Mercedes bestätigt Niederlassungsverkauf

Autor Stephan Richter

Die Daimler AG beweist ihren Kritikern, dass sie einzelne Standorte ihres Niederlassungsnetzes verkaufen kann: Die Mercedes-Niederlassungen in Wiesbaden und Erfurt wechseln den Besitzer.

(Foto: Daimler AG)

Die Daimler AG hat nach Jahren der Diskussion ihre ersten Niederlassungen verkauft. Im kommenden Jahr geht der Standort in Wiesbaden an die KBM-Gruppe. Den Betrieb Russ & Janot in Erfurt übernimmt die Stern Automobil GmbH, eine Tochterfirma der chinesischen Lei-Shing-Hong-Gruppe. Eine Sprecherin des Mercedes-Vertriebs Deutschland bestätigte die Verkäufe: „Wir haben für beide Standorte erfahrene und zuverlässige Käufer gefunden. Die Kaufverträge sind abgeschlossen, den Prozess schließen wir aller Voraussicht nach im zweiten Quartal 2015 ab."

Bei den übrigen Niederlassungen in den neuen Bundesländern sei der Hersteller noch im Findungsprozess, erklärte die Sprecherin. Händlerstimmen zufolge sollen die Filialen in Rostock, Schwerin, Magdeburg, Dresden und Leipzig im Paket ebenfalls an die Stern Automobil GmbH übergehen. Auch für die weiteren Standorte wie Kiel, Gütersloh, Emden, Krefeld und Mönchengladbach sucht der Hersteller noch Käufer. Den Verkauf visiert das Unternehmen für 2015 an. Für einige Betriebe gebe es sehr wohl Interessenten, heißt es aus dem Händlernetz, fraglich sei vielerorts jedoch die bauliche Beschaffenheit der Immobilien.

Chinese mit regionaler Marktmacht

Die Lei-Shing-Hong-Gruppe betreibt über zwanzig Autohäuser in drei asiatischen Ländern.
Die Lei-Shing-Hong-Gruppe betreibt über zwanzig Autohäuser in drei asiatischen Ländern.
(Foto: Screenshot)
Die Lei-Shing-Hong-Gruppe betreibt über zwanzig Autohäuser der Marken Mercedes-Benz, Smart und Porsche in China, Südkorea und Vietnam. Ebenso verkauft das Unternehmen schwere Land- und Baumaschinen von Caterpillar und handelt mit Finanzdienstleistungen, Immobilien und Handelswaren.

KBM übernimmt alle Mitarbeiter

Zur Übernahme der Niederlassung Wiesbaden sagte der Geschäftsführer der Karl Breisig Motorfahrzeuge (KBM) aus Neuwied in Rheinland-Pfalz, Christoph Jolas, im Gespräch mit »kfz-betrieb«, sein Unternehmen übernehme „alle 270 Mitarbeiter sowie die vier Filialen in Wiesbaden, Wiesbaden-Schierstein, Taunusstein und Idstein“. Bis zum Schluss waren vier große Mercedes-Vertreter im Rennen um die hessische Landeshauptstadt. KBM ist in acht Städten an elf Standorten mit den Marken Mercedes, Smart, Mitsubishi Fuso und Unimog aktiv. In diesem Jahr feierte das Unternehmen sein 90-jähriges Firmenjubiläum.

Eingeschränkte Auswahl

Dass die Daimler AG die Verkäufe auf einmal so plötzlich abgewickelt hat, überrascht die Mercedes-Händler nicht: „Dem gesamten Prozess fehlte von Anfang an die Strategie. Nach so langer Zeit musste der Hersteller endlich mal beweisen, dass er überhaupt dazu in der Lage ist, Teile seiner Niederlassungen zu verkaufen. Zumal die Auswahl für einen normalen Mercedes-Vertreter im ersten Schritt auf Wiesbaden und Erfurt beschränkt war“, erklärte ein Mercedes-Partner. An diesen Standorten betreibe der Hersteller eigenständige GmbHs. Dementsprechend groß war die Nachfrage der regional ansässigen Partner. In Erfurt waren ebenfalls vier weitere Vertreter an der letzten Runde der Bieterphase beteiligt.

„Die Ost-Betriebe sind überbewertet“

Ein Mercedes-Vertreter relativierte die Bedenken, dass durch die komplette Übernahme der Niederlassungen in den neuen Bundesländern ein zu großer Wettbewerber entstehe. Schätzungen aus dem Handelsnetz zufolge beträgt der Neuwagenabsatz aller Standorte – Berlin ausgenommen – gerade einmal 5.000 Einheiten pro Jahr. Aufgrund der großen Distanz zwischen den Standorten und dem damit verbundenen Organisationsaufwand wären die Niederlassungen zwar umsatzseitig immer noch interessant, aber trotzdem nicht so marktrelevant wie auf den ersten Blick angenommen.

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