Mit der Rolle vorwärtskommen
Die Fehlerdiagnose bei modernen Fahrzeugen wird immer schwieriger. Ein Rollenprüfstand hilft, Fahrzustände schnell und reproduzierbar zu simulieren und unterstützt so die Arbeiten mit einem Diagnosegerät.
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Welcher Serviceberater und Werkstattmeister kennt sie nicht, Kundenaussagen wie: „Das Geräusch tritt häufig ab 120 Km/h auf ...“, oder: „Zwischen 2.000 und 2.500 min-1 zieht der Wagen nicht richtig.“ Doch egal, welches Problem der Kunde mit seinem Fahrzeug hat, ob unliebsames Geräusch oder technische Störung – fast immer ist es für die Werkstatt schwierig, wenn nicht gar unmöglich, die Betriebszustände bei denen ein Problem auftritt, nachzuvollziehen bzw. zu simulieren. Denn oft fehlt die Autobahn vor der Haustür, der steile Berg zum Anfahren oder die Zeit für eine ausgedehnte Fehlersuche. Sporadische Probleme und solche, die nur unter exakt definierten Bedingungen auftreten, machen das Diagnosegeschäft für viele Betriebe schwer und das erschwert eine rasche und kostengünstige Reparatur.
Dieses Problem plagte auch den Bosch-Car-Service-Betrieb Loeben aus Wildau vor den Toren Berlins. Rund 40 Prozent seiner Werkstattarbeiten sind reine Elektrik-/Elektronikarbeiten. Die Tendenz steigt und „was du nicht machst, macht ein anderer“, beschreibt der Chef, Olaf Loeben, treffend die Werkstattrealität.
Autos auf die Rolle
Der Firmeninhaber machte sich Gedanken und fand schließlich die Lösung: Die Straße muss in die Werkstatt oder anders gesagt: Ein Rollenprüfstand musste her. Gesagt, getan. Damit gehört der Auto-Service-Loeben (ASL) bereits zu einer kleinen Gruppe von Werkstätten, die Diagnoseprobleme mit einem derartigen Prüfwerkzeug besser beheben können. Doch damit nicht genug.
„Um darüber hinaus unser Dienstleistungsangebot auszubauen, haben wir nicht gekleckert, sondern geklotzt“, beschreibt Olaf Loeben das, was in der eigens dafür umgebauten Halle des Acht-Mann-Betriebs steht: der stärkste Allradprüfstand Deutschlands mit 2x1.000 PS!
Das Tunen von Autos hat nach wie vor Hochkonjunktur und so bietet ASL den hungrigen PS-Junkies eine ideale Testeinrichtung (weitere Informationen siehe Web-Link). „An unseren ersten ‚Dyno-Days‘ – das sind Tage, an denen jedermann für einen geringen Festpreis bei Würstchen und Unterhaltung die Leistung seines automobilen Kraftpakets messen lassen kann – wurden wir glatt überrannt“, schildert Olaf Loeben die begeisternde Resonanz auf die Aktion.
Ideal zur Fehlersuche
Doch zurück zur Fehlersuche. Der Allrad-Prüfstand der Firma AHS (siehe „Mehr zum Thema“) ist ein praktisches Diagnosehilfsmittel. Denn mit ihm kann die Werkstatt nahezu alle realen Fahrbedingungen simulieren. So kann sie Fehlfunktionen, speziell im Antriebsstrang, gezielt hervorrufen und Defekte entsprechend leichter auffinden und beheben. Der Prüfstand lässt sich hierfür vielfach individuell einstellen.
Diagnosefachmann Loeben Junior kann eine beliebige Geschwindigkeit einstellen, die das Fahrzeug – egal in welchem Gang und unter welcher Last – einhält oder umgekehrt eine beliebige Drehzahl vorwählen und diese mit unterschiedlichen Lastzuständen anfahren. So lassen sich die Schaltpunkte eines Automatikgetriebes genauso überprüfen wie die Ladedruckregelung eines Turboladers. Und ob der Motor/das Getriebe einwandfrei funktioniert, sieht man anhand der Drehmoment- und Leistungskurve auch gleich. ASL kann so Fahrzeuge bis zu einer Geschwindigkeit von knapp 400 km/h und bis maximal 1.000 PS Radleistung pro Achse prüfen.
Bunte Diagnosewelt
Obwohl der Betrieb ein Bosch-Car-Service-Betrieb ist, mit dazugehöriger Bosch-740-FSA-Diagnosestation, ist für das Vater-Sohn-Gespann Loeben die weite Welt der Diagnose bunt und vielseitig. Soll heißen: Insgesamt sieben Diagnosetester nennt der Betrieb sein Eigen. Der jüngste Zugang auf der ASL-Station ist das Mutlimarken-Diagnosegerät der Firma Fischer Elektronik aus Mittenwalde (siehe „Mehr zum Thema“).
„Seit neun Monaten haben wir das Gerät und es hat sich bis jetzt sehr postitiv bewährt“, schildert der Sohn Oliver Loeben die Erfahrungen mit dem €-diag Nucleus. Aufgrund seiner Herkunft – der Hersteller SPX (ehemals Johnson Controls) produziert die Markendiagnosegeräte für Renault und Citroën – besitzt es gerade bei französischen Fahrzeugen eine Diagnosetiefe und -breite, die nahezu dem Originaltester entspricht. „Mit dem €-diag können wir sogar Schlüssel aktueller Fahrzeugmodelle neu anlernen“, berichtet Loeben Junior. Doch abgesehen von französischen Fahrzeugen diagnostiziert das Fischer-Gerät auch andere Marken sehr überzeugend.
Leichte Handhabung
„Das €-diag kann unserem Haustester bei deutschen Fahrzeugen in Sachen Diagnosetiefe und -breite fast das Wasser reichen“, weiß Loeben Senior zu berichten. Dank des Auslesemoduls, das drahtlos via Bluetooth mit der Testerstation kommuniziert, ist die Handhabung trotz des robusten Werkstattwagens in der Praxis problemlos. „Manche Begriffe sind von der Übersetzung her noch etwas holprig. Dafür sind die Anzeigemöglichkeiten speziell für die Fehlersuche sehr gut“, beschreibt Oliver Loeben die Praxiserfahrungen. So kann der Diagnoseexperte bis zu acht Messwerte frei zusammenstellen und sich gleichzeitig auf dem Bildschirm anzeigen lassen.
„Alles in allem ein sehr praktisches Gerät mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis“, resümieren Vater und Sohn. Dass die beiden wissen, wovon sie sprechen, zeigt die Tatsache, dass der ASL aufgrund der Vielzahl an Diagnosegeräten fast so gut ausgestattet ist wie manches Testlabor der Fahrzeugindustrie – allerdings ohne 2x1.000-PS-Allradprüfstand. Denn den hat nur Loeben.
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