Mit dem Audi R8 in Le Mans

Seite: 2/2

Firmen zum Thema

Und eilig hat man es gerne im R8, erst recht auf dem Circuit de la Sarthe. Schon die Dunlop-Schikane nach der Ausfahrt aus der Boxengasse nimmt man mit über 150, durch die Esses bremst man ein bisschen ab und wenn man im fünften Gang aus der Tertre Rouge geschossen kommt, dann knallt der rechte Fuß wie ein Fallbeil aufs Gaspedal und der R8 macht noch einmal einen Satz. Während der Motor munter über 8.000 Touren dreht, zählt der digitale Tacho schneller hoch, als das Auge schauen kann: 180, 200, 220, 250, 270 und nach oben ist noch reichlich Luft. Schneller war noch kein anderer Audi im Serientrimm, und mit keinem tut man sich so schwer, wenn man ihn langsam bewegen möchte. Wozu auch, wenn man für den Reiz des Rasens fast 190.000 Euro ausgegeben hat? Oder anders herum: Wer trinkt schon Selters, wenn der Sekt längst kalt steht?

Das Auto passt wie angegossen und fokussiert sich mehr denn je allein auf den Fahrer – und zwar nicht nur, weil unter der flachen Hutze im radikal entrümpelten Armaturenbrett das Virtual Cockpit aus dem TT steckt. Auch die Mittelkonsole umschmeichelt den Fahrer und alle wichtigen Schalter rücken direkt ins Lenkrad: Vier so genannte Satelliten, die je nach Perspektive an die Playstation oder die Formel1 erinnern, wachsen jetzt zusätzlich aus der Nabe, regeln die mittlerweile sieben unterschiedlichen Fahrprogramme, starten den Motor, öffnen den Klappenauspuff und schalten den R8 mit einem Knopfdruck in den Angriffsmodus.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Dann sind alle Muskeln gespannt und alle Sinne geschärft und man fährt wie in Trance über den Kurs. Hunadières, Mulsanne, Arnage – all die berühmte Streckenabschnitte ziehen wie im Zeitraffer vorbei. Und selbst wenn man viel länger braucht als die 3:16:887, mit denen Porsche-Pilot Neel Jani auf seinem 919 Hybrid im Training den sieben Jahre alten Rundenrekord geknackt hat, kommt einem die Fahrt über die 13,6 Kilometer viel zu kurz vor, als dass man sie ernsthaft genießen könnte.

Und trotzdem ist es gut, dass am Ende der Start-Ziel-Geraden jemand die Flagge schwingt und die rasenden Jungfern zurück in die Box winkt. Denn während der R8 gerade erst so langsam auf Betriebstemperatur kommt und förmlich danach schreit, dass man ihn noch einmal über den Kurs prügelt und noch ein einmal und noch einmal, fällt der Fahrer am Ende der Runde völlig ausgelaugt aus dem Wagen und sucht mit weichen Knien und zitterndem Gasfuß seine sieben Sinne zusammen.

Nur einer strahlt und sieht aus wie nach einem Sonntagsspaziergang: Seriensieger Tom Kristensen. Der hat mit dem Führungsfahrzeug - natürlich ein R8 LMS, so viel Ehre muss schließlich sein – zwar die schnellste Runde hingelegt. Doch hat sich der Routinier seine Kräfte besser eingeteilt. Schließlich weiß er nach 18 Le Mans-Teilnahmen, dass der ersten Runde noch fast 400 weitere folgen, bis am Sonntagnachmittag die Zielflagge winkt. Und die können verdammt lang werden, selbst einem angeblich so langstreckentauglichen Audi R8.

Er hat deshalb mit Schweiß und Tränen gelernt, dass dieses Wochenende das härteste im Leben eines Rennfahrers sein kann. Aber mit dem richtigen Auto, der passenden Strategie und ein bisschen Glück kann es zumindest für ein Team auch zum besten Wochenende werden, das ein PS-Profi je erleben wird. Und wer sollte das besser wissen, als einer, der hier schon neun Mal ganz oben auf dem Treppchen gestanden hat.

Trotzdem ist der Däne sogar ein bisschen neidisch auf alle, die den neuen R8 bald ihr Eigen nennen. Nicht weil der V10 Plus sogar noch ein bisschen stärker ist als der LMS und weil er nicht einmal halb so viel kostet. Sondern vor allem, weil man mit ihm das ganze Jahr über Spaß haben kann und nicht nur 24 Stunden lang.

(ID:43466020)