Der Mustang Mach-E ist kein Stückzahlenkönig, aber er kann als eigenständige und attraktive Alternative durchaus überzeugen. Wenn die Sache mit dem Preis nicht wäre.
Spieglein, Spieglein an der Wand, was ist das schönste SUV-Coupé im Land? Der Ford Mustang Mach-E hätte gute Chancen.
(Bild: Rosenow – VCG)
Als der Ford Mustang Mach-E im März 2021 vorgestellt wurde, sahen wir in ihm einen harten Konkurrenten für den VW ID 4 und das Tesla Model Y. Coole Optik, hohe Leistung, große Reichweite – und das zu einem äußerst attraktiven Grundpreis von damals 46.900 Euro. Der Verkaufserfolg schien vorgezeichnet.
Mittlerweile wissen wir, dass es anders kam. 2022 schaffte es der Mustang nicht einmal in die Top 25 der meistverkauften E-Autos. 5.774 Exemplare fanden im bislang einzigen vollen Verkaufsjahr einen Abnehmer – zum Vergleich: beim Tesla Model Y waren es über 35.400, und VW setzte immerhin fast 25.000 ID 4 und ID 5 ab. Der mangelnde Absatzerfolg lag sicher in erster Linie daran, dass Ford sich bei der Kalkulation offenbar schwer vertan hatte und den attraktiven Einstandspreis nicht halten konnte. Im Jahr 2022 kostete der US-Stromer schon 30 Prozent mehr als zu Beginn; heute liegt der Einstiegspreis bei immer noch nicht günstigen 56.500 Euro.
Ist Ford mit dem Mustang Mach-E deshalb gescheitert? Das auf keinen Fall, denn auch gut zweieinhalb Jahre nach dem Start ist der elektrische Crossover nicht nur immer noch eines der optisch attraktivsten SUV-Coupés, sondern hält auch technisch mit der Konkurrenz mit. Das zeigten die Testfahrten, die »kfz-betrieb« im September mit dem aktuellen Modell in der Version AWD Extended Range absolvierte.
Beginnen wir mit dem Design: Die Lackierung in „Iced Blue Silver“ schmeichelt dem wuchtigen, 4,7 Meter langen Crossover ungemein. Der tiefgründige Effektlack betont die kräftigen Kanten und Linien und vor allem die markanten „Schultern“ über den hinteren Kotflügeln. Mit einem optischen Trick haben die Ford-Designer es zudem geschafft, trotz der elegant und coupéhaft abfallenden Dachlinie eine vernünftige Innenhöhe auf den hinteren Plätzen zu erreichen: Das Dach ist im hinteren Bereich etwas erhöht – durch die schwarze Lackierung fällt das aber von der Seite betrachtet kaum auf. Das kurze Heck mit den Mustang-typischen dreigeteilten Rückleuchten sowie die muskulös wirkende Fronthaube runden den überzeugenden Auftritt ab. Wir wiederholen uns gern: Im designtechnisch schwierigen Terrain der SUV-Coupés ist Ford mit dem Mustang Mach-E das wahrscheinlich attraktivste Angebot gelungen.
Riesen-Display mit Riesen-Schaltflächen
Im Innenraum hat Ford hingegen komplett auf Retro-Elemente verzichtet und dem Mustang das heute übliche Setting verpasst – mit riesigem Touchscreen und einem kleinen Infodisplay für den Fahrer. Ein paar Eigenheiten leistet sich der US-Stromer aber auch hier: So ist ein großes Drehrad für die Lautstärkeeinstellung direkt im Bildschirm angeordnet. Und: Ford nutzt als einer der wenigen Hersteller die enorme Fläche des Bildschirms richtig aus und stellt die Karte sowie die Schaltflächen in adäquater Größe dar. So sind sie viel leichter zu treffen, und auch die Augen müssen sich nicht zu stark umstellen.
Die Bedienung funktioniert deshalb sehr gut. Der Wechsel zwischen Funktionen wie Navigation, Telefon oder Radio ist per Direktschaltfläche mit einem Touch möglich. Das Bedienfeld der Klimaanlage bleibt stets eingeblendet und muss nicht erst umständlich aufgerufen werden.
Türen ohne Griffe
Beim Platzangebot geht der Mustang eher in Richtung Coupé als in Richtung SUV, trotzdem finden vier Erwachsene ausreichend Raum vor. Die mit Kunstleder bezogenen Sitze sind weich und bequem, bieten aber wenig Seitenhalt. Mit 402 Litern bei abgesenktem Ladeboden ist auch der Gepäckraum etwas knapp – aber wenn wir das sportliche Design des Fahrzeughecks loben, dürfen wir uns über den kleinen Kofferraum wohl nicht beschweren. Immerhin stehen unter der vorderen Haube noch einmal weitere 100 Liter zur Verfügung. Öffnen lässt sich die Haube direkt – nachdem man zwei Mal am Hebel im vorderen Fußraum gezogen hat. Man muss also nicht erst unter der Haube nach der Sperre fummeln.
Nur das Öffnen der Türen macht Ford den Passagieren unnötig schwer. Es gibt keine echten Türgriffe: Vorn lässt sich die Tür an einer kleinen Plastikleiste aufziehen, wobei der Fahrer dazu jedes Mal den Entriegelungsknopf drücken muss; hinten gibt es gar keinen Griff. Die Tür springt nach dem Knopfdruck ein paar Zentimeter auf und muss dann am Türrahmen aufgezogen werden. Vorteile sind daran nicht erkennbar – und beim Energieverbrauch dürfte durch einen möglicherweise niedrigeren Luftwiderstand kaum etwas eingespart werden.
Stand: 08.12.2025
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Die Fahrleistungen halten mit dem sportlichen Design nicht mit
Der Testwagen war mit dem zweitstärksten verfügbaren Antrieb ausgestattet: Zwei Elektromotoren bringen zusammen 258 kW / 351 PS auf die Straße. Beim Fahren fällt aber schnell auf, dass Ford – wahrscheinlich zum Schutz der Batterie – sehr restriktiv mit dem Leistungspotenzial des Elektroantriebs umgeht. So brachial wie vermutet ist die Beschleunigung nicht, vor allem beim Durchzug aus höheren Geschwindigkeiten heraus. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h beschränkt. Aber die erreicht der Wagen nur widerspenstig: Bei höherem Tempo schaltet sich die Klimaanlage automatisch ab und es wird heiß im Mustang. Aber US-Autos protzten ja schon in der seligen V8-Ära mit astronomischen PS-Zahlen nach SAE, von denen nach europäischer Homologation am Ende wenig übrig blieb.
Auch beim Thema Schnellladung kann der Mustang nicht ganz mit der Konkurrenz mithalten. Ford verspricht zwar bis zu 150 kW Ladeleistung, aber die erreichten wir bei den Testfahrten nicht. Meistens lag der Spitzenwert nur knapp über 100 kW. Immerhin macht die Batterie mit ihren 91 nutzbaren Kilowattstunden Reichweiten von rund 350 Kilometern möglich.
Teurer Spaß
Insgesamt ist der Ford Mustang Mach-E trotz kleiner Schwächen aber eine sympathische Ausnahmeerscheinung auf dem Elektroautomarkt. Er bringt ein wenig lässiges amerikanisches Straßenkreuzerfeeling in die spaßbefreite E-Auto-Szene und hätte deutlich mehr Erfolg verdient. Und da sind wir wieder beim Preis. Die AWD-Variante startet bei 69.700 Euro, der Testwagen kostete mit Extras 73.200 Euro. Zum Vergleich die beiden oben genannten Konkurrenten: Der VW ID 5 GTX ist ab 58.755 Euro zu haben, das Tesla Model Y in der Dualmotor-Variante ab 54.990 Euro.