Nur bedingt autogastauglich?

Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Mit Gas betriebene Fahrzeuge werden immer populärer. Doch nicht jeder Motor verträgt den Kraftstoff klaglos. Kommt es zu Defekten, sollte man einem Neu-/Tauschteil vom Hersteller die Überholung bei einem qualifizierten Motoreninstandsetzer vorziehen.

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Deutschland vor zwölf Jahren: Zahlreiche Autofahrer bekamen an der Zapfsäule ihres Vertrauens lange Gesichter. Denn 1996 wurde der Verkauf bleihaltigen Benzins an Deutschlands Tankstellen eingestellt. Zahlreichen Vehikeln drohte nun der baldige „Ventiltod“, so die landläufige Meinung. Auch wenn die Praxis zeigte, dass viele alte Motoren – auch ohne die Zugabe von Bleiersatzstoffen – keine Probleme mit dem umweltfreundlichen Kraftstoff hatten, so kam es doch vereinzelt zu Schäden.

Die Gegenwart: Seitdem mittlerweile auch hierzulande das Umrüsten von Benzinmotoren auf Autogas salonfähig geworden ist, ist bei diesen Fahrzeugen immer wieder von Motorschäden die Rede. Die Parallelen zu damals: Die Probleme treten an den Auslassventilen (Abnutzung) und den dazugehörigen Sitzringen (Einschlagen, Verschleiß) auf. Und: welcher Motor den Treibstoff anstandslos verträgt, weiß keiner ganz genau – oftmals nicht einmal der Fahrzeughersteller.

„Genau das ist auch unsere Erfahrung“, sagt einer, der mit den Gasschäden fast täglich zu tun hat: Stefan Schwittek, Kfz-Meister bei der Firma Motoren Bauer im oberbayerischen Weilheim. „Trotz jahrelanger Erfahrung kann ich keine Regel aufstellen, welcher Motor klaglos mit Autogas fährt und welcher nicht. Wir hatten schon Fälle, in denen ein und dasselbe Modell eine unterschiedliche Gasverträglichkeit an den Tag legte“, so Schwittek. Die Ursachen dafür sieht der Motorenspezialist in den verschiedenen Märkten, für die und in denen die Fahrzeuge bzw. die Zylinderköpfe produziert werden – somit also in einer unterschiedlichen Beschaffenheit der Ventile und Sitzringe.

Mit anderen Worten: Es werden von den Abmessungen her identische Bauteile in unterschiedlicher Qualität verbaut. Diese schwankt von Auslieferungsland zu Auslieferungsland und von Zulieferer zu Zulieferer. Das heißt, der eine Zylinderkopf ist „gastauglich“, der andere nicht. Ob die verbaute Ventil-Sitzring-Paarung dauerhaft für den Betrieb mit Autogas geeignet ist, weiß oft selbst der Fahrzeughersteller nicht – was er auch nicht muss. Denn ein Nachrüstgeschäft mit Autogas interessiert ihn schlichtweg so gut wie nicht.

Autogastauglich oder nicht?

Er hat seine Bauteileanforderung an den Zulieferer in der Regel nur für den Betrieb mit Ottokraftstoff definiert. Und den verträgt jede Ventil-Sitzring-Paarung, egal von welchem Hersteller oder aus welcher Charge sie kommt. Mit dieser unökologischen und unökonomischen Einstellung müssen sogar die nationalen Importeure kämpfen wie zum Beispiel die von Mazda. Obwohl für den japanischen Markt erhältlich, bekommt der deutsche Importeur keine gastauglichen Zylinderköpfe für seine Modelle ab Werk geliefert. Die Konsequenz: Die Motoren müssen vor Ort durch einen Instandsetzer nachträglich „gasfest“ gemacht werden.

Hinzu kommt, dass selbst eine Werkstatt fataler Weise nicht feststellen kann, ob ein Motor für den Autogasbetrieb geeignet ist – nicht einmal wenn sie den Zylinderkopf zerlegt. Denn ansehen kann man es den entsprechenden Bauteilen nicht.

Gang zum Motoreninstandsetzer lohnt sich

Doch warum versehen die Fahrzeughersteller dann nicht sicherheitshalber alle Zylinderköpfe mit hochwertigen Ventilen und Sitzringen für den Betrieb mit Autogas? „Ganz einfach: Der Grund ist wie so oft das Geld. Wie jeder weiß, kalkuliert ein Fahrzeughersteller bei Bauteilen mit der zweiten Stelle hinter dem Komma eines Cent-Betrags. Ein Sitzring für den Autogaseinsatz kostet rund das Doppelte eines konventionellen Sitzrings. Dabei reden wir von mehreren Euro. Das Ganze bei einem 16-Ventil-Motor mal acht (Auslassventile) und man kann sich vorstellen, um welche Dimensionen es hier geht“, erklärt Motorenexperte Schwittek das Problem.

Doch was tun, wenn bekannt ist, dass das Fahrzeug nicht autogasgeeignet ist, bzw. den Motor eines mit Autogas betriebenen Fahrzeugs ein Ventilschaden ereilt hat? „Auf jeden Fall sollte ein professioneller Motoreninstandsetzer aufgesucht werden“, rät Schwittek (siehe „Mehr zum Thema“). Nur er kann – die Verwendung gastauglicher Sitzringe vorausgesetzt (siehe Tabelle unter „Mehr zum Thema!) – einen langfristig störungsfreien Betrieb des Zylinderkopfs und des Motors garantieren. Denn ein Neu-/Tauschzylinderkopf des Fahrzeugherstellers entspricht in der Regel lediglich dem (alten) Serienstand. Eine verlässliche Aussage über eine problemlose Gasverwendung bekommt die Werkstatt auch hier kaum. Das heißt, der Neue ist so gut bzw. schlecht wie das defekte Vorgängermodell.

Auch nicht zu vernachlässigen: der Preis. Denn eine gastaugliche Überholung eines Zylinderkopfs, so rechnet Motorenfachmann Schwittek vor, kostet zum Beispiel bei einem 4-Zylinder-16-Ventilmotor mit zirka 450 bis 500 Euro (acht Ventilführungen und Sitzringe jeweils Auslass erneuern, Kopf planen, inkl. Montagearbeiten) etwa die Hälfte eines Neuteils. Und wer zahlt getreu dem Motto „Geiz ist geil“ nicht gern nur die Hälfte?

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