Mit Youngtimern erfolgreich
Das Autohaus Hochenthanner in Niederösterreich handelt mit Young- und Oldtimern. Das verlangt Fingerspitzengefühl beim Ankauf.
„Ein gewinnbringendes Gebrauchtwagengeschäft beginnt mit dem Fahrzeugankauf“, predigte Hochenthanner Senior seit jeher seinem Sohn Herbert, der heute das Autohaus Hochenthanner im niederösterreichischen Rust leitet. Die Hochenthanners handeln mit Young- und Oldtimern. Das verlangt Fingerspitzengefühl beim Ankauf, erkannte der Senior-Chef schon vor Jahrzehnten. Er überlegte sich vor 40 Jahren eine Strategie, die sein Sohn heute noch praktiziert – und zwar mit dem griffigen Werbeslogan „Hast du mit dem Auto Pech, Hochenthanner richtet Lack und Blech“.
Hinter dem Slogan verbirgt sich das zweite Standbein von Hochenthanner, die Karosserieinstandsetzung und Lackierung. Viele Kunden sind nach einem Blechschaden nicht mehr glücklich mit ihrem fahrbaren Untersatz. Die Hochenthanners unterbreiten dann ein professionelles, transparent kalkuliertes Ankaufsangebot, dem selbst die Eigentümer solcher Liebhaberfahrzeuge nicht widerstehen können.
Eigene Karosseriewerkstatt
Die auf diese Art zugekauften Gebrauchtwagen werden in der hauseigenen Karosseriewerkstatt instandgesetzt und aufbereitet. Hochenthanner beschäftigt 12 Mitarbeiter in der Werkstatt und zwei Auszubildende. Die oft schwierige Ersatzteilbeschaffung für Youngtimer erfordert Geduld sowohl bei den Aufbereitern als auch bei den neuen Eigentümern, die schon darauf warten, dass ihr Auto fertig wird. Hochenthanner hält stets engen Kontakt zu den neuen Fahrzeugbesitzern und informiert sie regelmäßig über den Stand der Aufbereitung. Das schafft Vertrauen und weckt die Vorfreude auf das neue Auto.
Firmensitz ist das beschauliche Rust, ein Ort mit 2 524 Einwohnern im sogenannten Tullnerfeld, das von Ackerbau geprägt ist. Das Autohaus befindet sich direkt an der Ortseinfahrt und begrüßt somit jedem Ankömmling. Vor dem Autohaus sind immer zwei Fahrzeuge, meist Youngtimer, ausgestellt. Der eigentliche Gebrauchtwagenplatz ist hinter dem Ausstellungsraum. Er ist wochentags frei zugänglich und dort sind auch einige automobile Schätze zu bewundern, die noch nicht ganz aufbereitet sind.
Emotionales Marketing
Ingrid Hochenthanner, die Schwester des Chefs, hält den Standort für ideal. Nicht die Frequenz an vorbeifahrenden Autos bringe die Kunden ins Autohaus, sondern emotionales Marketing. Die Gebrauchtwagenverkäuferin ist überzeugt: „Wenn ich einem Kunden den Kaffee mit dem tollem Aroma aus Lissabon anbiete, den ich bei einer Städtereise entdeckt habe, und mit ihm ein nettes Gespräch führe, belebt beides die Sinne. Damit binden wir die Kunden emotional an unsere Firma. Wir gehen auf die Wünsche der Kunden ein und arbeiten mit viel Einsatz daran, diese Wünsche mit Gewinn für beide Seiten zu erfüllen.“
Das Unternehmen Hochenthanner ist weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Daher setzt das Autohaus zur Zeit nur auf Mundpropaganda und verzichtet auf Inserate und Internetwerbung. Noch, denn der Juniorchef denkt bereits darüber nach, die Gebrauchtwagen im Internet anzubieten.
Chancen nutzen
2006 verkaufte Hochenthanner 51 Youngtimer. 65 Autos, bei denen sich die Aufbereitung aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht mehr lohnt, wurden nach Osteuropa verkauft. Auch in diesen Geschäftsfeldern könne man Gewinne erzielen, berichtet der Juniorchef. Allerdings brauche man gute Kontakte zu den östlichen Nachbarn.
Der österreichische Gebrauchtwagenmarkt ist übersättigt. Langsteher sind ein normales Bild auf den Gebrauchtwagenplätzen. Durch die hohe Steuerbelastung bei den Kraftfahrzeugen in Österreich sind die Exportchancen für junge Gebrauchtwagen gleich null. Hochenthanner sieht im Prinzip nur noch im Verkauf von Nischenprodukten wie Youngtimern eine Chance für ein ertragreiches Gebrauchtwagengeschäft.
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