Alles halb so schlimm: Die Prognose des ZDK für das Kfz-Gewerbe im Jahr 2030 dürfte nicht für Panik sorgen. Dennoch sollten sich Betriebe auf Änderungen einstellen, die vor allem mit der Digitalisierung einhergehen – und auf neue Geschäftsfelder.
Prognose bis 2030: Der Fahrzeugbestand wächst und wird älter. Für das Kfz-Gewerbe sieht der ZDK in den nächsten sieben Jahren nur moderate Änderungen.
Wo genau stehen Autohäuser und Kfz-Werkstätten im Jahr 2030? Wird es so dramatisch, wie es mitunter vorausgesagt wird, oder finden die Änderungen eher schleichend und moderat statt? Antworten darauf gibt der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) mit seiner aktuellen Prognose für die Branche.
Das Fazit: Die nächsten sieben Jahre bringen für das Kfz-Gewerbe durchaus Veränderungen, auf die sich die Betriebe einstellen müssen. Aber Anlass zur Weltuntergangsstimmung gibt die ZDK-Prognose nicht.
Der Verband hat sich angesichts der bereits eingesetzten Transformation in der Branche die Frage gestellt, wo genau sie im Jahr 2030 stehen wird. „Schließlich sollten die Autohäuser und Kfz-Werkstätten mittel- und langfristig planen und Veränderungen in ihrer Geschäftstätigkeit berücksichtigen können“, sagt ZDK-Referentin Ellen Schmidt.
Eventuell müssten Betriebe ihre Geschäftsstrategie anpassen, indem sie neue Geschäftsfelder aufnehmen oder bestehende aufgeben. Auch Fusionen oder Kooperationen mit anderen Betrieben könnten eine Überlegung wert sein, so Schmidt.
Zu den Zahlen: Der Fahrzeugbestand wird laut ZDK-Prognose bis zum Jahr 2030 weiter steigen und bei mehr als 50 Millionen (2022: 48,5 Mio.) liegen. Auch die Zahl der Neuzulassungen wird leicht auf etwa 2,9 Millionen (2022: 2,6 Mio.) steigen. Ebenso die Zahl der Besitzumschreibungen, die 2030 bei rund 6 Millionen (2022: 5,6 Mio.) liegen wird.
Beschäftigtenzahl ändert sich weniger als die Tätigkeiten
Die Anzahl der im Kfz-Gewerbe beschäftigten Menschen werde sich nur unwesentlich verändern, sehr wohl aber die Tätigkeitsbereiche. Hier erwartet der ZDK aufgrund der Digitalisierung und des technologischen Wandels größere Änderungen und hält weitere Spezialisierungen der Beschäftigten für notwendig. Außerdem werden sich neue Berufsbilder entwickeln und in die Branche Einzug halten.
ZDK: „Es werden zukünftig mehr Mitarbeiter mit IT-Hintergrund benötigt. Da mehr Produktspezialisten gefragt sind, um die technisch komplexeren Produkte zu verkaufen, werden sich außerdem Mitarbeiter mit sehr kommunikativen Fähigkeiten in den einzelnen Einsatzfeldern finden. Bisherige administrative Tätigkeiten der Verkäufer werden zu anderen Mitarbeitern verlagert oder automatisiert.“
Die Beschäftigtenzahl in der Branche insgesamt dürfte bis zum Jahr 2030 lediglich einen moderaten Rückgang erfahren, so der ZDK. 2022 lag sie bei rund 434.000 Mitarbeitern.
Wesentliche Veränderungen bei der Anzahl der freien bzw. markenunabhängigen Werkstätten erwartet der ZDK jedoch nicht. Wenn überhaupt, werde es einen leichten Rückgang geben.
Der Grund dafür: „Auch 2030 ist der Fahrzeugbestand noch hoch und das durchschnittliche Fahrzeugalter weiter gestiegen. Der muss gewartet und repariert werden. Darunter werden die meisten noch Verbrenner sein, die 2030 insbesondere von den freien Werkstätten repariert werden“, so der ZDK.
Mehr Markenhändler schließen sich großen Gruppen an
Im fabrikatsgebundenen Bereich, also Handel und Service, rechnet der ZDK allerdings mit einem Rückgang der Betriebsstätten um circa zehn Prozent (2022: 14.290 Betriebe). Damit setzt sich ein Trend aus den vergangenen Jahren fort.
Außerdem werde es weniger fabrikatsgebundene Unternehmen geben, jedoch mit durchschnittlich mehr Betriebsstätten. Das heißt, kleinere Autohäuser schließen sich großen Gruppen an. Der Kuchen werde dabei nicht größer, im Gegenteil, die Stücke würden kleiner und die Margensituation für die einzelnen Betriebe insgesamt angespannter.
Autohäuser und Werkstätten haben weiter ihr Auskommen
Neben seiner Prognose für 2030 beschreibt der ZDK auch seine Vision für die Kfz-Betriebe. Um den Veränderungen gewachsen zu sein, brauche es in ihrer Unabhängigkeit und Ertragskraft gestärkte Autohäuser und Kfz-Werkstätten. Um dorthin zu kommen, sollten sich Autohäuser zum Mobilitätsanbieter und -dienstleister entwickeln. Autohäuser seien offen für Neuerungen.
Damit ist gemeint, dass beispielsweise nicht nur Autos in den Showrooms stehen werden, sondern unter anderem auch motorisierte Zweiräder und Lastenräder.
Stand: 08.12.2025
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Neue Geschäftsfelder und Dienstleistungen werden gefragt sein. „Jedes Autohaus muss für sich analysieren, in welchen Geschäftsfeldern es außerdem eine Zukunft sieht. Auch die Kfz-Werkstätten sollten überlegen, wie sie sich in den nächsten sieben Jahren am Markt behaupten wollen“, sagt ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Kurt-Christian Scheel.
Informationsbedarf der Kunden steigt
Insgesamt werde der Beratungs- und Informationsbedarf von Kunden in den Autohäusern und Kfz-Werkstätten steigen. Deshalb seien Verkäufer, Serviceberater und Mechatroniker mehr denn je gefordert, zu Beratungs- und Produktspezialisten zu werden. Dies sollten die Arbeitgeber mit fortwährenden Weiterbildungsmöglichkeiten sicherstellen.
Wie sich bereits heute abzeichne, werden 2030 die meisten Autohändler als Agenten arbeiten. Nur noch wenige Importeursmarken werden im Vertragshändlersystem verbleiben. Das sollte sich aber nicht auf das Gebrauchtwagengeschäft auswirken. „Autohäuser werden Gebrauchtwagen an Endkunden weiter in eigenem Namen und auf eigene Rechnung verkaufen“, glaubt der ZDK.
Onlinevertrieb im Handel nimmt deutlich zu
Der Onlinevertrieb werde zunehmen. Beim Neuwagenkauf prognostiziert der Zentralverband, dass 2030 etwa 20 Prozent der Privatkunden ihren Wagen im Netz kaufen, bei gewerblichen Kunden im Flottenbereich sogar bis zu 80 Prozent.
Auch das Gebrauchtwagengeschäft gewinne auf den Onlineportalen an Fahrt. Der ZDK geht davon aus, dass in sieben Jahren 40 Prozent der Privatkunden, wenn sie ihren Gebrauchten beim Händler kaufen, diesen online kaufen werden.
ZDK-Hauptgeschäftsführer Dr. Scheel fasst zusammen: „Bis 2030 erfährt unsere Branche einen Anstoß zu einem massiven Wandel. Die Auswirkungen des Wandels sind bis 2030 spürbar, aber kommen erst danach in vollem Umfang zum Tragen. Nach 2030 werden wir ein wesentlich anderes Bild der Branche malen. Wir möchten unser Bestes geben, unsere Mitgliedsbetriebe in diesen aufregenden Zeiten zu unterstützen und die Branche auf die Zukunft vorzubereiten.“