ADAC und „Auto Motor und Sport“ haben insgesamt nicht weniger als 38 Winterprofile geprüft. Neben den üblichen Leistungswerten ermittelten die Tester auch die Gewichte der einzelnen Reifen und stellten dabei erhebliche Unterschiede fest. Warum das wichtig ist.
Fahrversuche auf Schnee (Symbolbild) gehören immer noch zu jedem Winterreifentest. Doch die Bewertung auf nasser und trockener Straße sowie die Umwelteigenschaften sind ebenfalls wichtig.
(Bild: Rosenow – VCG)
Wenn man mehr für sein Geld bekommt, ist das ja eigentlich gut. Mehr Gummi, beispielsweise. Dass ein höheres Gewicht aber nicht immer wünschenswert ist, das zeigt sich nicht nur von Zeit zu Zeit beim Blick in den Spiegel, sondern auch beim Autofahren.
Beispiel Autoreifen: Schwerere Reifen vergrößern die ungefederten Massen und machen es damit der Federung, nun ja, schwerer, das Rad sicher am Boden zu halten. Vor allem auf unebenen Straßen kann dies zu unsicherem Fahrverhalten führen. Gleichzeitig leidet der Federungskomfort. Ein anderer negativer Effekt resultiert aus dem vergrößerten Massenträgheitsmoment, das sich der Beschleunigung entgegenstemmt. Das bremst den Wagen buchstäblich ein und frisst vor allem bei Elektroautos auch den einen oder anderen Kilometer Reichweite. Die gleiche Wirkung hat der vergrößerte Rollwiderstand. Mehr Gummi heißt mehr Masse, die sich bei der Verformung des Reifens erwärmt – also mehr Energieverlust.
Der leichteste Reifen rollt auch am leichtesten
Sehr schön lässt sich dieses Phänomen bei den aktuellen Reifentests sehen, die die Zeitschrift „Auto Motor und Sport" sowie der ADAC gerade veröffentlicht haben. Bei „AMS“ weist der mit Abstand leichteste Reifen im Testfeld (Dimension: 235/55 R 18 H/V XL), der Continental Wintercontact TS 870 P, auch den niedrigsten Rollwiderstand auf. Er wiegt mit 10,68 Kilogramm über 2,5 Kilogramm weniger als der Mächtigste im Test, der Goodyear Ultragrip Performance Plus SUV mit 13,24 Kilo. Die „AMS“-Redaktion bezeichnet den Conti deshalb als „Tipp für E-Autos“.
Verschweigen wollen wir allerdings nicht, dass mehr Gummi auf der Lauffläche auch positive Folgen haben kann, in erster Linie für die Laufleistung. Ob die Reifenmasse auf die erwartete Weise mit der Lebensdauer korreliert, das lässt sich aus den wirklich vorbildlich aufbereiteten Testergebnissen des ADAC ableiten, der sich unter Magazinen und Automobilklubs als einziger Player die aufwendige Verschleißmessung leistet.
Wir haben uns einmal den Spaß erlaubt, aus den Messwertetabellen die Massen und die erwartete Laufleistung aller Kandidaten der Größe 215/55 R 17 herauszusuchen und gegenüberzustellen. Hier zeigt sich, dass tatsächlich der mit Abstand gewichtigste Testkandidat, der Kenda Wintergen 2 (12,4 kg), auch die höchste Laufleistung schafft (65.100 Kilometer). Aber: Auf Platz 2 folgt mit 57.500 Kilometern gleich der leichteste Testkandidat (8,8 kg), der Goodyear Ultragrip Performance 3. Leicht heißt also nicht automatisch wenig langlebig.
Und wenn man dann noch den geringeren Rollwiderstand sowie den niedrigeren Ressourcenverbrauch leichterer Reifen in die Kalkulation einbezieht, dann wird klar: Leichtbau ist auch bei Reifen eine erstrebenswerte Eigenschaft.
Kein Billigreifen und nur gute Ergebnisse bei „Auto Motor und Sport“
Doch kommen wir zu den Leistungs- und Sicherheitsmerkmalen der Testreifen, und zwar der Größe nach. „Auto Motor und Sport“ stellte zehn Winterreifen der Dimension 235/55 R 18 H bzw. V in XL-Ausführung auf den Prüfstand, wie sie gerne für kompakte SUVs gewählt werden. Die Tester haben sich auf Marken aus dem Premium- und dem Quality-Segment beschränkt – mit dem GT Radial war nur ein einziger Vertreter aus dem Budget-Segment dabei, auf echte Billigreifen wurde verzichtet. Entsprechend eng liegen die Ergebnisse beisammen – wobei der GT Radial durchaus zu überraschen wusste.
Als Testsieger mit der Note „Überragend“ ging der Michelin Alpin 5 SUV aus dem Rennen, der mit Note 9,0 einen beachtlichen Vorsprung auf den zweitplatzierten (Continental Wintercontact TS 870 P) herausfahren konnte und auf Schnee sogar die Traumnote 10,0 erhielt. Auch auf trockener Fahrbahn konnte der Michelin die Tester am meisten überzeugen. Lediglich bei Nässe gelangte er „nur“ auf den dritten Platz – ungewöhnlich für einen Michelin.
Als Regenmeister profilierte sich dafür der Bridgestone Blizzak 6, der allerdings auf trockenem Asphalt schwächelte und auf den dritten Platz kam – punktgleich mit dem sehr ausgewogenen Pirelli Scorpion Winter 2. Der zweitplatzierte Conti holte die Bestnote bei den Umweltkriterien, konnte aber auch bei den Fahrversuchen mit den Besten mithalten.
Stand: 08.12.2025
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Weitere Testkandidaten mit der Note „Sehr gut“ waren der Hankook Winter I-Cept Evo 3 X und der Goodyear Ultragrip Performance Plus SUV. Ein „Gut“ schafften der GT Radial Winterpro 2 Sport, der Falken Eurowinter HS 02 Pro, der Nokian Snowproof 2 SUV und der Vredestein Wintrac Pro.
ADAC: Große Unterschiede auf nasser Fahrbahn
Der ADAC hat insgesamt 28 Winterreifen für die untere Mittelklasse getestet, 16 davon für SUVs im Format 215/55 R 17 V und 12 Winterreifen in 205/55 R 16 H, der Standarddimension der Kompaktklasse.
Bei den SUV-Gummis ermittelten die Testprofis aus Landsberg am Lech große Unterschiede: Drei gute und empfehlenswerte Reifen standen drei mangelhaften gegenüber. Die größten Unterschiede ergaben sich bei den Bremswegen auf nasser Fahrbahn – kein Wunder, denn der ADAC hat auch sehr günstige Marken sowie ausgesprochene No-Name-Produkte getestet.
Der oben beschriebene Kenda beispielsweise hält zwar sehr lange und zeigte sich auch fähig auf Schnee. Aber die Nassbremswerte fielen katastrophal aus: Aus 80 km/h stand das Testfahrzeug erst nach 41,1 Metern. Der Beste bei Nässe, der Pirelli Cinturato Winter 2, schaffte das in nur 34,2 Meter.
Als Spitzenreiter in der Dimension 215/55 R 17 V (Note „Gut“) zeigten sich der Goodyear Ultragrip Performance 3, sein Konzernbruder Dunlop Winter Sport 5 und der Vredestein Wintrac Pro, der bei „AMS“ noch auf dem letzten Platz gelandet war (allerdings auch mit Note „Gut“). Die weiteren Ergebnisse finden Sie in der Tabelle:
Bei den Reifen der Größe 215/55 R 17 konnte Goodyear mit dem Ultragrip Performance 3 den Testsieg erringen (zum Vergrößern anklicken).
(Bild: ADAC)
Bei den zwölf Winterreifen in der Dimension 205/55 R 16 H fand der ADAC wenig Auffälligkeiten. Die Modelle Continental Wintercontact TS 870, Goodyear Ultragrip Performance 3 und Michelin Alpin 6 zeigen mit Note „Gut“ die besten Leistungen, wobei vor allem der Continental bei der Fahrsicherheit punktete und der Michelin wegen seiner hohen Laufleistung Spitzennoten in der Umweltbilanz bekommt. So übertrifft der Michelin mit 53.200 km Laufleistung als bester in dieser Disziplin das Modell von Vredestein als schlechtesten Reifen mit 33.400 km bei Weitem.
Bei der kleineren Dimension 205/55 R 16 setzte sich der Continental Wintercontact TS 86ß durch (zum Vergrößern anklicken).
(Bild: ADAC)
Winterreifen mit M+S-Kennung nicht mehr wintertauglich
Das M+S-Symbol hat als Ausweis der Wintereignung endgültig ausgedient. Nach einer langen Übergangsfrist (seit 2018) dürfen Profile, die nur mit M+S und nicht mit dem Schneeflockensymbol (3PMSF, 3 peak mountain snowflake) gekennzeichnet sind, bei winterlichen Straßenverhältnissen nicht mehr verwendet werden. Ihr Gebrauch bei Trockenheit oder auf nassen Straßen ist aber weiter erlaubt.