Mehrmarkenservice für Nutzfahrzeuge
Die Chancen für ein ertragsstarkes Werkstattgeschäft sind gut: Seit rund zwei Jahren wächst der Nutzfahrzeugbestand wieder leicht an.
Die Chancen für ein ertragsstarkes Werkstattgeschäft sind gut: Seit rund zwei Jahren wächst der Nutzfahrzeugbestand wieder leicht und wird vorraussichtlich von 2,85 Millionen im Jahr 2005 auf 2,98 Millionen Fahrzeuge 2010 steigen. Dies prognostizieren die Marktanalysten der BBE-Unternehmensberatung in ihrer Studie „Der Aftermarket für Nkw-Komponeneten 2006“.
Genauso wichtig wie der Fahrzeugbestand ist das Fahrzeugalter für das Werkstattgeschäft. Während die Nutzfahrzeuge mit Normalaufbau 1998 und 1999 durchschnittlich noch 6,9 Jahre alt waren, stieg ihr Durchschnittsalter 2005 auf 7,9 Jahre an.
Marktvolumen steigt
Nach Aussagen der Marktbeobachter setzt sich dieser Trend fort. 2010 wäre ein Lkw mit Normalaufbau dann 8,2 Jahre alt. Über 50 Prozent der Lkw sind heute schon älter als sieben Jahre.
Das Marktvolumen für den Ersatzteilebedarf liegt bei rund 4,84 Milliarden Euro. Auffällig ist, dass die Transporter neben den Lkw und Zugmaschinen den zweithöchsten Teilebedarf haben – auch wenn die Fahrzeugbesitzer lediglich 620 Euro pro Fahrzeug und Jahr für Ersatzteile ausgeben. Insgesamt teilt sich das Marktvolumen wie folgt auf:
- Lkw und Zugmaschinen: 2,19 Mrd. Euro
- Transporter: 1,18 Mrd. Euro
- Trailer: 1,08 Mrd. Euro
- Kraftomnibusse: 0,38 Mrd. Euro
Von dem gesamten Teilebedarf entfallen 41 Prozent auf den freien und 59 Prozent auf den herstellergebundenen Servicemarkt. Nicht nur der Bedarf an Ersatzteilen steigt, auch die Wartungs- und Reparaturarbeiten werden nach Einschätzungen der Experten bis 2010 zunehmen: Im Jahr 2005 gaben die Lkw-Halter 8,44 Milliarden Euro für Reparaturen aus, im Jahr 2010 werden es bereits 10,04 Milliarden Euro sein (siehe Kasten). Dieser Anstieg ist vor allem auf den Reparaturbedarf von Lkw und Zugmaschinen (über 12 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht), Trailern und Transportern zurückzuführen.
Exklusive Servicenetze
Während Fahrzeughersteller wie MAN, Renault, Scania und Volvo ihre Vertriebsnetze und Servicestationen von 2005 bis 2006 reduzierten, bauten Iveco und DAF ihre Organisationen aus. Fast alle europäischen Nutzfahrzeughersteller verfügen heute über ein exklusives Servicenetz. Auch der freie Servicemarkt für Nutzfahrzeuge in Deutschland ist überschaubar. Die Branchenanalysten schätzen, dass es rund 2 000 Fachwerkstätten gibt. Über 200 Betriebe haben sich den Werkstattsystemen wie AD-Truck-Drive, Auto-Crew oder Top-Truck-Service angeschlossen – Tendenz steigend. „Die neuen Freiheiten der GVO führten dazu, dass auch gekündigte Vertragshändler großes Interesse an den Werkstattsystemen für Nutzfahrzeuge zeigten“, erläutern die Autoren der Marktstudie.
Full-Service für Betriebe
Ein klassisches Full-Service-System ist AD-Truck-Drive der Carat-Unternehmensgruppe mit rund 100 Betrieben. Betreut werden die Mehrmarkenwerkstätten von den Gesellschaftern der Carat. Das Konzept richtet sich an gebundene und ehemalige Vertragswerkstätten.
Partnerbetriebe erhalten so genannte Leistungsmodule wie mehrmalige Teilebelieferung pro Tag, technische und kaufmännische Schulungen, Reparaturhandbücher, einen elektronischen Teilekatalog und eine Technik-Hotline. Weitere Informationen unter www.carat-gruppe.de.
Zu den Full-Service-Systemen zählt auch Auto-Crew Truck & Trailer, das von rund 25 namhaften Teilelieferanten aus der Zulieferindustrie unterstützt wird. Das Schweinfurter Werkstattkonzept ist eine Tochter der ZF Trading GmbH und kooperiert mit bekannten Dienstleistern aus dem Kfz-Gewerbe wie Banken, Versicherungen und Prüforganisationen. Zielgruppe der Systemzentrale ist jede meistergeführte Freie Werkstatt. Mindestvoraussetzungen für die Teilnahme sind: Durchführung der SP nach §29 StVZO Anlage 8, Prüfungen der Fahrtschreiber und Kontrollgeräte nach § 47a StVZO, EDV und Internetanschluss. Informationen unter www.autocrew.de.
Zusätzliche Werkstattpartner sucht auch die Coparts Autoteile GmbH für ihr Werkstattsystem Top-Truck-Service. In Frankreich, England und Polen hat sich das System im Nutzfahrzeugmarkt bereits etabliert. In Deutschland sollen bis Ende 2007 rund 100 Werkstätten das rot-graue Firmenzeichen von Top-Truck-Service tragen. Informationen unter www.coparts.de.
Die Werkstattsoftware Repdoc, das Trainingsprogramm Repmaster, die Express-Belieferung Repex, die Reparatur-Hotline Repline und die Online-Informationsplattform truckfit.de zählen zu den Leistungsmodulen von Truckfit, das Werkstattkonzept der Temot Autoteile GmbH in Fellbach. Informationen unter www.truckfit.de.
Die Betriebstypen im Servicemarkt für Nutzfahrzeuge sind bunt gemischt. Die Spannbreite reicht von den absoluten Spezialisten über die Alleskönner bis hin zu den Werkstätten, die die Wartungen und Reparaturen eher nebenher durchführen. Aber auch neue Wettbewerber wie die A.T.U haben den Transporter für sich entdeckt und bearbeiten den Markt mit preisaggressiven Serviceangeboten. Im Kommen sind jedoch vor allem die Mehrmarkensysteme des freien Reparaturmarktes.
Nach Beobachtungen der Experten „erfreuen sich die Werkstattkonzepte der Systemzentralen großer Beliebtheit“. „Was sich im Pkw-Segment zunehmend durchsetzt, wird auch die Zukunft im Nutzfahrzeugservice prägen: die Mehrmarkenwerkstatt“, resümieren die Autoren der Studie.
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