Automechanika Innovation Award Nicht jeder Gewinner wurde ein Star
Seine Premiere feierte der Automechanika-Innovationspreis vor zwölf Jahren. Damals, auf der 14. Automechanika, ging HJS-Fahrzeugtechnik mit dem Kat-Nachrüstsystem „HJS-Kat 2000“ unter
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Seine Premiere feierte der Automechanika-Innovationspreis vor zwölf Jahren. Damals, auf der 14. Automechanika, ging HJS-Fahrzeugtechnik mit dem Kat-Nachrüstsystem „HJS-Kat 2000“ unter 78 Bewerbern als Sieger hervor. Das Unternehmen mit Sitz in Menden gewann den mit 10.000 Euro dotierten Preis für ein speziell für die Nachrüstung entwickeltes G-Kat-System. Mit dessen Hilfe konnten sowohl Vergaserfahrzeuge als auch Einspritzer „die strenge Abgasnorm 1 erfüllen.“ Neben dem Gewinner wurden auch die Firmen Bosch, Facom, Gutmann Messtechnik, Autodiagnos, Volkswagen sowie Würth für weitere Innovationen geehrt.
Doch zurück zu HJS: Seit Einführung der Umweltzonen in Deutschland erlebt das System eine echte Renaissance. Dazu Dennis Dünzl, Leiter Marketing- und Vertriebsservices bei HJS: „Alte Schätzchen und Youngtimer erhalten mit einer Kat-2000-Nachrüstung die grüne Plakette und sichern sich somit langfristig freie Fahrt in Umweltzonen.“
Zwei Preise, drei Gewinner
Ehre, wem Ehre gebührt, so lautete die Überschrift 1998 in der »kfz-betrieb«-Wochenzeitung. Der damalige Bundesverkehrsministier Matthias Wissmann übergab im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung zwei Innovationspreise. Die Auszeichnung für den Bereich „Werkstatt & Service“ teilten sich Bosch und der ASA-Verband. Ausgezeichnet wurden sie für die Realisierung eines einheitlichen Werkstattnetzes. Dieses hat es den Werkstätten ermöglicht, verschiedene Herstellergeräte zu vernetzen. Auch die Anbindung an die kaufmännische EDV-Anlage im Kfz-Betrieb war nunmehr möglich. Mithilfe des Werkstattnetzes ließen sich somit die betrieblichen Abläufe verbessern und Kosten senken. Kurz nach dem Gewinn des Innovationspreises wurde die Asanetwork GmbH gegründet, die Vermarktung und Vertrieb des neuen Standardnetzwerkes übernommen hat. Und bei Bosch sind alle wesentlichen Test-Equipment-Geräte Asanetwork-tauglich.
Gewinner des Innovationspreises in der Kategorie „Autoteile & Zubehör“ war 1998 die Sinsheimer AMI Doduco GmbH. Das Unternehmen erhielt die Auszeichnung für ein neuartiges Reifendruck-Kontrollsystem.
VW auf dem Siegertreppchen
Die Jury hat entschieden: Mit Volkswagen erhielt im Jahr 2000 erstmals ein Automobilhersteller einen Innovationspreis. Ausgezeichnet wurde das Fahrzeugdiagnose- und Service-Informationssystem VAS 5052. Belohnt hat die Jury die Anzeige von Diagnose-Informationen und eine gleichzeitige Verfügbarkeit von tagesaktuellen Service-Informationen für konzern- und markengebundene Werkstätten. Dieses Testgerät ersetzte die bis dahin in der VW-Welt bekannten Tester VAG 1551/1552. „Es ist die mobile Ergänzung zur geführten Fehlersuche mit dem VAS 5051“, sagte Dietmar Hildebrandt, Leiter Kundendienst Werkstatt-Technik weltweit der Volkswagen AG, damals im Gespräch mit »kfz-betrieb«.
Mittlerweile hat VW das Produkt weiterentwickelt und an die aktuelle PC-Technik angepasst. Darüber hinaus ist das System seit 2006 ASAM/UDS-fähig und durch eine Hardware-Erweiterung von Maus und Tastatur auch mit ODIS einsetzbar. Laut Volkswagen sind aktuell rund 20.000 Geräte weltweit in den konzern- und markengebundenen Werkstätten im Einsatz.
Neben Volkswagen wurde im Millenniumjahr die AS-Autoteile-Service (LuK) für die entwickelten Komponenten des CVT-Getriebes in der Kategorie „Autoparts & Autoaccessories“ mit einem Innovationspreis geehrt. Das LuK-System ist bis heute mehr als eine Million Mal verbaut worden. LuK-Pressesprecherin Dr. Gabriele Freitag dazu: „Heute ist die jüngste Generation der stufenlosen Automatik in der Lage, bis zu 400 Nm sicher und ohne jegliche Zugkraftunterbrechung komfortabel und dynamisch zu übertragen. Die hohe Ausrüstungsquote mit der Multitronic bei Audi A4, A5 und A6 ist Zeichen für die hohe Akzeptanz, die das neue Getriebekonzept bei den Kunden erzielt hat. Und die neuen Entwicklungen zeigen, dass das Zukunftspotenzial durch weitere Detailverbesserungen immer noch weiter ausgeschöpft werden kann.“
Auszeichnung wird Marketinginstrument
Michael von Zitzewitz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt, verlieh 2002 den Innovationspreis. Mittlerweile hat sich die Auszeichnung für jeden Preisträger zum Marketinginstrument entwickelt. „Neue Produkte sind der Motor in der Automobilindustrie. Mit dem Innovationspreis unterstützen wir die Innovationsleistungen in dieser Branche“, so Gerhard Gladitsch, der damalige für die Automechanika verantwortliche Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Gekürt wurde 2002 das „Brake-by-wire-System“, das Robert Bosch in Kooperation mit DaimlerChrylser entwickelt hat. Beide Unternehmen haben das System der elektrohydraulischen Bremse 2001 erstmals in Serie gebracht. Aus Kostengründen ist das Bremssystem heute wieder weitestgehend verschwunden. Ebenfalls gekürt wurde 2002 die Audi AG mit ihrem kleinen, leistungsfähigen Pocket-Diagnosesystem, das den Serviceberater zuverlässig über Funktionsstörungen der Elektronik im Fahrzeug informierte. Das Pocket-System zeichnete sich durch Mobilität, Funktionalität und Handlichkeit aus.
Für neue Wege in der Schulung und Informationsübermittlung an Händler erhielt die Volkswagen AG den dritten Innovationspreis: Das interne Fernsehen (iTV) erlaubte erstmals eine interaktive Kommunikation in Ton und bewegten Bildern mit Sprach- und Datenkanal in TV-Qualität. Seit der Verleihung des Innovationspreises im Jahr 2002 hat sich das Projekt iTV zu einem Bestandteil des Trainingssystems von Volkswagen entwickelt. So strahlte der TV-Kanal im Jahr 2007 rund 120 Sendungen zu den Themen Technik, Nicht-Technik und IT aus. Für die Produktion der Sendungen stehen mittlerweile drei Fernsehstudios mit einer technisch hoch professionellen Ausstattung zur Verfügung.
Weiterer Entwicklungsschritt in der Zwischenzeit war die Umbenennung zu „Volkswagen TV“ im Rahmen der zehnjährigen Jubiläumssendung im Jahr 2006. Darüber hinaus veränderte sich das Erscheinungsbild der Sendungen und neue Formate entstanden. 2008 hinzugekommen ist ein Nachrichtenblock, der sich mit Kurzinformationen und Produktneuigkeiten an Servicemitarbeiter richtet. Europäische Volkswagen-Importeure haben die Möglichkeit, sich die Sendungen auch in englischer Sprache anzusehen. Neben der Produktion von Sendungen führt Volkswagen TV jetzt auch Kundenbefragungen durch. Darüber hinaus hat der TV-Kanal an einem EU-Forschungsprojekt teilgenommen, dessen Ergebnisse zur Einführung des Volkswagen TV Net geführt haben. Auf dieser Plattform sind die kompletten Sendungen für Volkswagen-Partner nach der Ausstrahlung abrufbar.
Einmalig verliehen wurde 2002 der Innovationspreis für „herausragende und kategorieübergreifende Leistungen“. Ausgezeichnet wurde die Volkswagen AG für ihr Technisches Service Center (TCS), das die Kommunikation zwischen der Werkstatt und dem Hersteller erleichterte und eine herstellergestützte Fahrzeugdiagnose und -reparatur ermöglichte.
Innovationspreis wird zum Innovation Award
Unter dem Namen „Automechanika Innovation Award“ präsentierte die Messe Frankfurt 2004 nicht nur einen neuen Namen, sondern auch ein neues Konzept. Neben den Preisträgern sind seitdem auch alle eingereichten Produkte in einer Innovationsshow während der Messe zu sehen. Voraussetzung: Die Jury hat sie als technische Neuerungen eingestuft und das Unternehmen hat die Teilnahmegebühr von 420 Euro bezahlt. Eine siebenköpfige Jury sollte von nun an maximal vier marktrelevante technische Neuentwicklungen von Produkten, Dienstleistungen oder Prozessen aus der Automobil-Zulieferindustrie oder dem Sektor Kfz-Werkstatt/-Services auswählen. Die Auswahlkriterien lauteten: Innovationsgehalt/Originalität, Funktionalität (Anwendernutzten, Bedienerfreundlichkeit, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Sicherheit), Umweltverträglichkeit/Nachhaltigkeit und Qualität. Ergebnis: Insgesamt reichten 2004 Unternehmen aus zwölf Ländern 105 Neuentwicklungen ein und die Jury vergab nicht wie angedacht vier, sondern sechs Innovation Awards: BMW, Bosch, Contitech Antriebssysteme, Eurotax Schwacke, Valeo Service und Volkswagen hießen die Gewinner. Die herausragenden Neuentwicklungen in der Kategorie „Repair & Automotive Services“ waren ein „Optisches Achsmessgerät“ von BMW und Bosch sowie die „Schwacke Liste Digital“ von Eurotax Schwacke. „Bei der Schwacke Liste Digital handelt es sich um eine interessante Alternative zu unserem Klassiker der Gebrauchtwagenbewertung – es ist quasi die Schwacke-Liste für unterwegs“, erläutet Lars Schirmer, Leiter Vertrieb Händler- und Werkstattmanagement bei Eurotax Schwacke, heute die Vorzüge des Pocket-PC.
Das optische Achsmessgerät, das BMW und Bosch gemeinsam entwickelt haben, arbeitet mit einem berührungslosen Messverfahren ohne mechanische Verschleißteile. Es ist heute in BMW-Werkstätten und auch in der Fertigung bei Rolls Royce im Einsatz. Den geplanten Sprung in den Freien Markt hat es nie geschafft.
Contitech Antriebssysteme hat 2004 in Zusammenarbeit mit der kanadischen Litens Automotive Group das Ovalrad-Spannelement-Zahnriemen-Antriebssystem entwickelt, das die Lebensdauer des Zahnriemens erheblich verlängert. Kernstück des Produkts ist ein neu entwickeltes, leicht ovales Zahnrad und ein Hochleistungszahnriemen. Das Ovalrad-Schwingungstilgersystem ist heute in vier Serienlösungen im Einsatz.
Das „Lane Departure Warning System“ von Valeo wurde 2004 ausgezeichnet, weil es einen weiteren Beitrag zur Verkehrssicherheit geleistet hat: Es warnt den Fahrer vor einem kurz bevorstehenden Abkommen von der Fahrbahn. Per Mini-Videosensor werden dazu ständig die vor dem Fahrzeug liegenden Straßenmarkierungen überwacht.
Sieben Universal-Lambdasonden statt 700 Original-Lambdasonden – die Jury kürte diesen Einfall von Bosch. Der Vorteil für die Werkstatt: Die Lagerhaltung wurde vereinfacht und entsprechende Reparaturzeiten verkürzt. Seit der Einführung der Universal-Lambdasonden im Jahr 2004 hat sich ihre Bedeutung stetig erhöht. Besonders im osteuropäischen und asiatischen Raum hat sich die Universal-Lambdasonde zu einem unverzichtbaren Produkt entwickelt, sowohl für Kunden als auch für den Hersteller.
Bei einem Bedienproblem im Auto einfach die Frage aussprechen und dann akustisch und visuell eine Antwort bekommen – dafür erhielt Volkswagen 2004 den Innovationspreis. Die sprachgesteuerte Bedienungsanleitung beruhte auf einer Kombination aus Spracherkennung, Telekommunikation und Internettechnologie. Die sprachgesteuerte Bedienungsanleitung hat VW jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterentwickelt.
2006 gab es 13 Preisträger
Vor zwei Jahren haben sich insgesamt 83 Unternehmen aus 15 Ländern mit über 100 Produkten beworben. Über einen Automechanika-Oscar freuen durften sich insgesamt folgende 13 Preisträger:
- Beru: Drucksensor-Glühkerze für Dieselmotoren „PSG“. Die Glühkerze misst den Druck im Brennraum und ermöglichte damit den Serieneinsatz von Closed-Loop-Regelungen im Dieselmotor. Die Technik verbesserte die Verbrennung und reduzierte somit signifikant die Emission.
- Würth: Untergrundbehandlungsmittel für die Ersatzverglasung „Varioprimer Safe & Easy“. Der Varioprimer ist ein anwenderfreundliches Vorbehandlungsmittel für alle gängigen Untergründe bei der Ersatzverglasung.
- Valeo: Datenübertragung via elektrischer Versorgungskabel „Power Line Communication (PLC)“. Das System von Valeo hat es ermöglicht, elektronische Systeme einfacher im Fahrzeug zu integrieren. Power Line Communication (PLC) ist eine Technologie, bei der die Daten- und Stromversorgung über 12-V-Kabel erfolgt. Dies hat eine „plug & play“-Integration mit zwei Übertragungsarten erlaubt: langsam und schnell.
- BBS: „Air Inside Technology“ für Leichtmetallräder. Durch die Anlehnung an Bionic erhöhen Hohlräume in den Felgen das Luftvolumen des Rades. Hierdurch ergeben sich bessere Dämpfungseigenschaften, weniger Geräuschentwicklung und vor allem eine Gewichtsreduzierung von 22 Kilogramm pro Radsatz. Zusätzlich steigt die Widerstandsfähigkeit gegen Hornverformung um rund 60 Prozent und erhöht somit signifikant die Sicherheit.
- Hella: Nachrüst-Kurvenlicht-Scheinwerfer „Dyna Beam“ für den Ford Focus. Der Hella-Scheinwerfer für den Focus leuchtet Kurven automatisch durch Schwenken des Bi-Halogen-Moduls aus, indem eine Lichtquelle sowohl Ablend- als auch Fernlicht erzeugt. Ein autonomer Sensor steuert dabei das dynamische Kurvenlicht.
- Audi: Hörbuch-Bedienungsanleitung. Die Hörbuchanleitung von Audi überzeugte die Jury durch ihre herausragende Anwenderfreundlichkeit.
- Volkswagen: ASAM-UDS-Umsetzung für Diagnosegerät VAS 505X. Das System erhielt den Preis für die Umsetzung des ASAM/UDS-Standards auf die im Markt befindlichen VAS-505x-Geräte.
- Beissbarth: Fahrwerks-Vermessungssystem „Touchless“. Mittlerweile hat Bosch Beissbarth übernommen. Die Stuttgarter haben somit einen weiteren Innovationspreiseträger hinzugewonnen.
- Audacon: Datenbankgestützes Onlinesystem „AIS Online“. Mit dem datenbankgestützen Onlinesystem AIS-Online ist es möglich, technische Informationen und Reparaturdaten über das Internet zu nutzen. Grundlage des Systems sind Pkw- und Lkw-Datenbanksysteme, mit denen das Unternehmen umfassende Daten vom Kleinwagen bis zum schweren Nutzfahrzeug anbietet.
- GL: Laserschweißnaht-Fräser zum Trennen von lasergeschweißten Karosserien. GL-Geschäftsführer Thomas Henzler sagt heute im Gespräch mit »kfz-betrieb«: „In den letzten zwei Jahren konnten wir den Absatz des Werkzeugs kontinuierlich steigern.“
- Sata: Einwegmischbecher „RPS“. Das RPS-System ist mehr als ein Einwegbecher zum Lackieren. Der Nutzer kann das Lackmaterial direkt im RPS-Becher anmischen, bevor dieser dann auch zum Lackieren dient. Wirtschaftliche Vorteile des RPS-Systems: schnellere Lack-Vorbereitungszeit und geringerer Reinigungsaufwand für die Lackierpistole.
- Wash Tec: 3D-Fahrzeugerkennung für Autowaschanlagen. Mit der Technologie der dreidimensionalen Konturenerfassung von Fahrzeugen, macht Wash Tec Autowaschanlagen „sehend“. Damit können die Anlagen seitdem jede Kontur sowie Dachträger, Skiboxen und andere Anbauten an Fahrzeugen einfach mitwaschen.
- Birchmeier: Handsprühgerät „McProper Plus“. Dabei handelt es sich um eine Sprühflasche, die in jeder Lage, auch über Kopf, sprüht oder schäumt. Pierre Angst, Verkaufsleiter bei Birchmeier Sprühtechnik, sagte 2006: „Wir fühlen uns sehr geehrt, dass wir als kleiner Hersteller in den Kreis der Gewinner gekommen sind.“
Innovation Award als Attraktion
Natürlich ist auch auf der 20. Automechanika der Innovation Award eine der Hauptattraktionen der Frankfurter Kfz-Fachmesse. Die Zahl der Anmeldungen für den Automechanika Innovation Award zur Automechanika 2008 ist mit 152 so hoch wie noch nie. 103 Firmen aus 21 Länder haben sich beworben. Am 25. August hat die Jury getagt, und acht Innovation Awards vergeben (siehe auch Kastentext S. 34). Die Preisverleihung findet im Rahmen der Eröffnungsfeier, 16. September 2008, 10 Uhr, Halle 4.0, im Saal Europa statt – die begleitende Sonderschau dazu an allen Messetagen in Halle 4.1 Foyer. Schon vor der Messe finden Interessierte alle eingereichten Innovationen unter www.automechanika.com.
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