Mercedes zitiert Dalai Lama – und erntet einen Shitstorm in China

Autor Christoph Seyerlein

Auf den ersten Blick wirkte ein Instagram-Post von Mercedes mit einem Auto-Bild und einem Dalai-Lama-Zitat darüber völlig harmlos. Doch in China war die Aufregung groß, da das geistige Oberhaupt der Tibeter dort als Staatsfeind gilt.

China ist für Mercedes-Benz der wichtigste Markt.
China ist für Mercedes-Benz der wichtigste Markt.
(Bild: Daimler)

„Betrachte die Lage von allen Seiten und du wirst offener werden“ – klingt nach einem harmlosen Spruch aus einem Glückskeks. Dachte sich wohl auch das Social-Media-Team von Mercedes, als es am Montag bei Instagram ein Bild eines Autos mit jenem Zitat des Dalai Lama versah. Allerdings hatte der Autobauer die Rechnung ohne China gemacht: Dort gilt das geistige Oberhaupt der Tibeter als Staatsfeind. Viele Chinesen empörten sich schnell über den Post.

Und Mercedes? Der Hersteller gab sich reumütig, löschte den Beitrag am Dienstag wieder und entschuldigte sich mehrfach für „falsche Informationen“, die „die Gefühle des chinesisches Volkes verletzt“ hätten. Man werde „sofort Schritte unternehmen, um unser Verständnis für die chinesische Kultur und Werte zu vertiefen.“ Mit Druck von den chinesischen Behörden soll das einer Daimler-Sprecherin zufolge nichts zu tun haben, man habe allein aus eigenem Antrieb gehandelt.

Doch auch für dieses Vorgehen erntet der Autobauer nun Kritik. Zwar nicht aus China, dafür aber von Demokratie-Aktivisten. Die NGO International Campaign for Tibet sprach in einer Mitteilung beispielsweise von einem „beschämenden Kotau vor der Diktatur“ in China. Wie man's macht, macht man's falsch, dürften sich die Verantwortlichen des Stuttgarter Konzerns denken.

Kurios an der ganzen Geschichte ist vor allem der Umstand, dass Instagram in China wegen der scharfen Internet-Zensur komplett geblockt ist. Der Beitrag dürfte im Normalfall also nur sehr wenige Menschen dort erreicht haben.

Die ganze Geschichte kann man so durchaus als Beleg dafür sehen, dass Autobauer immer abhängiger vom chinesischen Markt werden – und deshalb jegliches Aufsehen vermeiden wollen. Mercedes selbst verkaufte beispielsweise mehr als ein Drittel seiner Neuwagen weltweit im Januar im Reich der Mitte – und damit mehr als beispielsweise in ganz Europa.

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