Neue Konzepte von Bilstein
Das Ennepetaler Unternehmen Bilstein hat ein ehrgeiziges Ziel: Die technologieführerschaft in der Fahrwerkstechnik.
Anbieter zum Thema
„Im Bereich der Fahrwerkstechnik wollen wir Entwicklungs- und Technologieführer sein“, erläutert Ralf Galow, Marketingleiter von Thyssen Krupp Bilstein. Damit dies nicht nur ein frommer Wunsch bleibt, hat sich Bilstein in den vergangenen Jahren neu aufgestellt. „Wir waren schon immer eine sehr starke Marke, hatten jedoch einiges im Bereich Produktprogramm und Vertriebsstruktur aufzuholen“, berichtet Galow. Das galt insbesondere für den Geschäftsbereich Aftermarket.
Richtig gelesen: Das galt. Denn seit 1998 kümmert sich das Unternehmen professionell und konsequent um sein Aftermarket-Geschäft. Es hat ein komplettes Ersatzteilprogramm geschaffen. Das Unternehmen nutzte hierfür seine Kompetenz und sein Know-how aus der Erstbelieferung an Fahrzeughersteller. Die Erstausrüsterqualität der Ersatzteile ist den Ennepetalern besonders wichtig. „Darüber hinaus bieten wir als einziger Hersteller ein komplettes Sportprogramm für das Fahrzeugtuning, vom Hochleistungsdämpfer bis zum Komplettfahrwerk“, sagt Galow.
Tuning wird ausgebaut
Im Rahmen der neuen Struktur sucht Bilstein nun qualifizierte Werkstätten, die das Unternehmen zum Fahrwerksexperten ausbilden will. Für den Ausbau des Tuninggeschäfts werden tuningaffine Werkstätten zu Performance-Centern qualifiziert. Die ersten Fahrwerksexperten will das Unternehmen zu Beginn des kommenden Jahres installieren, die ersten Performance-Center gehen noch in diesem Jahr an den Start.
Auch den Geschäftsbereich Tuning will das Ennepetaler Unternehmen gezielt ausbauen. Die Marke Bilstein ist aufgrund ihrer zahlreichen Motorsportaktivitäten und der führenden Technologie die Nummer eins – vom deutschen Aftermarket verspricht sich Bilstein jedoch wesentlich mehr. „Wir mussten feststellen, dass sich das Geschäft über den üblichen Großhandel nicht umfassend abwickeln lässt und müssen daher näher an den Autofahrer heranrücken“, berichtet Galow. „Der tuninginteressierte Endverbraucher geht nicht in die reparatur- und wartungsorientierte Werkstatt, um nach unseren Produkten zu fragen“, erklärt der Marketingleiter. Vielmehr müssten Tuningfahrwerke aktiv verkauft werden. Dafür brauchen die Handels- und Einbaupartner spezielles Fachwissen im Bereich Autofahrerberatung sowie gut ausgebildete Techniker für den fachgerechten Einbau in den Werkstätten. „Der Kunde wird mit Bilstein in jeder Situation ein positives Erlebnis haben“, erklärt Galow. Die Ennepetaler Sporttechnologie hat zwar ihren Preis, liegt jedoch in der Leistungsfähigkeit in allen Dimensionen weit vorn.
50 Jahre Mercedes
Warum ist der Marketingmann in der Lage, seinen Kunden dieses positive Erlebnis zu versprechen Schon 1954 entdeckte der französische Forscher Bourcier De Carbon, dass das Gas, das in jedem Öl mit einem Anteil von bis zu zehn Prozent enthalten ist, gebunden wird, wenn das Öl unter Druck gehalten wird. Diese Erkenntnis revolutionierte die Stoßdämpfertechnologie. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatten Stoßdämpfer eine geringe Leistungsfähigkeit bei gleichzeitig geringer Lebensdauer. Die Ingenieure des Ennepetaler Unternehmens entwickelten ein Fertigungsverfahren für Einrohr-Gasdruckstoßdämpfer, und machten sich die Erkenntnisse des Franzosen zunutze. Schon 1956 konnten sie dem Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz einen seriennahen Einrohr-Gasdruckstoßdämpfer vorstellen. Die Vorteile dieser Entwicklung überzeugten Mercedes, sodass Bilstein seit 1957 die Serienbelieferung für alle S-Klasse-Mercedes obliegt. In diesen 50 Jahren hat Bilstein das Lieferprogramm beständig weiter ausgebaut und heute findet man die Stoßdämpfer in nahezu allen Baureihen der Stuttgarter. Darüber hinaus sind die Produkte des Unternehmens in nahezu allen hochwertigen und leistungsorientierten Fahrzeugen zu finden – vom Bugatti Veyron über den Lamborghini Gallardo bis hin zu den Porsche-Modellen 911, Cayman und Boxter. Aber auch Audi, BMW, Subaru und VW setzen in ihren sportlichen Baureihen auf die Technologie aus Ennepetal.
Doch was macht den Erfolg der Einrohr-Gasdruckstoßdämpfer aus „Bei der Einrohrtechnik, der Technologie aus dem Motorsport, steht die Ölsäule unter einem konstanten Druck von 15 bis 30 bar“, erläutert Galow. Dadurch könne das Stoßdämpferöl in keiner Fahrsituation verschäumen. Durch das Konstruktionsprinzip sei diese führende Technologie komplett lageunabhängig einbaubar und ließe bei Achsbeinen die Upside-Down-Bauweise zu. „Dabei arbeiten wir bei allen Produkten mit dem jeweils maximalen Systemdurchmesser“, fügt Galow hinzu. Einrohr-Gasdruckstoßdämpfer seien wesentlich leistungsfähiger, verwindungssteifer, würden höhere Querstützkräfte bieten und ein deutlich besseres Ansprechverhalten. Darüber hinaus seien sie durch die niedrigen Fertigungstoleranzen und die geringere punktuelle Reibung wesentlich langlebiger. „Der für den Autofahrer direkt spürbare Unterschied liegt jedoch in einem wesentlich präziseren Ansprechverhalten, einem perfekten Handling - ein deutlich ‚erfahrbarer’ Unterschied.“ erklärt Galow.
Spezialistensuche
„Mit den beiden neuen Werkstattkonzepten machen wir die Freien Werkstätten zu Spezialisten in Sachen Fahrwerk“, erläutert Galow. Bilstein will im ersten Schritt die neuen Partner aus den Werkstattkonzepten rekrutieren. Dafür wurde ein Anforderungsprofil entwickelt, das die neuen Partner erfüllen müssen. „Es ist es für uns wichtig, gleich von Anfang an die richtigen Partner zu finden, mit denen wir dann gemeinsam wachsen können“, resümiert Galow. Konrad Wenz
(ID:220032)