Milliardenschwere Übernahmen im Teilehandel

Autor Andreas Grimm

Die Konzentrationswelle im Kfz-Teilemarkt dreht sich immer schneller, die Großhändler wollen sich international aufstellen. Derzeit stehen zwei Großanbieter im Fokus. Beide betreffen den deutschen Markt.

Finanzinvestoren haben den Kfz-Teilemarkt für sich entdeckt. Während über den Verkauf von Stahlgruber bisher nur heftig, aber nachhaltig spekuliert wird, stößt ein anderer Finanzinvestor seine Beteiligung an der Alliance Automotive Group (AAG) wieder ab. Die AAG ist nach eigenen Angaben Europas zweitgrößter Anbieter von Kfz-Teilen, Werkzeugen und Werkstattausrüstung. Käufer ist der US-amerikanische Anbieter von Kfz-Ersatzteilen Genuine Parts Company.

Neben Deutschland ist die AAG vor allem in Frankreich und Großbritannien aktiv, unter anderem mit der Marke „Groupauto“. Der Name AAG selbst ist hierzulande wenig geläufig. Hinter den deutschen Aktivitäten steckt aber wesentlich der Teilegroßhändler Coler, den dessen Besitzer Fabian Roberg Ende 2015 an eben jene AAG mit Hauptsitz in London verkauft hatte. Roberg selbst sitzt als Chef des Deutschlandgeschäfts inzwischen im Top-Management der AAG.

Seit dem Coler-Verkauf ist das AAG-Geschäft hierzulande deutlich gewachsen, die Mitarbeiterzahl hat sich binnen zwei Jahren verdoppelt. Wachstumsursache waren nicht zuletzt Übernahmen. Erst vor wenigen Wochen war bekannt geworden, dass die AAG die Klapper Autoteile GmbH Co. KG in Bünde (Westfalen) übernehmen will, die rund 1.000 Kunden beliefert. Im Sommer 2016 war bereits die Busch GmbH aus Freiburg mit 5.000 Kunden von dem Teilekonzern geschluckt worden. Und im Herbst 2016 folgte die Büge-Unternehmensgruppe in Lübeck mit 4.000 angeschlossenen Kunden.

Bislang gehörte die AAG dem Finanzinvestor Blackstone sowie verschiedenen Anteilseignern. Diese Parteien geben ihre Anteile nun an die Genuine Parts Company (GPC) ab, die unter anderem Kfz-Ersatzteile in den USA, Kanada, Mexiko und Australien vertreibt und insgesamt im vergangenen Jahr einen Umsatz von 15,3 Milliarden US-Dollar erwirtschaftete. GPC zahlt laut einer Pressemitteilung für die AAG rund 2 Milliarden US-Dollar (1,7 Mrd. Euro) einschließlich der Rückzahlung der ausstehenden Verbindlichkeiten der AAG bei Abschluss der Transaktion. Vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigungen soll die Übernahme im vierten Quartal 2017 abgeschlossen werden.

Bieterverfahren um Stahlgruber

Noch in der Schwebe ist dagegen die Zukunft von Stahlgruber. Seit Wochen kochen Gerüchte hoch, dass ein Bieterverfahren um den Münchner Teilegroßhändler läuft. Das Unternehmen selbst äußert sich laut der Nachrichtenagentur „Reuters“ nicht zu den Vorgängen. Sie berichtet aber unter Berufung auf mit dem Vorgang befasste Personen, dass verschiedene Interessenten Stahlgruber kaufen wollen. Derzeit seien unter anderem noch der US-Konkurrent LKQ sowie der Finanzinvestor Bain Company im Rennen. Zu Bain gehört der französische Teilehändler Autodis Group.

Angeblich bieten die Interessenten mehr als 1,2 Milliarden Euro für Stahlgruber. Das familiengeführte Unternehmen selbst hatte Ende August erklärt, es prüfe vor dem Hintergrund der Veränderungen am Kfz-Teilemarkt verschiedene Optionen einschließlich eines Verkaufs.

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