„Neue Chancen in alten Märkten“

Autor / Redakteur: Konrad Wenz / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Das neue System „Autoglasplus“ des ZDK soll das Glas-Geschäft in die Werkstätten des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes zurückholen.

Vor gut 120 Teilnehmern des dritten Technikforums Karosserie und Lack in Würzburg hat hat der Bundesinnungsmeister und ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk eine neue Verbandsdienstleistung vorgestellt. Er erläuterte das Sytem „Rkübplus“, eine Software, die es der Werkstatt erleichtert, die Formulare zur Reparaturkosten-Übernahmeerklärung (RKÜ) auszufüllen und zu verwalten. Mitgliedsbetriebe können sich die elektronische RKÜ von den ZDK-Seiten unter www.rkuebplus.de kostenlos herunterladen.

Hülsdonk machte die Nutzung der Rkübplus zur Vorausstzung für die Nutzung des Systems „autoglasplus“. Damit will das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe das Autoglas-Geschäft wieder in die eigenen Betriebe holen. In diesem Zusammenhang sprach Hülsdonk von „neuen Chancen in alten Märkten“.

Für die Teilnahme am System gebe es eine Vereinbarung zwischen der Akademie des Kraftfahrzeuggewerbes (TAK) und dem Teilnehmer. In dieser Vereinbarung sind die Regeln für die Teilnahme festgeschrieben. Die geplanten Kosten für Autoglasplus beliefen sich pro Teilnehmer auf 5,75 Euro im Monat, erläuterte Hülsdonk auf dem Technikforum.

Die Veranstaltung, die am 15. November zum dritten Mal stattfand, ist ein Gemeischaftsprojekt von drei Kfz-Fachverbänden. Träger sind neben dem Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) der Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) und der Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen (BVSK). Unterstützt haben die Veranstaltung die DAT und »kfz-betrieb«.

Fachkundige Referenten

Neben dem ZDK-Vizepräsidenten hatten die Veranstalter weitere Fachreferenten eingeladen. Rechtsanwalt Elmar Fuchs, Geschäftsführer des BVSK, erläuterte den Teilnehmern anschaulich die Vorteile des neuen Rechtsdienstleistungsgesetzes. In diesem Zusammenhang ging Fuchs mit den Versicherungsverträgen mit Werkstattbindung hart ins Gericht. Aber auch am Fair-Play-Konzept der Allianz ließ der Rechtsanwalt kein gutes Haar. „Ziel des Konzepts ist es, die Rechtsanwälte und Sachverständigen aus dem Schadensfall auszuschließen“, sagte Fuchs.

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Denn diese Gruppen würden der Versicherung unliebsame zusätzliche Kosten verursachen. Seine Behauptung untermauerte Fuchs mit einem Auszug aus der Fair-Play-Vereinbarung. Darin heißt es, dass der Kunde selbstverständlich einen Sachverständigen und/oder Anwalt einschalten dürfe. Allerdings nur, wenn er dies ausdrücklich wünsche. In diesem Fall könnte jedoch die Schadensabwicklung nicht nach dem Fair-Play-Konzept erfolgen.

Kampf gegen fehlerhafte Arbeitswerte

Der ZKF-Präsident Friedrich Nagel berichtete von der Arbeit der Interessengemeinschaft für Fahrzeugtechnik und Lackierung (IFL), die ZKF und ZDK gemeinsam ins Leben gerufen haben. Ziel der IFL sei es, offensichtliche Fehler bei Reparaturzeitvorgaben der Hersteller und/oder in den Katalogen von Audatex und DAT aufzuspüren und zu verbessern.

Jeder Hersteller habe Fehler in seinen Reparaturzeitkalkulationen. Die IFL sei auf die Mitarbeit der Kfz-Werkstätten angewiesen. Diese müssten offensichtliche Fehler an die IFL melden. Das hierfür vorgesehene Formular können sich die Betriebe unter www.kfzgewerbe.de herunterladen. „Nur so können wir zu richtigen und von allen Marktteilnehmern akzeptierten Arbeits- und Reparaturzeiten kommen“, lautete Nagels Resüme.

Die Tücken der Karosserie-Reparatur

Rolf Dehne, vom Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI) in Lohfelden, erklärte den Teilnehmern, dass heute im modernen Fahrzeugkarosseriebau über 2.000 verschiedene Stahlsorten zum Einsatz kämen. Diese Werkstoffvielfalt erfordere von den Werkstätten viel Know-how darüber, wie sie im Falle eines Unfalls instand gesetzt werden können. Beispielsweise würden viele Stähle ihre endgültige Festigkeit erst erreichen, wenn Wärme in das Werkstück eingebracht würde.

Das habe natürlich Einfluss auf die Reparatur eines Fahrzeugs – zu intensive Wärme, zum Beispiel durch eine Schweißung, könnte fatale Auswirkungen auf die Festigkeit der Karosserie haben. Dehne erläuterte die verschiedenen Fügetechniken, die heute in der Werkstatt zum Einsatz kommen. Zudem appellierte er an die Teilnehmer, Unfallfahrzeuge auch mit gering erscheinenden Schäden elektronisch zu vermessen. „Die hochfesten Stähle verformen sich nicht – sie leiten die Energie einfach an schwächere Bauteile weiter. Deshalb muss die elektronische Vermessung obligatorisch werden“, sagte Dehne.

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