Ölverbrauch prüfen

Autor / Redakteur: Uwe Meuren / Silvia Lulei

Wer Motoren ein langes Leben schenken will, kommt nicht um eine regelmäßige Prüfung des Ölstandes herum. Hält der Motor das erforderliche Schmierstoffniveau, ist die Welt in Ordnung. Leidet das Antriebsaggregat jedoch unter erhöhtem Ölverbrauch oder gar unter Ölverlust, sollte man schnell nach der Ursache forschen.

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Wer Motoren ein langes Leben schenken will, kommt nicht um eine regelmäßige Prüfung des Ölstandes herum. Hält der Motor das erforderliche Schmierstoffniveau, ist die Welt in Ordnung. Leidet das Antriebsaggregat jedoch unter erhöhtem Ölverbrauch oder gar unter Ölverlust, sollte man schnell nach der Ursache forschen.

Laut MS Motor Service International der Kolbenschmidt-Pierburg-Gruppe ist ein erhöhter Ölverbrauch in gewissem Maß normal. Wie hoch dieses Maß sein darf, legt der Fahrzeughersteller fest. Ein Ölverlust hingegen ist nie normal. Hier muss man nach der Ursache suchen und den Fehler beheben.

Häufig Lecks im Dichtring

Nach Untersuchungen von MS sind bei 41% aller auftretenden Ölverluste undichte Wellendichtringe schuld. Fehler an Dicht- und Oberflächen tragen mit 15% zum Ölverlust bei. Zu jeweils 14% können bei der Montage eingebaute Fremdkörper und falsche Dichtmittel einen Ölverlust verursachen.

Bei erhöhtem Ölverbrauch außerhalb der Herstellertoleranzen liegt der Grund dafür zu 26% in schlechter oder mangelhafter Wartung. In 24% der Fälle ist eine defekte Einspritzpumpe schuld am hohen Ölverbrauch. Der Turbolader sowie Verbrennungsstörungen und Kraftstoffüberschwemmungen tragen zu je 16% zum erhöhten Verbrauch bei. Aber auch Wartungs- und Servicefehler haben zu 12% Schuld an verstärktem Öldurst.

Nicht nur schmieren

Motoröl muss weit mehr können als nur schmieren. Öl kühlt beispielsweise den Kolben, der bereits wenige Sekunden nach dem Start seine Betriebstemperatur erreicht hat. Der Motorblock jedoch benötigt einige Minuten, um ebenfalls auf Betriebstemperatur zu kommen. Das Öl kühlt solange den Kolben und schützt ihn damit vor Überhitzung.

Öl verringert auch die Reibung zwischen metallischen Flächen, senkt so den Verschleiß und mindert die Wärmeentwicklung. Dadurch lassen sich Motor- oder Lagerschäden vermeiden und der Motor lebt länger. Eine entscheidende Rolle spielt die Viskosität des Öls. Der Fahrzeughersteller wählt sie so, dass bei kalten Temperaturen schnell ein Schmierfilm aufgebaut wird, der gleichzeitig auch hohen Temperaturen standhält. Weniger bekannt ist, dass mit Hilfe von Öl eine ganz feine Abdichtung zwischen Kolbenringen und Zylinderwand erreicht wird, die den Verbrennungsraum gegen das Kurbelgehäuse abdichtet.

Und noch eine Aufgabe hat Motoröl unter allen Betriebszuständen zu erfüllen: Es muss Korrosion und Schlammablagerung verhindern. Das Öl neutralisiert die bei der Verbrennung anfallenden aggressiven Stoffe. Gleichzeitig soll es Fremdkörper mit dem Ölfluss zum Filter transportieren, um so ein Verstopfen der Schmiermittelkanäle zu verhindern.

Bei einem so großen Aufgabengebiet wird schnell klar, warum dem Schmierstoff derart große Bedeutung beigemessen wird. Die korrekte Menge ist ebenso wichtig wie der einwandfreie Zustand des Öls. Dabei ist zu wenig mindestens genauso schädlich wie zuviel oder zu alt.

Fehler bei Instandsetzung

Gerade bei Gebrauchtwagen mit lückenhafter Wartungs- und Reparaturhistorie muss der Ölverbrauch mit Argusaugen überwacht werden, um unliebsamen Überraschungen aus dem Weg zu gehen. Denn viele Ursachen des erhöhten Ölverbrauchs sind auf mangelhaft durchgeführte Reparaturarbeiten zurückzuführen, wie MS aus Erfahrung weiß. Dazu gehört z. B. ein falscher Kolben-überstand, wodurch der Kolben am Zylinderkopf anschlagen kann. Das kann zu erhöhtem Ölverbrauch führen oder sogar zu einem kapitalen Motorschaden. Denn durch das ständige Anschlagen des Kolben an den Kopf sind alle Bauteile extremen Belastungen ausgesetzt, denen sie dauerhaft nicht standhalten können. Bei Dieselmotoren entstehen durch das stetige Anklopfen Schwingungen, aufgrund derer die Einspritzdüsen nicht richtig schließen. Der nach dem Verbrennungsvorgang in den Zylinder gelangte Kraftstoff schlägt sich an der Wandung nieder und zerstört den Schmierfilm. So kommt es zu erhöhtem Verschleiß, was die Standzeit eines Motors nachhaltig negativ beeinflusst.

Aber auch die Laufflächen der Zylinderwände können trotz intensiver Bearbeitung zu erhöhtem Ölverbrauch führen. Die in den Laufbuchsen befindlichen Grafitadern können im Laufe der Bearbeitung zugedrückt werden. Eine enorm glatte und feine Oberfläche ist eindeutiges Indiz für diesen Fehler. Fachleute sprechen dabei von einem Blechmantel, der im Laufe der Zeit durch die Kolbenringe abgetragen wird, worunter die Ringe erheblich leiden. Dieses Phänomen tritt besonders in der Einlaufphase nach der Überarbeitung auf und statt eines sinkenden Ölverbrauchs steigt dieser durch die schnell verschleißenden Kolbenringe.

Apropos Kolbenringe: Wurden diese im Zuge einer Überarbeitung falsch montiert, sind sie verklemmt oder schlichtweg gebrochen, wirkt sich auch das negativ auf den Ölverbrauch aus. Die Ringe sollen den Verbrennungsraum gegen das Kurbelgehäuse abdichten und können dies aber nur 100%ig leisten, wenn sie intakt sind. Wird überschüssiges Öl nicht mehr abgestreift, kommt es in den Verbrennungsraum, wo es mitunter zu Verbrennungsstörungen führen kann. Infolge dessen kommt es häufig zur Ölverdünnung: Viskosität und Schmierwirkung werden herabgesetzt und der Verschleiß steigt schnell und übermäßig an.

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