Markenhistorie Mercedes Benz: Vollgas mit 1,5 PS

Von Steffen Dominsky 2 min Lesedauer

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Vor 130 Jahren mauserte er sich zu einem echten Verkaufsschlager und damit zum ersten Serienautomobil der Welt: das Benz Motor-Velociped. Eines davon „raste“ kürzlich über die Testbahn in Sindelfingen.

Vor wenigen Wochen: Das frisch restaurierte Benz Motor-Velociped mit 1,5-PS-Motor aus dem Jahr 1894 auf der Einfahrbahn des Mercedes-Benz-Werks Sindelfingen. (Bild:   Mercedes-Benz AG)
Vor wenigen Wochen: Das frisch restaurierte Benz Motor-Velociped mit 1,5-PS-Motor aus dem Jahr 1894 auf der Einfahrbahn des Mercedes-Benz-Werks Sindelfingen.
(Bild: Mercedes-Benz AG)

Zur Frühzeit der motorbetriebenen Mobilität sah ein Auto aus wie zwei parallele Drahtesel, verbunden mit einem Motor. Darüber eine Sitzbank und auf der als „Krönung“ der Wagenlenker. Nicht viel anders sieht auch das aus, was kürzlich im Mercedes-Benz-Werk Sindelfingen über die Testbahn knatterte. Das „Das“ hört auf den Namen Motor-Velociped. Vor 130 Jahren stellte es sein Erfinder Carl Benz vor. Es war eine Weiterentwicklung seiner ersten Automobilkonstruktionen, der sogenannten Benz-Patent-Motorwagen. Mercedes-Benz Classic hat das Fahrzeug mithilfe des Classic-Centers in Fellbach originalgetreu wieder fahrbereit gemacht. Dieses griff dabei auf die historischen Unterlagen und Informationen in den Mercedes-Benz-Classic-Archiven zurück. 2024 ist das 130 Jahre alte Automobil bei ausgewählten Anlässen öffentlich in voller Fahrt zu erleben.

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1894 war das wegweisende Benz Motor-Velociped mit Leichtbaukonstruktion ein Wendepunkt für die Automobilindustrie. „Dieses Fahrzeug wurde uns buchstäblich aus den Händen gerissen. Was wir davon erzeugten, wurde verkauft.“ So erinnerte sich Automobilerfinder Carl Benz 1909 in einem Interview. Insgesamt entstanden von 1894 bis 1902 im Mannheimer Benz-Werk rund 1.200 Fahrzeuge dieser Typfamilie kompakter Benz-Automobile. Das kurz „Velo“ genannte Modell ist damit der erste Serienpersonenwagen der Geschichte.

Und sogleich ins Ausland exportiert

Zur Antriebsleistung des Erfolgsautomobils beschrieb Benz & Cie. 1894: „In diesem Velociped befindet sich eine Maschine von 1 1/2 Pferdestärken.“ Zwei Jahre später hieß es im Katalog zu Höchstgeschwindigkeit und Fahrverhalten: „Das Velociped legt in der Stunde ca. 20 Kilometer zurück und überwindet Steigungen bis zu 10 % auf guter Strasse.“ Es kostet „complett in feinster Ausstattung mit Laternen“ 2.000 Mark. Das Innovationstempo ist hoch. Ab 1896 bot Benz stärkere Motorisierungen und zusätzliche Ausstattungsoptionen an. Als Luxusversion des Motor-Velocipeds erschien der Benz Comfortable mit längerer Karosserie, gegen Aufpreis lieferbarem drittem Gang, aufwendigerer Sitzpolsterung, einer gegen die Fahrtrichtung eingebauten Kindersitzbank und einer Anlasskurbel zum leichteren Starten. Als Sonderausstattung waren unter anderem Luftreifen für bessere Fahreigenschaften erhältlich.

Das Fahrzeugkonzept wurde als Benz Motor-Velociped bis 1900 und als Benz Comfortable bis 1902 produziert und dabei kontinuierlich weiterentwickelt. Insbesondere stieg die Leistung des liegend eingebauten 1-Liter-Einzylindermotors mit senkrecht stehendem Schwungrad von 1,1 kW/1,5 PS im ersten Benz Velo von 1894 bis auf 3,3 kW/4,5 PS im Benz Comfortable von 1902. Allein von 1901 (2,6 kW/3,5 PS) auf 1902 wuchs die Leistung um beeindruckende 28,5 Prozent. Die Typenfamilie war auch im Export erfolgreich. Das zeigte der dreisprachige Katalog auf Deutsch, Englisch und Französisch aus dem Jahr 1901. In Frankreich wurde das „Velo“ als „Éclair“ („Blitz“) angeboten. An den britischen Maschinenbauer Arnold vergab Benz 1895 eine Lizenz, um das Motor-Velociped zu produzieren. Die „Arnold Motor Carriage“ ist eines der ersten britischen Automobile.

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