterhin produzierten traditionellen Sportwagen mit verbrauchsintensiven Achtzylindermotoren angesichts der Ölkrise Mitte der 70er-Jahre stark nach. Allein 1974 beliefen sich Maseratis Verluste auf 5 Millionen US-Dollar Letztlich geriet auch Citroën selbst in wirtschaftliche Schwierigkeiten und wurde vom bisherigen Konkurrenten Peugeot übernommen. Infolge dieser Entwicklungen war Maserati 1975 zahlungsunfähig und stand vor der Schließung.

Auf Anweisung der italienischen Regierung übernahm die staatliche Holding GEPI die Maserati-Anteile von Citroën. Zu dieser Zeit begannen Übernahmeverhandlungen mit dem Unternehmer Alejandro de Tomaso, der unter der Marke De Tomaso seinerseits Sportwagen herstellte. De Tomaso setzte zunächst die Produktion der bekannten Sportwagen fort und ergänzte die Modellpalette mit dem Kyalami und dem Quattroporte III zeitnah um zwei Fahrzeuge, die auf De-Tomaso-Technik basierten. Mittelfristig strebte er eine Neuausrichtung des Unternehmens an, die 1981 umgesetzt wurde. Mit dem kompakten Biturbo sollte Maserati von einem Klein- zu einem Großserienhersteller werden. De Tomaso übertrug 1989 49 Prozent der Maserati-Anteile an Fiat. Im Mai 1993 kaufte Fiat die verbleibenden Anteile und unterstellte Maserati am 7. Juli 1997 Ferrari.

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