Mercedes-Plattform für Infiniti zu teuer

Autor Christoph Baeuchle

Die Kooperation von Daimler und Renault-Nissan gilt als vorbildlich. Nun steigt Infiniti aus dem Kompaktwagen-Projekt aus. Der Grund: Das Unterfangen ist zu teuer. Ihre Ziele kann die Marke sonst nicht erreichen.

Bislang beruht das Kompaktmodell Infiniti Q30 auf der Mercedes A-Klasse; das könnte sich bei der Nachfolgegeneration ändern.
Bislang beruht das Kompaktmodell Infiniti Q30 auf der Mercedes A-Klasse; das könnte sich bei der Nachfolgegeneration ändern.
(Foto: infiniti)

Renault-Nissan hat ein Gemeinschaftsprojekt mit Daimler gestoppt. Entgegen der ursprünglichen Planung werde Infiniti nicht die von Mercedes-Benz weiterentwickelte Plattform „MFA2“ für sein Kompaktmodell nutzen. Die japanische Premiummarke stufe die Kosten im Vergleich zu den Gewinnaussichten als zu hoch ein, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters und beruft sich dabei auf nicht näher genannte Insider.

„Die Ziele, die sich Infiniti gesetzt hat, waren zu schwierig zu erreichen“, zitiert die Agentur einen Insider. Bereits im Oktober habe der Hersteller entschieden, die Plattform nicht zu nutzen.

Die seit 2010 bestehende Allianz haben die Partner nach und nach ausgebaut. Die zunächst drei Kooperationsvereinbarungen sind zwischenzeitlich auf mehr als 13 Projekte angestiegen. Zu den wichtigsten zählt die gemeinsame Fertigung in Mexiko, an dem Joint Venture sind die beiden Partner je zur Hälfte beteiligt.

Zum Baubeginn des Werkes im September 2015 äußerten die Hersteller ambitionierte Ziele. Für den Anfang planten sie eine Produktionskapazität von mehr als 230.000 Einheiten, mit Luft nach oben. 2017 sollten die ersten Infiniti-Fahrzeuge vom Band laufen, im folgenden Jahr sollten Modelle der Marke Mercedes folgen. Zu einem späteren Zeitpunkt wollten die beiden Hersteller ihre neuen Modelle auch an anderen Standorten in Europa und China fertigen.

Die Partner sprachen von gemeinsamen Investitionen von rund einer Milliarde Euro in das neue Werk. Nun berichten Insider gegenüber Reuters, dass der japanische Autobauer sich zwar an den Entwicklungskosten für MFA2 beteiligen werde, doch Daimler einen höheren Anteil an den Produktionskosten tragen müsse.

Sowohl Daimler als auch Nissan sagten laut Meldung, dass die Hersteller nur Projekte gemeinsam umsetzen würden, von denen beide Hersteller einen Nutzen hätten. Demnach sei die gemeinsame Entwicklung von Kompaktwagen noch in der Diskussion.

Derzeit ist die Zusammenarbeit zwischen den beiden Hersteller bei ihren Kompaktmodellen intensiv. Der von Infiniti 2015 eingeführte Q30 beruht weitestgehend auf der Mercedes A-Klasse. Er hat entscheidend zur positiven Entwicklung der Marke im vergangenen Jahr beigetragen. 2016 kamen laut Kraftfahrt-Bundesamt 2.126 Infiniti erstmals auf die Straße, rund die Hälfte davon waren Kompaktwagen.

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