Suchen

Mercedes-Rückruf: Hin und Her beim Kältemittel

| Autor / Redakteur: Niko Ganzer / Jens Rehberg

Bei knapp 130.000 Fahrzeugen muss die einst illegal eingefüllte Chemikalie R134a durch R1234yf ersetzt werden. Zu den Details hält sich der Hersteller noch bedeckt.

Firma zum Thema

(Bild: Daimler)

Der Boykott des Klimaanlagen-Kältemittels R1234yf, der vor über sechs Jahren für Aufsehen sorgte, hat für Daimler ein Nachspiel. Nach »kfz-betrieb« vorliegenden Informationen hat der Konzern Ende November bei den europäischen Behörden einen Rückruf für 127.847 Mercedes-Fahrzeuge der A- und B-Klasse, sowie für den CLA und SL (Baureihen 176, 246, 117 und 231) angekündigt, um das bisher verwendete Kältemittel zu ersetzen. Denn R134a wurde demnach im Bauzeitraum 26. November 2012 bis 24. Oktober 2013 ohne Genehmigung in die Modelle eingefüllt.

Daimler hatte damals die Weiterverwendung des aus Gründen des Klimaschutzes eigentlich schon verbotenen R134a mit Sicherheitsbedenken begründet. Im Oktober 2012 gab es für die B-Klasse und den SL sogar eine Rückrufaktion wegen des neuen Kältemittels, das in einigen dieser Fahrzeuge bereits zum Einsatz kam. Offizielle Begründung für die bis heute in der Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) abrufbare Aktion: „Kältemittel R1234yf gerät bei Laborversuch in Brand“. Nun fordert das KBA eine Umrüstung auf ebendiese Substanz.

Bei den Mercedes-Modellen, die inzwischen ab Werk mit dem in Stuttgart unbeliebten R1234yf befüllt sind, kommt eine Art Feuerlöscher im Motor zum Einsatz, der bei einem Unfall die Entzündung des Kältemittels verhindern soll. „Ermöglicht wird dies durch einen Gasgenerator, der Argonschutzgas gezielt an den entsprechenden Heißstellen freisetzt“, erklärte der Konzern 2015 in einer Mitteilung. Dieses System soll aber im Rahmen der jetzt anlaufenden Aktion nicht nachgerüstet werden.

Wie unterdessen aus dem Partnernetz verlautete, veranschlagt der Hersteller für den Rückruf in die Partnerwerkstätten dreieinhalb Stunden Arbeitszeit – neben dem Kältemittel sollen offenbar lediglich die entsprechenden Leitungen und Anschlüsse getauscht werden.

Keine Details vom Hersteller

Zuvor war über eine kostspielige Nachrüstung des Feuerlöschsystems spekuliert worden – dafür sprach ein Hinweis im Konzernbericht für das dritte Quartal. Die darin ausgesprochene Gewinnwarnung wurde unter anderem mit der notwendigen Risikovorsorge begründet, „aus Anlass einer aktuellen Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für eine möglicherweise erforderliche Umrüstung bestimmter Fahrzeuge […], die noch mit dem früher verwendeten Kältemittel R134a ausgestattet sind.“

Ein Daimler-Sprecher wollte auf Anfrage von »kfz-betrieb« den Rückruf nicht bestätigen. Er erklärte lediglich, dass der Widerspruch gegen eine Rückruf-Anordnung des KBA aus dem Jahr 2017 inzwischen zurückgezogen wurde und man nun in Abstimmung mit der Behörde sei. Somit liegen noch keine offiziellen Angaben zu der Aktion vor.

Immerhin bleibt dem Konzern ein Zwangsrückruf weiterer 660.000 Fahrzeuge erspart. Denn auch jüngere Mercedes-Modelle der Baujahre 2013 bis 2016 sind noch mit R134a befüllt. Die hierfür von Daimler verwendete Erweiterung einer älteren Typgenehmigung hatte der EuGH aber in seinem Urteil gebilligt.

(ID:45662700)

Über den Autor

 Niko Ganzer

Niko Ganzer

Freier Journalist