Es nimmt offenbar einfach kein Ende: Auch in diesem Jahr drängen wieder einige China-Marken auf die europäischen Straßen. Als einer der Nächsten lässt deshalb jetzt GAC die E-Motoren warm laufen.
GAC will nach Europa.
(Bild: sp-x)
Der nächste, bitte! Auch das chinesische Staatsunternehmen GAC drängt nach Europa und will von Guangzhou aus die Straßen von Paris, Berlin oder Warschau erobern. Der Verkauf des ersten Automodells soll in ausgewählten Ländern noch in diesem Jahr starten - zunächst in Portugal und Polen.
Im nächsten Jahr sollen Flotte und Marktabdeckung wachsen, teilte der Hersteller mit und nannte Deutschland als einen seiner wichtigsten EU-Märkte.
Die Einstiegsstrategie wirkt, als wolle man erst mal üben, indem man die beiden diametral entgegengesetzt liegenden EU-Länder wählt. Portugal ist klein, aber in Sachen Elektromobilität mit rund 40.000 E-Autozulassungen im vergangenen Jahr offen für die Antriebstechnik. In Polen wurden im vergangenen Jahr 16.500 E-Autos zugelassen, was rund drei Prozent der Neuzulassungen entspricht. In Deutschland waren es immerhin 388.000 und somit 13 Prozent.
Junge, technikaffine Zielgruppe
Der Markenaufbau hat Priorität. Niemand in Europa weiß, wofür die Marke GAC steht. Beim Vor-Ort-Besuch bleibt allerdings die Frage, wie man den Europäern die Unternehmens- und Markenwerte näherbringen möchte, unbeantwortet. Nur so viel: Die Submarke Aion steht für Artificial Intelligence is on. Die beiden Modelle im A- und C-Segment sollen einer jungen, technikaffinen Zielgruppe gefallen.
Der 4,60 m lange Aion V kommt mit seiner 75 kWh Batterie bis zu 520 km weit. Am Schnelllader wird mit bis zu180 kW nachgeladen. In der Mittelkonsole verbirgt sich ein Kühlfach, das den Inhalt aber auch auf bis zu 50 Grad Celsius erwärmen kann.
Der Kleinwagen UT ist 4,27 m lang und soll mit 60 kWh in der Batterie 430 km Reichweite schaffen. Der 150 kW starke Motor beschleunigt den Wagen auf bis zu 180 km/h. Gestaltet wurde der UT im Mailänder Design-Studio von GAC. Das Äußere soll dem europäischen Publikum gefallen. Die Scheinwerfer in der Front wirken, als hätte die Designer eine Spielfigur aus Angry Bird inspiriert.
Bei einer ersten Proberunde in China wirkt die Lenkung etwas weich, vor allem für ein schnelles Ausweichen. Das werde für die Europaversion noch angepasst, versichert der Techniker vor Ort. Das gilt hoffentlich auf für den Fahrersitz, in den man tief einsinkt. Für beide Varianten strebt der Hersteller eine fünf Sterne Bewertung durch Euro NCAP an.
Drittes Modell für Europa in Planung
Passend zur Zielgruppe werden Android Auto und Apple Carplay unterstützt. Ein App-Store bietet Erweiterungsmöglichkeiten in beiden E-Autos. Sollten V und UT in Europa gut ankommen, könnte der Hersteller die Lücke zwischen beiden Modellen mit dem Kompakt-SUV Aion Y noch füllen - zumindest in ausgewählten Märkten.
Die Heimat des Autoherstellers ist Guangzhou im Süden Chinas. Mit 18 Millionen Einwohnern ist es die drittgrößte Stadt des Landes. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl der Niederlande. In vielen chinesischen Metropolen entscheiden sich Autokäufer für E-Autos, da die grünen Kennzeichen schneller als die blauen für Verbrenner erhältlich sind. Zudem führt der intensive Wettbewerb unzähliger neuer Marken dazu, dass etliche E-Autos günstiger angeboten werden als vergleichbare Verbrenner.
Der Aion UT wird in China für umgerechnet 9.000 Euro verkauft. Der größere Aion V kostet im Heimatmarkt umgerechnet 13.000 Euro. In Europa dürfte das SUV für unter 30.000 Euro auf den Markt kommen. Gründe für den deutlich höheren Preis sind Transport, Kosten für die Zulassung in Europa (Homologation), Marketing und der Aufbau einer Vertriebs- und Service-Organisation.
Keine Billigpreise durch Strafzölle
Natürlich spielen die Strafzölle auch eine Rolle beim Preis. Bei GAC fiel die Entscheidung für die Europa-Expansion nach der EU-Untersuchung zu staatlichen Subventionen. Somit zahlt der Hersteller jetzt mit 35,3 Prozent den höchsten Satz. Das Unternehmen hat eine Neubewertung bei der EU beantragt, doch noch keine Antwort erhalten.
Rund 60 Prozent der GAC-Aktien hält die chinesische Regierung. Wei betont, das Unternehmen stelle sich dem Wettbewerb in China und erhalte keinerlei staatliche Zahlungen. Der Strafzoll plus den üblichen Zoll für Autos in Höhe von zehn Prozent macht einen Aion beim Import um 45,3 Prozent teurer. Mit Billigpreisen können die Chinesen Europa nicht erobern. Ihre Produkte müssen überzeugen.
Stand: 08.12.2025
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