Österreichisches Kfz-Gewerbe: Insolvenzen nehmen ab
Während sich die betriebswirtschaftliche Lage hierzulande für viele Kfz-Betriebe zuspitzt, nimmt die Zahl der in Schwierigkeiten kommenden Autohäuser und Werkstätten im Nachbarland eher ab.
Die Unternehmensinsolvenzen im österreichischen Kfz-Gewerbe sind im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 10 Prozent zurückgegangen. Wie der österreichische Gläubigerschutzverband KSV1870 auf Anfrage von »kfz-betrieb ONLINE« mitteilte, haben demnach von Januar bis Juni 63 Kfz-Betriebe Insolvenz angemeldet oder deren Konkursanträge wurden abgewiesen (Jan.-Jun. 2008: 71).
Das Verhältnis von betroffenen Handels- und Servicebetrieben war dabei in beiden Jahren etwa 4 zu 3. Rückläufig war allerdings nur die Anzahl der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Autohäuser. Die Zahl der insolventen Servicebetriebe veränderte sich im ersten Halbjahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr kaum.
Im Gespräch mit der Redaktion sagte der Obmann des Bundesgremiums des österreichischen Fahrzeughandels, Dr. Gustav Oberwallner, trotz eines langfristigen Strukturwandels sei die Situation des Autohandels in seinem Land derzeit stabil. Das liege nicht zuletzt daran, dass sich die österreichischen Banken bemühten, den Mittelstand zu erhalten. Hilfreich sei auch die Verfügbarkeit staatlich gestützter Überbrückungskredite.
Kleinere Kfz-Betriebe laufen stabil
Die acht größten Handelsgruppen, die im Nachbarland laut Oberwallner etwa 40 Prozent des Neuwagenvolumens vermarkten, erwirtschafteten nach wie vor gute Erträge. Aber auch die überwiegende Mehrzahl der kleineren Betriebe, die außerhalb der wenigen Ballungsräume aktiv sind, laufen derzeit stabil. „Die Autohäuser in den Tälern haben meist sehr loyale Kunden, weil der nächsterreichbare Wettbewerber weit weg ist“, so Oberwallner. Überhaupt habe die Zersiedlung in Österreich dazu geführt, dass die automobile Mobilität einen sehr hohen Stellenwert hat. Der vergleichsweise alte Fahrzeugbestand und auch der Umstieg vieler markengebundener Betriebe auf eine Mehrmarkenstrategie tragen nach Aussage Oberwallners ebenfalls dazu bei, dass die Händler mit Blick auf die nächsten Monate weiter optimistisch sind, obwohl das österreichische Abwrackprämienprogramm vor kurzem ausgelaufen ist. „Das waren nur 30.000 Anträge“, so der Obmann gelassen.
Dennoch wird sich auch der österreichische Autohandel verändern, denn nach Schätzungen des Bundesgremiums steht knapp ein Drittel der rund 2.800 Autohäuser vor einer Betriebsübergabe in naher Zukunft.
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