191585,190822,175864 Niedermair & Reich zieht die Reißleine
Der traditionsreiche Münchner Ford-Händler gibt auf. Geschäftsführer Dr. Anton Reich zieht die Konsequenzen aus der finanziellen Schieflage des Unternehmens und schließt seine beiden Filialen.
Die Krise auf dem Automarkt fordert ihr nächstes prominentes Opfer in der bayerischen Landeshauptstadt. Nachdem bereits die Münchner Autohäuser Buchner & Linse, Auto-König und Kroymans Insolvenz anmelden mussten, zieht jetzt auch der traditionsreiche Ford-Händler Niedermair & Reich die Notbremse.
Die Weiterführung des Unternehmens sei wirtschaftlich nicht mehr vertretbar, teilte der Autohändler mit. Die Entscheidung, den Betrieb zu schließen, sei die notwendige Folge eines von Ford in den vergangenen Jahren forcierten Verdrängungswettbewerbs unter den Vertragspartnern in München, sagte Dr. Anton Reich, geschäftsführender Gesellschafter von Niedermair & Reich. „Ford hat aktuell vier Händler in München, früher waren es sogar sieben. Mir ist keine Marke sonst bekannt, die aktuell mehr als zwei Händler hat“, sagte Reich gegenüber »kfz-betrieb ONLINE«.
Vor allem die Pachtkosten für die Grundstücke der Autohäuser hätten zu stark auf die Bilanzen geschlagen. „Vom Wettbewerb haben nur die Kunden und der Hersteller profitiert, wir nicht“, sagte Reich der Münchner Zeitung „TZ“. Hinzu kämen die seit langem schwierigen Lage der Kfz-Branche und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Unter den 150 Angestellten, die jetzt ihre Jobs verlieren, sind 40 Azubis.
Übernahmegespräche erfolglos
Auch die Abwrackprämie hätte keine Wende gebracht. „Der Branche geht es schon lange schlecht, die Abwrackprämie ist nur Kosmetik“, zitiert die „TZ“ Reich weiter. 18 Monate habe er gekämpft, um seine beiden Autohäuser zu retten. Auch Übernahmegespräche mit potenziellen Käufern hätten keinen Erfolg gebracht. „Im Wege des Liquidationsverkaufs wird nun ein eigens eingesetzter Liquidationsgeschäftsführer in den kommenden Monaten das Unternehmen abwickeln“, sagte Reich.
Mit der Liquidation will Reich das Schicksal anderer Münchner Autohäuser vermeiden, die bereits Insolvenz anmelden mussten. So war bereits Ende Februar der BMW-Händler Buchner & Linse mit 200 Beschäftigten zahlungsunfähig. Auch der Münchner Nobelmarken-Händler Auto-König mit seinen 70 Angestellten musste Anfang Juni seine Insolvenz erklären. Ebenfalls zahlungsunfähig ist der Autohaus-Multi Kroymans, der in München derzeit noch vier Autohäuser mit insgesamt 150 Mitarbeitern betreibt.
Niedermair & Reich ist an zwei Standorten in München aktiv. Der Ford-Traditionsbetrieb befindet sich seit 1945 ununterbrochen in Familienbesitz. Das Unternehmen erwirtschaftete 2008 einen Umsatz von rund 70 Millionen Euro und verkaufte 3.000 Neuwagen, davon 1.500 Eigenauslieferungen und 1.500 Auslieferungen über Partner. Hinzu kamen 1.500 verkaufte Gebrauchtwagen.
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