Oldtimer: Sicherheit geht vor Patina

Autor / Redakteur: Andreas Grimm / Andreas Grimm, Andreas Grimm

Jahrzehnte alte rostige Fahrzeuge sind aus Sicht des TÜV Süd nicht automatisch Oldtimer. Um diesen Status zu erhalten, müssen sie verkehrssicher sein – auch mit modernen Bauteilen.

Oldtimer müssen aus Sicht des TÜV Süd nicht perfekt restauriert sein, entscheidend ist die Verkehrssicherheit.
Oldtimer müssen aus Sicht des TÜV Süd nicht perfekt restauriert sein, entscheidend ist die Verkehrssicherheit.
(Foto: TÜV Süd)

Die Patina eines Oldtimers ist aus Sicht des TÜV Süd kein Ersatz für die Verkehrssicherheit des Fahrzeugs. In einer Mitteilung beziehen die Sachverständigen anlässlich der Klassiker-Messen zum Saisonstart – Retro Classics in Stuttgart, Techno-Classica in Essen – Stellung zu Auslegungsfragen der so genannten Charta von Turin.

Die Charta ist gedacht als weltweit einheitliche Grundlage für Bewertungen und Einstufungen von historischen Fahrzeugen als Oldtimer. Die Originalität ist dabei ein wichtiges Kriterium für die entsprechende Einstufung, womit in Deutschland wiederum die Vergabe des H-Kennzeichens verbunden ist. Gerade die Originalität führt in der Praxis aber immer wieder zu Problemen, wenn ein altes Fahrzeug mit modernen Mitteln restauriert und fahrfähig gemacht wurde.

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„Viele Autos brauchen eine umfassende Restaurierung – teilweise sogar mit Neuteilen – um überhaupt wieder im Straßenverkehr bewegt werden zu können. Die kann man nicht mit Patina retten“, verdeutlicht Matthias Gerst, Oldtimer-Experte des TÜV Süd, die Position seiner Organisation. Daher sei beispielsweise der Einbau eines neuen Komplettrahmens in einen Citroën 2CV durchaus legitim, damit eine „Ente“ wieder fahrfähig und verkehrssicher werde.

Aus Expertensicht sind in vielen Fällen – zur Konservierung, zur Sicherheit und zum Werterhalt – moderne gegenüber historischen Materialien vorzuziehen, heißt es in einem Schreiben des TÜV. „Autos müssen sicher sein und den heutigen Anforderungen des Straßenverkehrs standhalten“, sagt Gerst. „Rost und Schimmel haben mit Patina nichts zu tun.“ Für die fachgerechte Restauration stehe inzwischen eine ganze Palette von neuen Originalteilen zur Verfügung.

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Im Wortlaut gibt die Charta von Turin der Reparatur und Restauration mit Originalmaterialien und zeitgenössische Methoden den Vorzug, um historische Fahrzeuge zu erhalten. Dies führt in der Begutachtung immer wieder dazu, dass Fahrzeuge mit vergilbtem Lack, zerschlissenem Leder, brüchigen Vinyldächern oder schlichtweg Rost vorgestellt werden. Und diese Schäden sollten dann mit Hinweis auf den Patina-Primat in den Bewertungen der Überwacher nicht negativ zu Buche schlagen.

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