Meister-HU als Alternative
Meister-HU und Internetportale für Neuwagen sind die beherrschenden Themen der 40. Bundestagung des Kfz-Gewerbes. Bei beiden Themen besteht Handlungsbedarf.

Die Meister-HU sorgt weiter für Diskussion in der Branche. Mit ihrer Einführung will der ZDK den Kfz-Betrieben eine Alternative bieten. „Es geht uns lediglich darum, unseren Kfz-Meisterbetrieben neben den Überwachungsinstitutionen – und nicht an ihrer Stelle – die Berechtigung zur Durchführung der Hauptuntersuchung zu verschaffen“, sagte Bundesinnungsmeister Wilhelm Hülsdonk bei der 40. Bundestagung in Frankfurt.
Der ZDK-Vizepräsident verwies dabei auf den Vorschlag der EU-Kommission. „Sie will die regelmäßige technische Überwachung von Kraftfahrzeugen europaweit neu ordnen. Ein Teil des Vorschlags ist: neben den staatlichen und privaten Stellen der Fahrzeugüberwacher sollen die Kfz-Werkstätten gleichrangig als Prüfstellen genannt werden.“
Wie eine Lösung zur Umsetzung einer Meister-HU aussehen kann, wird verbandsintern intensiv diskutiert. „Hier stellen sich uns viele Fragen - nach persönlicher Qualifikation, betrieblicher Ausstattung, nach den Anforderungen für Anerkennung, Überwachung und statistische Dokumentation“, so Hülsdonk. Der Verband sei sowohl im Dialog mit dem Bundesverkehrsministerium als auch mit den Überwachungsinstitutionen und bereite ein entsprechendes Konzept zur Präsentation in einer der nächsten Sitzungen des zuständigen Bund-Länder-Fachausschusses vor.
Nicht nur die technische Fahrzeugüberwachung will Brüssel neu regeln, auch die Einführung des automatischen Notrufsystems E-Call ist für 2015 geplant. Dies bringt für die Automobilhersteller neue Möglichkeiten zur Datenübermittlung. „Die Datenübermittlung muss hinsichtlich der Anforderungen des Datenschutzes klar geregelt sein. Der Datensatz, der automatisch vom Auto gesendet wird, muss standardisiert werden und darf nur die für eine Rettung notwendigen Informationen enthalten“, betonte der ZDK-Vizepräsident.
Dabei stellte er klar, dass jeder Fahrzeughalter den privaten Serviceanbieter selbst aussuchen und jederzeit wechseln können muss. Das Fahrzeug dürfe nicht automatisch und vom Nutzer unbemerkt Daten jeglicher Art an einen privaten Serviceanbieter senden, so Hülsdonk. Zudem müsse der Fahrer vorher darüber informiert werden.
Positionierung gegen Neuwagenvermittler
Auch das Internet stellt das Kfz-Gewerbe vor neue Herausforderungen. Dabei gehen mit den Internet-Dienstleistungen Vor- und Nachteile einher, wie ZDK-Präsident Robert Rademacher hervorhob. Bei Gebrauchtwagen seien die Kunden mit markenneutralen Börsen gut bedient. „Bei Neuwagen hingegen hat die Marke im Vordergrund zu stehen, nicht zuletzt, weil es für die Mehrzahl der Kunden das wichtigste Suchkriterium ist“, betonte der ZDK-Präsident. Zwar hätten die Neuwagen-Portale bislang quantitativ keine Bedeutung, aber welche Entwicklung der Online-Vertriebskanal nehmen kann, zeige sich im Buchhandel. „Er hat das Internet bereits als ,unstoppable‘ kennen- und fürchten gelernt.“
Statt Online-Vermittler von Dritten müssen aus Sicht des ZDK-Präsidenten Hersteller und Händler im engen Verbund die Anbieter sein, und das möglichst mit einem eigenen Marken-Internet-Portal für Neuwagen. „Wir können die Internetportale nicht verbieten, aber wir können ihnen etwas entgegensetzen.“
Aus Rademachers Sicht sollten Hersteller-organisierte Internet-Portale zur Kaufvermittlung von Neuwagen die volle Informations- und Transaktions-Palette mit allen Möglichkeiten bieten:
- Neuwagenkonfiguration,
- Informationen , zu welchen Preisen und Lieferzeiten ein solches Fahrzeug von welchen Händlern angeboten wird, und
- die Möglichkeit bestimmten Händler auszuwählen.
Gut besuchte Bundestagung
Knapp 500 Kfz-Unternehmer sowie Branchen- und Verbandsvertreter kamen zur 40. Bundestagung des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes nach Frankfurt am Main. Unter dem Motto „Kfz-Gewerbe im digitalen Zeitalter“ diskutierten sie, über zahlreiche Themen, von der notwendigen Entbürokratisierung für mittelständische Unternehmen bis hin zu neuen Datenschutz-Anforderungen und die Herausforderungen der Nachwuchsgewinnung.
(ID:35481690)