Markenemblem Mercedes-Benz: 100 Jahre im Zeichen des Sterns

Von Steffen Dominsky 4 min Lesedauer

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Auch wenn Daimler und Benz vor „erst“ 99 Jahren fusionierten – den Stern als neue, gemeinsame Bildmarke definierten die beiden Autobauer bereits ein Jahr zuvor. Und der hatte ursprünglich vier anstatt drei Strahlen. Warum eigentlich?

Bereits ein Jahr vor der Fusion von Daimler und Benz kreierten die beiden Unternehmen ein gemeinsames neues Logo. Am 18. Februar 1925 wurde es als Markenzeichen beim Patentamt angemeldet.(Bild:  Mercedes-Benz)
Bereits ein Jahr vor der Fusion von Daimler und Benz kreierten die beiden Unternehmen ein gemeinsames neues Logo. Am 18. Februar 1925 wurde es als Markenzeichen beim Patentamt angemeldet.
(Bild: Mercedes-Benz)

Nicht jeder Fahrzeughersteller hat eines, aber die meisten. Gemeint ist ein Markenlogo. Genau: Das Symbol, das als Bild (-marke) vielleicht nicht mehr als Tausend Worte sagt, aber immerhin mehr als ein oder zwei Worte. Es steht für den Namen des Unternehmens, das dieses Vehikel gebaut hat – meistens jedenfalls. So ist es auch mit dem Stern. Wer den sieht, der weiß, das ist ein Mercedes-Benz. Doch wie kam das Unternehmen aus Stuttgart eigentlich zu diesem? „Das ist eine lange Geschichte …“, würde Opa sagen. Kein Thema, lassen wir Opa ausreden.

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Eigentlich nur eine Markierung aus einer Postkarte

Die Idee zu Stern hatte Gottlieb Daimler bereits 1872 in seiner Funktion als technischer Direktor der Gasmotorenfabrik Deutz in Köln-Mülheim. Er habe ihn „so ganz nebenbei“ geschaffen, wird er später einmal sagen, als er auf einer Postkarte aus Köln an seine Frau Emma Pauline sein damaliges Wohnhaus mit einem Stern markierte und dazu schrieb: „Von hier aus wird ein Stern aufgehen und ich will hoffen, dass er uns und unseren Kindern Segen bringt“ – klingt gut und war es auch.

Gottliebs Söhne Paul und Adolf erinnern sich 1909 an diese Karte und finden, solch ein Stern wäre ein gutes Markenzeichen ihrer DMG, der Daimler Motorengesellschaft. Am 24. Juni 1909 beantragen sie deshalb Gebrauchsmusterschutz für ein dreizackiges Symbol. Die drei Zacken stehen für die Motorisierung „zu Lande, zu Wasser und in der Luft“, schließlich werkelten Daimler-Motoren in den verschiedensten Vehikeln, also quasi überall.

Einmal drei, einmal vier Strahlen

Zugleich lassen sich die Stuttgarter auch einen Stern mit vier Strahlen schützen. Eingesetzt als Markenzeichen auf dem Kühler der Mercedes-Fahrzeuge wird jedoch von 1910 an nur das dreistrahlige Symbol.

Die Variante mit den vier Armen kommt erst Jahrzehnte später zum Einsatz und zu Ehren: Sie wird in den 80er-Jahren zum Markenzeichen der Deutschen Aerospace AG (DASA), einem Luft- und Raumfahrtkonzern, der einst zur Unternehmensgruppe Daimler-Benz gehörte. 2000 fusionierte der mit anderen Unternehmen zur European Aeronautic Defence and Space Company (EADS). Und die trägt bis heute den daimler’schen Stern als Logo.

Erst ohne Ring, dafür doppelt

Der Mercedes-Stern kommt in den ersten Jahren noch ohne umschließenden Ring zum Einsatz. Er ziert vor allem die Kühler, teils aber auch die Seiten der Motorhauben an Mercedes-Personenwagen, oft noch verbunden mit dem „Mercedes“-Schriftzug. Ein typisches Bild sind zwei Mercedes-Sterne, die sich auf beiden Seiten des charakteristischen Spitzkühlers gegenüberliegen.

Auf räumliche Wahrnehmung ist das Logo schon 1909 ausgelegt: Die Ausführung des gezeichneten Sterns mit hellen und schwarzen Flächen suggeriert eine plastische Form, die von links oben beleuchtet wird, sodass ein interessantes Spiel von Licht und Schatten entsteht. Entsprechend wird auch der dreidimensionale Stern ausgeführt, den die DMG-Monteure auf Kühlern und Motorhauben anbringen.

Das neue Logo: besser sichtbar bei schneller Fahrt

Die Kombination des Sterns mit einem breiten Ring und dem Schriftzug „Mercedes“ nimmt 1916 bereits Elemente des späteren Markenzeichens von Mercedes-Benz vorweg. Vier kleine Sterne in dem runden Band wiederholen dabei das Thema des zentralen Symbols. Im Mai 1921 meldet die DMG dann einen plastischen Stern im Ring als Markenzeichen an – ausdrücklich auch für den Einsatz als dreidimensional ausgeführte Kühlerfigur. Am 2. August 1923 wird das entsprechende Warenzeichen eingetragen. In dieser neuen Position auf dem Kühlerverschluss ist der aufrecht frei stehende Stern viel besser zu erkennen als die Reliefs auf dem Kühler, die meist im selben Metall wie ihre Unterlage hergestellt sind – das sieht zwar gediegen aus, ist aber bei schneller Fahrt für den Betrachter schwer zu erkennen.

1925 werden Stern und Lorbeerkranz in ihren aktuellen Versionen zum neuen Signet der Marke Mercedes-Benz vereinigt. Die Anmeldung des Logos als Warenzeichen am 18. Februar 1925 und der Wortmarke Mercedes-Benz am 25. April desselben Jahres nimmt die Fusion beider Marken im Jahr 1926 vorweg. Die beiden Schutzmarken werden am 3. September 1926 und am 7. Oktober 1927 für die neue Daimler-Benz AG in die Zeichenrolle eingetragen.

Vor 100 Jahren entstand die endgültige Version

Der Umriss des neuen Symbols nimmt die Kreisform der beiden Vorgängerzeichen auf, prominent ist weiterhin der zentrale Mercedes-Stern. Der dazu gehörende „Mercedes“-Schriftzug wandert vom unteren Rand des Rings nach oben, an seiner Stelle steht nun „Benz“. Die beiden Lorbeerzweige des Mannheimer Markenzeichens verdrängen die kleinen Mercedes-Sterne. Die Zweige wurzeln in direkter Nachbarschaft zu den Buchstaben B und Z, während sie die Spitzen nach dem M und S der neuen Schwestermarke ausstrecken.

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So entstand 1926 ein Markenzeichen, das die Ansprüche der beiden Automobilhersteller widerspiegelt und zugleich ein Stück Unternehmens- und Markengeschichte erzählt. 1933 meldet Mercedes-Benz dann eine verschlankte Form des Markenzeichens an, die aus einem dünnen, schwarzen Reif besteht, in dem die schwarze Silhouette des Mercedes-Sterns zu sehen ist.

Ein Stern nicht nur auf Autos

Einige Hochhäuser und Türme in Großstädten Europas schmück(t)en großformatige Mercedes-Sterne, von denen sich manche drehen. So z. B. auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof und der ehemaligen Daimler-Konzernzentrale in Stuttgart (bis 2024), auf dem Turm der Mercedes-Benz-Niederlassung in München, dem Stern-Hochhaus in Kassel (bis 2021), dem Europa-Center und Motel AVUS in Berlin, dem Mercedes-Benz-Werk in Bremen, dem Bonn-Center (bis 2017), dem Hochhaus an der Berliner Promenade (bis 2018) und dem Mercedes-Benz-Fabrikgebäude in Saarbrücken, Außerdem auf dem Junior-Haus in Frankfurt/Main, dem Europahaus in Bochum, dem Gildehof-Center in Essen (bis März 2019) und zeitweilig auf dem „Haus am Ufer“ in Moskau.

Auch auf diversen Gebäuden strahl(t)en Mercedes-Sterne.(Bild:  Mercedes-Benz)
Auch auf diversen Gebäuden strahl(t)en Mercedes-Sterne.
(Bild: Mercedes-Benz)

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