Oldtimer-Markt wandelt sich grundlegend

Autor / Redakteur: dpa/gr / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Die Zahl der H-Kennzeichen steigt, Automodelle siebziger Jahre erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Der Grund: Eine neue Generation an Oldtimer-Käufern verändert die Nachfrage.

(Foto: Daimler)

Neue Kundengruppen entdecken derzeit vermehrt ihre Liebe zu Oldtimern. „Jetzt kommen eher die Lifestyle-Leute“, sagt der Bochumer Branchenfachmann Frank Wilke, der mit seiner Firma Classic Tax seit vielen Jahren den Wert von Oldtimern schätzt. Die typischen Oldtimer-Fahrer der früheren Jahre – finanzstarke Herren mit grauen Haaren, die auf Automobile der Vorkriegszeit abfahren – treten als Zielgruppe der Verkäufer dagegen in den Hintergrund.

Heute seien viele Fans nicht mehr 70 Jahre alt, sondern nur gut über 40 – beruflich erfolgreich natürlich – und sie kämen nicht mehr im Zweireiher, sondern mit Designerjeans und teurer Armbanduhr, beschreibt Wilke den Wandel. Dieser Wechsel auf Kundenseite wirke sich auch auf die Wahl der Autos aus. Ganz alte und kaum alltagstaugliche Fahrzeuge würden weniger nachgefragt. „80 Sekunden von Null auf 100 und dazu die Seilzugbremse – das ist nicht mehr gewünscht“, hat er festgestellt.

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Ein Golf GTI der ersten Generation, die „Ente“ aus seligen Studentenzeiten oder ein 911er Porsche der wilden 70er – mit Oldtimern verbinden die Besitzer oft schöne Erinnerungen an die eigene Jugend. Seitdem die Sparzinsen am Boden liegen, werden die mindestens 30 Jahre alten und mit „H“-Kennzeichen zugelassenen Fahrzeuge zudem als Geldanlage attraktiver.

Um rund 8 Prozent legte der Deutsche Oldtimer Index, den der Verband der Automobilindustrie (VDA) herausgibt, im vergangenen Jahr zu. 2012 waren es 4,2 Prozent gewesen. Seit Beginn der Marktbeobachtung im Jahr 1999 hat der Index um 120 Prozent zugelegt. Die größten Wertsteigerungen verzeichneten dabei übrigens die „Ente“ der Baujahre 1969–1976 sowie der VW Transporter T2 der Baujahre 1967–1972.

„Acht Prozent, das ist natürlich nicht die echte Rendite“, warnt Wilke jedoch vor übertriebenen Erwartungen. Einzuberechnen seien Garagenkosten, Wartung, Versicherung und Benzin. Aber wer ein gut erhaltenes Auto begehrter Typen kaufe, könne mit dem Wertzuwachs vielfach zumindest die Unterhaltskosten herausholen.

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Auf die Frage, welche Modelle sich künftig wertmäßig wohl am besten entwickeln, gibt es wie am Aktienmarkt keine sicheren Antworten. Als grobe Richtlinie kann allenfalls gelten, dass offene Sportwagen renommierter Hersteller stärker gefragter sind als die jeweils geschlossenen Versionen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Wer hätte beispielsweise vor 20 Jahren geglaubt, dass die teuersten VW-Oldtimer die Ur-Bullis vom Typ T1 würden? In Frankfurt wurden im vergangenen Jahr zwei Wagen des VW-Bus-Sondermodells Samba für jeweils mehr als 100.000 Euro verkauft, berichtet Marco Wimmer. Er ist Geschäftsführer der „Klassikstadt“ Frankfurt, einem alten Fabrikgelände, auf dem sich verschiedene Firmen rund ums Oldtimergeschäft zusammengeschlossen haben.

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