Nissan-Lenkung: Mechanik war gestern
Seit mehr als 125 Jahren werden Autos über eine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern gesteuert. Nissan hat diese Verbindung jetzt gekappt und bietet eine rein elektronische Lenkung an.

Seit der Erfindung des Automobils hat sich bei der Lenkung im Prinzip nichts verändert. Nun kappt Nissan die mechanische Verbindung zwischen Steuer und Rädern. Die Technik soll bereits im kommenden Jahr bei der Schwestermarke Infiniti in Serie gehen.
Bei Nissans „Independent Control Steering“-Technologie überträgt das Lenkrad den Fahrerwunsch nicht mehr mechanisch über eine Säule auf die Spurstange und dann auf die Räder. Stattdessen sendet es elektronische Signale, die dann von einem Elektromotor an der Achse umgesetzt werden. Das soll einerseits schneller sein als der herkömmliche Weg und so für ein besseres Fahrgefühl sorgen. Andererseits macht es die Einführung diverser neuartiger Assistenten möglich.
So kann das System in Verbindung mit einer Kamera für eine verbesserte Spurstabilität sorgen und etwa unebenen Untergrund oder Seitenwind ausgleichen. Auch bei Müdigkeit des Fahrers springt die Technik ein und hält den Wagen automatisch auf der Straße.
Nicht-mechanische Lenkungen, auch als Steer-by-Wire-Technik bekannt, werden aktuell auch von anderen Automobilherstellern entwickelt, sind aber dort noch nicht serienreif. Größtes Problem ist die Sicherheit, denn bei einem Ausfall des elektronischen Systems wird das Fahrzeug unlenkbar. Nissan will das einerseits durch eine redundante Auslegung verhindern. Wenn die Steuereinheit der Lenkung ausfällt, springt sofort ein elektrisches Ersatzsystem ein. Zudem gibt es ein mechanisches Notsystem; funktioniert die komplette Elektronik nicht mehr, schließt sich eine Kupplung und das Auto kann wie gewohnt über eine feste Lenksäule gesteuert werden.
Neues Assistenzsystem weicht automatisch aus
In Zusammenhang mit der elektronischen Lenkung hat der japanische Autohersteller einen Ausweich-Assistenten entwickelt. Bei einem drohenden Auffahrunfall, der durch Abbremsen nicht verhindert werden könnte, lenkt das System das Fahrzeug automatisch am Hindernis vorbei.
Mit dem automatischen Ausweichen geht der neue Assistent deutlich über die aktuellen Notbremsassistenten hinaus. Diese können bei einem plötzlich auftauchenden Hindernis in vielen Fällen die Unfallfolgen durch automatisches Abbremsen zwar mildern, den Crash aber nicht immer komplett verhindern.
Wie die bekannten Assistenten nutzt auch der Ausweich-Helfer eine Kamera und einen Radarsensor zur Überwachung der Straße vor dem Fahrzeug. Bei einer drohenden Kollision wird der Fahrer gewarnt und das Auto bremst automatisch ab. Reicht das nicht aus, den Zusammenprall zu verhindern, wird der Fahrer ein weiteres Mal gewarnt. Gleichzeitig erscheint ein optischer Hinweis zur optimalen Ausweichrichtung. Reagiert der Mensch hinterm Steuer erneut nicht, lenkt das Fahrzeug autonom um das Hindernis herum.
Dabei überwacht der Frontradar den Gegenverkehr, während vier Heck-Radarsensoren und fünf Laserscanner den Rückraum auf sich nähernde Autos überprüfen. Wann die Technik auf den Markt kommt, sagt der Hersteller allerdings noch nicht.
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