NTN SNR: „Aftermarket ist anerkannt“
Seit April 2008 gehört der französische Wälzlagerhersteller SNR mehrheitlich dem japanischen NTN-Konzern. SNR-Verkaufsleiter Michael Oelschläger erläutert die Auswirkungen dieser Übernahme auf das Aftermarket-Geschäft.
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Redaktion: Der Wälzlagerhersteller SNR war lange Teil des Renault-Konzerns und gehört jetzt mehrheitlich dem japanischen Konkurrenten NTN. Wie kam dieser Wechsel zustande?
Michael Oelschläger: Die Geschichte von SNR begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als der französische Staat ein Schweizer Wälzlagerunternehmen kaufte und es an Renault angliederte. Im April 2007 verkaufte Renault dann eine Minderheitsbeteiligung an das japanische Unternehmen NTN, das seine Anteile 2008 auf 51 Prozent ausbaute. Es gibt eine Option, die Beteiligung auf 80 Prozent zu erhöhen, Renault will aber Gesellschafter bleiben.
War NTN schon vorher auf dem deutschen Markt aktiv?
Das Unternehmen ist einer der drei großen Lagerlieferanten in Asien und ist in der Erstausrüstung auch in Europa aktiv – aber verglichen mit Asien auf kleinerem Niveau.
Wie gut ergänzen sich die Produktprogramme von NTN und SNR?
Es gibt einen Produktbereich, in dem wir beide sehr stark sind. Das sind die Radlager. Dort kommen wir in Europa auf einen Marktanteil von 40 Prozent in der Erstausrüstung. Glücklicherweise gibt es nur wenige OE-Kunden, bei denen sich das bisherige Angebot von NTN und SNR überschneidet. Federbeinlager macht bislang nur SNR, dagegen ist NTN stark in der Motorsteuerung vertreten, also bei Zahnriemensätzen. Und auf dem Aftermarket war NTN bislang kaum aktiv, weil es dieses Geschäft in Japan kaum gibt.
War es schwierig für NTN, sich an die Gegebenheiten im Aftermarket anzupassen?
Im Markt kursierte ja das Gerücht, dass NTN vielleicht gar nicht am Aftermarket-Geschäft von SNR interessiert sei. Am Anfang haben die Japaner zum Beispiel sehr erstaunt registriert, dass man für das Aftermarket-Geschäft Teile beim Wettbewerber zukauft, um ein komplettes Produktprogramm anbieten zu können. Das haben sie nur schwer verstanden. Aber inzwischen haben sie das Aftermarket-Geschäft anerkannt und akzeptiert und wir werden eine gute gemeinsame Zukunft haben.
Wie schwierig ist es, ein reines OE-Programm auf seine Aftermarket-Tauglichkeit hin zu prüfen?
Wenn ein Unternehmen gar keine Aftermarket-Strategie hat, dann weiß es nicht zwingend, wo sein Produkt tatsächlich verbaut wird. Es ist eine große Fleißarbeit, die eigenen Teile im Programm des OE-Kunden zu finden und ein Ersatzteilprogramm aufzubauen.
Wie führen Sie die beiden Marken auf dem deutschen Aftermarket zusammen?
In unserer Außendarstellung stehen die beiden Marken gleichberechtigt nebeneinander. Bei den Produktverpackungen soll es so laufen: Alle Kits, zum Beispiel Zahnriemen- oder Radlagerkits, kommen weiterhin in einer SNR-Verpackung. Wenn wir Einzelteile verkaufen, verwenden wir für die Verpackung die Marke (NTN oder SNR), die auch in der Erstausrüstung in diesem Fahrzeug verwendet wird.
Was ändert sich für Sie durch die Übernahme im Tagesgeschäft?
Wir setzen die Verschmelzung in mehreren Stufen um. Die wichtigste Stufe für die Kunden ist das Prinzip „one face to the customer“. Das heißt, der Kunde hat nur noch einen Ansprechpartner, der als Schnittstelle zu den Strukturen von NTN beziehungsweise SNR dient. Der zweite Schritt ist es, die beiden Gesellschaften NTN Europe und SNR Roulements und deren EDV-Systeme zu verschmelzen.
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