Neues Spitzenmodell Der erste Kia springt über die Fünf-Meter-Marke

Von Dipl.-Ing. (FH) Jan Rosenow 4 min Lesedauer

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Der neue EV 9 soll der „Leuchtturm für die Marke“ sein, sagt Geschäftsführer Thomas Djuren. Diesen Anspruch kann das Riesen-SUV locker einlösen. Doch was bietet es über die schiere Größe hinaus?

Mit einem Radstand von 3,1 Metern bietet der Van im SUV-Kleid ein enormes Platzangebot.(Bild:  Rosenow – VCG)
Mit einem Radstand von 3,1 Metern bietet der Van im SUV-Kleid ein enormes Platzangebot.
(Bild: Rosenow – VCG)

Die Wetterbedingungen hätten besser sein können bei der Präsentation des Kia EV 9 in Südfrankreich. Enorme Regenwolken entluden sich Mitte Oktober über der Côte d’Azur und setzten die Straßen teils einen halben Meter unter Wasser. Doch wie sollte man solchen Bedingungen besser trotzen als in einem großen SUV mit Allradantrieb, dem die Attitüde des Allesüberwinders in jede Kante der Außenhaut eingeprägt ist?

Wobei: Ein wenig mulmig war uns schon, als wir das Elektroauto durch Furten steuerten, in denen die Wassermassen schnell wie ein Gebirgsfluss über die Straße schossen. Natürlich passierte nichts, der Elektroantrieb ist vorbildlich abgedichtet. Auf den schmalen Straßen im gebirgigen Hinterland waren vielmehr die ausufernden Abmessungen des Kia-Spitzenmodells ein Problem. Knapp 2,3 Meter Breite inklusive Außenspiegel werden dort schnell zum Hindernis. Mit 5,02 Metern Länge ist der EV 9 zudem der erste Kia-Pkw auf dem deutschen Markt in einer Größe, die früher als Pforte zur Luxusklasse galt.

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Während der Fünftürer von außen betont markant daherkommt und gleichzeitig eine neue Designsprache in die Kia-Elektroauto-Palette einführt (der Unterschied zum EV 6 könnte nicht größer sein), gleicht das Innenraumkonzept einem Luxusvan. Wahlweise stehen sechs oder sieben Sitze bereit. In der sechssitzigen Variante lassen sich die Sessel der mittleren Reihe drehen oder in eine Relax-Position bringen. Geheizt und per Gebläse gekühlt sind die Sitze in der ersten und zweiten Reihe. Ganz hinten können sogar Erwachsene recht bequem sitzen. Leider spart sich Kia eine laderaummaximierte Fünfsitzer-Option, die für Leute mit raumgreifenden Hobbys ideal wäre. Aber auch so schluckt das kastenförmige Heck bis zu 2.400 Liter, wenn alle Sitze umgeklappt werden. Das übernimmt ganz hinten ein etwas gemächlicher elektrischer Servo. Ungewöhnlich für ein E-Auto: Der Kia darf bis zu 2,5 Tonnen schwere Anhänger ziehen.

Konventionelles Fahrwerk ohne elektronische Dämpfer

Doch wir waren ja beim Fahren. Das Fahrwerk mit variabel übersetzter Lenkung, aber ohne elektronisch adaptive Dämpfer hält den 2,5-Tonner sicher in der Spur. Der Kompromiss zwischen Fahrstabilität und Federungskomfort ist gelungen, starke Wankbewegungen sind auch dank der schweren, tief eingebauten Batterie (Masse: fast 567 Kilogramm) nicht zu beobachten. Und als Sportwagen wird den Kia EV 9 wohl auch niemand verstehen.

Dabei sind die Fahrleistungen, wen wundert’s bei einem E-Auto, trotzdem beachtlich. Die Allradvariante, deren zwei Motoren zusammen 283 kW/385 PS mobilisieren, knüppelt den Riesen-Kia in nur 5,3 Sekunden von 0 auf 100 (Werksangabe). Die Batterie ist mit 99,8 Kilowattstunden ebenfalls die größte, die jemals in einem Kia-Pkw eingebaut war. Sie ermöglicht beim AWD-Modell bis zu 512 Kilometer Reichweite. Ein Wert, der sich bei zurückhaltender Fahrweise durchaus erreichen lässt, wie sich bei der Präsentationsrunde zeigte. Die Heckantriebsvariante mit nur einem Motor (150 kW/204 PS) kommt damit noch einmal 50 Kilometer weiter.

Dank der 800-Volt-Technik lässt sich der EV 9 auch relativ schnell wieder aufladen, wobei natürlich die schiere Größe der Batterie Grenzen setzt. Kia verspricht bis zu 249 Kilometer Reichweitengewinn in 15 Minuten, die maximale Ladeleistung beträgt 210 kW. Das Fahrzeugsystem ist bereits auf vielfältige bidirektionale Ladefunktionen vorbereitet.

Fahrerassistenz bis zum Abwinken

Besonders stolz ist Kia auf die umfangreiche Elektronikausstattung und Fahrerassistenz, die man aber bei einem Auto dieser Preisklasse (siehe unten) auch voraussetzen kann. Hier ein Überblick über die wichtigsten Assistenzsysteme:

  • Autobahnassistent mit Spurwechselunterstützung
  • Frontkollisionswarner mit Abbiegefunktion und Querverkehrerkennung
  • navigationsbasierte adaptive Geschwindigkeitsregelanlage
  • aktiver Totwinkelassistent, aktiver Querverkehrwarner hinten
  • Ausstiegsassistent
  • sensorgesteuerter Insassenalarm
  • Totwinkelassistent mit Monitoranzeige
  • Rundumsichtkamera
  • ferngesteuertes Parken

Einen smarten Routenplaner, der die Reichweite und viele andere Faktoren in die Navigation einbezieht, hat Kia nun auch zu bieten. Der EV 9 ist zudem der erste, der sich über den Kia Connect Store updaten und upgraden lässt.

Bedient wird diese ganze Fülle über den – wen wundert’s – bislang größten Bildschirm in einem Kia, der in drei einzelne Displays aufgeteilt ist. Das extreme Breitformat erscheint uns allerdings mittlerweile nicht mehr als die beste Lösung – zu sehr hat man sich an die Bedienung eines Smartphones gewöhnt, und das geschieht nun mal immer im Hochformat. Immerhin gibt es noch gar nicht so wenige haptische Tasten, etwa im Lenkrad.

Und das kostet der Kia EV 9

Der Grundpreis von 72.490 Euro gilt für die Heckantriebsvariante mit 150 kW/204 PS. Allrad mit höherer Leistung (283 kW/385 PS) kostet 4.000 Euro Aufpreis. Die gut ausgestattete Variante GT-Line ist nur mit Allradantrieb erhältlich und kostet 82.380 Euro, jeweils inklusive Mehrwertsteuer. Alle besitzen die große Batterie mit 99,8 kWh. Kunden, die noch in diesem Jahr bestellen, bekommen einen Ladegutschein im Wert von 1.200 Euro dazu. Die erste Inspektion nach zwei Jahren ist kostenlos, und ein Personal Assistant, den der Hersteller bezahlt, kümmert sich am Telefon um die Anliegen des Kunden. So will der koreanische Hersteller sicherstellen, dass er es nicht nur beim Fahrzeugformat in die Luxusklasse schafft. Technologisch ist er dort sowieso schon angekommen.

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