Mazda RX-8: Rotation ist alles

Autor / Redakteur: Stefan Zaumseil / Praktikant AM

Ein Sportwagen von Porsche oder Maserati ist Ihnen nicht ungewöhnlich genug? Schauen Sie einfach bei Mazda vorbei. Der RX-8 bietet prächtige Fahrleistung und ist ungewöhnlicher denn je.

Die Entwicklung des Rotationskolbenmotors im Automobilbau begann in den dreißiger Jahren mit dem schwäbischen Erfinder Felix Wankel, einem Tüftler ohne Ingenieurspatent. Doch erst 1957 kam der NSU Wankel. Der Rotationskolbenmotor unterscheidet sich in seiner Funktionsweise grundlegend von anderen konventionellen Verbrennungsmotoren. Der Kolben rotiert in einem in der Mitte leicht eingeschnürten ovalen Gehäuse. Zwischen den drei Flanken des Rotors und der Innenfläche des Gehäuses entstehen drei Arbeitsräume, deren Rauminhalt sich während einer Rotorumdrehung ständig ändert. Diese Funktionsweise macht Kurbelwelle und Ventile überflüssig, die einzigen bewegten Teile sind Rotationskolben und Exzenterwelle. Während ein normaler Viertakter für zwei Umdrehungen der Kurbelwelle vier Arbeitstakte braucht, schafft der Rotationskolbenmotor alle vier Takte bei einer einzigen Umdrehung. Ein Zweischeiben-Rotationskolbenmotor läuft so ruhig wie ein normaler Sechszylinder. Die geringe Anzahl der Bauteile erlaubt ein niedriges Gewicht und eine kompakte Größe. Bei Mazda, damals noch Toyo Kogyo, erkannte man frühzeitig das Potential dieser Technologie und erwarb 1961 die Lizenz für den Nachbau des NSU/Wankel.

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Zwei Jahre später präsentierte Mazda den Prototypen „Cosmo Sport“ mit einem Drehkolbenmotor – im gleichen Jahr stellt NSU den Wankel-Spider vor. 1967 stellt NSU den legendären Ro 80 mit 2 x 495 cm3 Kammervolumen und einer Leistung 115 PS vor. Bei Mazda baut man den „Cosmo Sport“ ab diesem Jahr mit 2 x 491 cm3 und 110 PS vor in Serie und begründete damit die fast vierzigjährige Vorherrschaft auf diesem Sektor. Es folgen bis 1977 die Modelle R100, RX-2, RX-3, RX-4 und RX-5. Ab 1978 wird fast 20 Jahre lang der RX-7 gebaut – insgesamt 1.8 Millionen Fahrzeuge. 1991 gewann Mazda als erster japanischer Hersteller das legendäre 24-Stunden-Rennen von Le Mans mit drei Rennwagen vom Typ 787. Die 4-Scheiben-Drehkolbenmotoren waren mit variabler Saugrohr-Einspritzung ausgerüstet und brachten eine Leistung von 700 PS. Das war der einzige Sieg für ein Fahrzeug mit Drehkolbenmotor, da die FIA durch eine Reglements-Änderung diese seither vom Rennsport ausschließt.

Motor vibrationsarm und drehfreudig

Am 13. August 2002 wurde schließlich zum 100. Geburtstag des Autodidakten Wankel der Mazda RX-8 mit dem neu entwickelten Rotationskolbenmotoren „RENESIS“ vorgestellt. Bei der Entwicklung des RENESIS standen drei Ziele im Lastenheft. Der neue Motor sollte eine in etwa vergleichbare Leistung bringen wie das Biturbo-Aggregat des Vorgängers bei geringerem Kraftstoffverbrauch und minimierten Schadstoffemissionen - das Ergebnis ist beeindruckend, der Motor läuft extrem vibrationsarm und ist außerordentlich drehfreudig. So sollte dann auch das Design des Neuen besonders sein – ohne jedoch mit dem schon fast traditionellen Auftritt der RX-Serie zu brechen. So wirkt dann der neue Mazda RX-8 mit seinem Stummelheck eher wie ein sportliches Coupé als wie ein Sportwagen: Das runde Dach, die bullige Frontpartie, die rassige Seitenlinie und die stark ausgestellten Kotflügel - so sollte ein Coupé aussehen.

Jedoch verfügt der RX-8 wie ein klassischer Sportwagen über einen Frontmotor und einen Heckantrieb. Der kompakte Motor erlaubt seine Platzierung zur Fahrzeugmitte hin und trägt mit dem zentral verlaufenden Antriebsstrang zur idealen Gewichtsverteilung von jeweils 50 Prozent auf Vorder- und Hinterachse bei. Die Türen öffnen beim RX-8 gegenläufig. Der Einstieg in den Fond ist folgerichtig einfach, die Platzverhältnisse und die Kniefreiheit hinten sind überraschend gut, sofern der Fahrer und die Fondspassagiere nicht über 1.8 Meter ist.

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