Mit dem Turbo zum Meister
Die Heinrich-Lanz-Schule I in Mannheim bietet ab diesem Sommer eine dreieinhalbjährige Berufsausbildung für Abiturienten, nach deren Abschluss die Absolventen sowohl Kfz-Mechatroniker, Technische Fachwirte und Kfz-Meister sind.

„Den klassischen, mitarbeitenden Meister gibt es immer seltener in unseren Kfz-Betrieben“, sagt Otmar Drackert von der Heinrich-Lanz-Schule I in Mannheim. „Vielmehr bilden in der heutigen Zeit die Themen Organisation, Kommunikation und Verkaufen die Schwerpunkte der Arbeit – Meister sind zunehmend die Manager eines Kfz-Betriebes.“
Angeregt durch diese Entwicklung hat die Heinrich-Lanz-Schule gemeinsam mit der Kfz-Innung Rhein-Neckar-Odenwald und der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald das Ausbildungsmodell „Mit dem Abi auf der Überholspur“ entwickelt. Es richtet sich an Schulabgänger mit Abitur oder Fachhochschulreife, die eine Alternative zum Studium suchen. Sie können innerhalb von dreieinhalb Jahren gleich drei Berufsabschlüsse erwerben:
- den Gesellenbrief,
- den Technischen Fachwirt und
- den Meisterbrief.
„Diese Zeit brauchen Studenten oft allein schon für ihr Grundstudium“, erläutert Dackert. Nicht zuletzt mit diesem Argument hofft er Schulabgänger für den anspruchsvollen Ausbildungsgang zu begeistern. Dabei ist es sicher ein Vorteil, dass zum Start dieser Ausbildung im Sommer ein doppelter Abiturjahrgang die Schulen in Baden-Württemberg verlässt.
Eigene Lehrpläne
Die Heinrich-Lanz-Schule richtet eine eigene Klasse für die Turbo-Meister-Ausbildung ein, mit einem eigens entwickelten Lehrplan. Ihre Gesellenprüfung legt die Nachwuchselite bereits nach zweieinhalb Jahren ab. Da die Abiturienten in der Berufsschule keinen Unterricht in allgemeinbildenden Fächern benötigen, nutzt die Schule diese Zeit dafür, schon in die Gesellenausbildung den Unterricht für den Technischen Fachwirt zu integrieren, durch den die Azubis vom Teil III der Meisterprüfung befreit sind. Die Teile I und II der Meisterprüfung schließen sich dann nahtlos an die Gesellenausbildung an.
„Wir haben sowohl bei den Schulleitern der allgemeinbildenden Schulen als auch bei großen Kfz-Betrieben eine positive Resonanz auf unser Ausbildungsmodell bekommen“, betont Drackert. „Gerade die Betriebe spüren für die mittlere Führungsebene schon heute einen großen Fachkräftemangel.“ Das bestätigt auch Ronny Matthes, Leiter der Betriebe in Frankfurt, Kassel und Diezenbach von Iveco Süd-West. Er erhofft sich mit dieser Ausbildung seinen Führungskräftenachwuchs künftig besser selbst ausbilden zu können: „Die Absolventen sind ideal für eine Traineestelle in unseren Betrieben, denn die Gefahr, dass sie nach dieser umfangreichen Ausbildung noch ein Studium beginnen, ist wesentlich geringer als bei Abiturienten, die ‚nur‘ eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker oder in einem kaufmännischen Beruf machen.“
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