Nissan kündigt dem Händlerverbandschef

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Der Importeur hat den Vertriebsvertrag mit der Autohaus am Ruhrdeich GmbH fristlos gekündigt. Unregelmäßigkeiten stehen im Raum. Der Chef des Unternehmens ist Präsident des Nissan-Händlerverbands.

Unsichere Zukunft: Dem Autohaus am Ruhrdeich ist der Nissan-Händlervertrag fristlos gekündigt worden.
Unsichere Zukunft: Dem Autohaus am Ruhrdeich ist der Nissan-Händlervertrag fristlos gekündigt worden.
(Foto: Ruhrdeichgruppe)

Die Nissan-Handelsorganisation ist in Aufruhr. An diesem Donnerstag hat der Importeur der japanischen Marke, Nissan Center Europe (NCE), den Händlervertrag mit der Autohaus am Ruhrdeich GmbH fristlos gekündigt. Der Mehrmarkenhändler ist einer der größten Vertriebspartner und vertritt die Marke an sechs Standorten im Ruhrgebiet. Das Pikante an der Kündigung: Ruhrdeich-Geschäftsführer Peter Gerards ist seit vielen Jahren Präsident des Nissan-Händlerverbands.

Zu der Kündigung ist es laut NCE gekommen, nachdem sich im Rahmen einer Überprüfung des Bonus zur Kundenzufriedenheit im Autohaus am Ruhrdeich Hinweise auf mutmaßliche Manipulationen ergeben hätten. Derzeit geht der Importeur davon aus, dass über mehrere Jahre bei der Kundenbefragung und der Übermittlung von Kundendatensätzen manipuliert worden sei. Dies habe zu einem erheblichen finanziellen Schaden geführt. Genauere Zahlen wollte Nissan-Sprecher Michael Bierdümpfl auf »kfz-betrieb«-Nachfrage nicht nennen, die Größenordnung sei für den Importeur allerdings zu beziffern.

Gerards überrascht und fassungslos

Für Gerards ist die Kündigung nach eigener Aussage „völlig überraschend“ gekommen. Er sei fassungslos über diese Entwicklung. Über den Sachverhalt, der ihm selbst nicht bekannt war, sei er erstmalig Ende Januar informiert worden. Inzwischen seien verantwortliche Vertriebsmitarbeiter identifiziert worden. Diese hätten gegenüber der Geschäftsführung eingeräumt, „im Zusammenhang mit der Kundenzufriedenheitsbefragung telefonische Interviews geführt zu haben und schriftlich erklärt und versichert, dass diese Alleingänge ohne Absprache und Kenntnis der Geschäftsführung erfolgten“.

Die Kündigung will Gerards nicht kampflos hinnehmen und „alle möglichen Rechtsmittel“ prüfen lassen. „Wir hatten über all die Jahre eine einwandfreie und sogar sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit Nissan Deutschland“, erklärte Gerards. Er bedauere diese Mitarbeiterverfehlung außerordentlich. Dies habe er gegenüber dem Importeur auch klar zum Ausdruck gebracht.

Auf die 30-jährigen Vertragsbeziehungen mit dem Autohaus am Ruhrdeich und dessen überdurchschnittliche Marktanteile für Nissan angesprochen, legte Bierdümpfl dar, dass die Trennung nicht leicht gefallen sei. Es habe für Nissan aber „in Einklang mit den Geschäftsprinzipien und den geltenden Compliance-Regeln“, keine andere Möglichkeit gegeben, als die fristlose Kündigung auszusprechen.

Spielte Tätigkeit als Händlerverbandspräsident eine Rolle?

Gerards bezweifelt allerdings, dass für den Importeur durch das Verhalten seiner Mitarbeiter tatsächlich ein Schaden entstanden sei. Auch andere Gründe für die Kündigung sind aus seiner Sicht denkbar. „Es ist nicht auszuschließen, dass für Nissan Deutschland die Tätigkeit als Präsident des Nissan-Händlerverbands eine Rolle bei der Vertragskündigung spielte", heißt es in einer am Donnerstagabend verbreiteten Mitteilung.

Die Anfänge der Ruhrdeichgruppe mit Sitz in Duisburg reichen bis ins Jahr 1980 zurück, seit 1981 besitzt das Autohaus am Ruhrdeich einen Händlervertrag für die Marke Nissan. Für das japanische Fabrikat bearbeitet die Gruppe neben dem Heimatort auch die Märkte Mülheim, Oberhausen, Essen, Gelsenkirchen und Moers. Neben Nissan handelt das Unternehmen mit Peugeot, Citroën sowie Kia und hat Serviceverträge für Honda und Toyota.

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