Online-Diagnose reduziert Werkstattbesuche

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Dorthin werden Autobesitzer künftig weniger oft fahren müssen, ist Jürgen Hornung von Bosch überzeugt. Nach seiner Ansicht wird es künftig Online-Diagnosen geben. Und zwar jene, die der Fahrzeughersteller direkt, also ohne die Werkstatt, durchführen wird – beispielsweise das Aufspielen von immer häufiger notwendigen Software-Updates. Für die müssen Kunden dann nicht mehr zwingend eine Werkstatt aufsuchen. Allerdings benötigt man dafür sehr sichere und sehr stabile Datenverbindungen. Da sich die in beweglichen Gegenständen kaum darstellen lassen, werde man die Daten entsprechend im Fahrzeug puffern müssen, so Hornung.

Ein Problem ist bei dem ganzen Daten-Hin-und-her-Transport bzw. der Speicherung nach wie vor offen: Wem gehören die Daten eigentlich? Dem Hersteller, dem Autofahrer, allen? Während in den USA die Regel gilt: „Your car, your data, your choice“, sehen das hierzulande die Autobauer anders. Harald Nauerz von Daimler vertritt die Ansicht, dass der OEM auf jeden Fall stets „Herr der Lage sein muss“, schließlich sei er für sein Produkt verantwortlich. Anders sieht es Ex-Daimler-Diagnose-Chef Dr. Thomas Raith: Er plädiert dafür, die Daten im Internet zu lagern. In drei bis fünf Jahren soll es einen entsprechenden Speicher- und Sicherheitsstandard dafür geben, so seine Annahme.

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Andere Bereiche des menschlichen Lebens als Vorbild

Die Vorhersage von Ereignissen ist seit jeher ein Menschheitstraum. Zum Teil klappt das bereits, beispielsweise bei Krankheitswellen – dem Internet sei Dank. Bisher bekam z. B. eine Gesundheitsbehörde den Ausbruch eine Epidemie erst dann mit, wenn sie die Rückmeldung von Ärzten erhielt. Das dauerte Tage, manchmal Wochen. Doch bevor heute Menschen zum Arzt gehen, suchen sie im Internet nach Krankheitssymptomen und Informationen zur Erkrankung. Diese Anfragen lassen, das ist nachgewiesen, einen direkten und vor allem viel früheren Rückschluss auf den Ausbruch z. B. einer Grippewelle zu. Aus dieser Analyse von Suchanfragen entstand „Google flutrends“.

Genau dieses „Community-Wissen“ kann sich künftig auch die Kfz-Servicebranche zunutze machen. Davon ist Marcel Wendland vom Diagnosespezialisten AVL Ditest überzeugt. So besteht die Möglichkeit, neben der technischen Gewinnung von Daten durch direktes Aufzeichnen im Fahrzeug Wissen aus Internetplattformen zu gewinnen, auf denen sich Autobesitzer austauschen und nach Rat suchen. So können Fahrzeughersteller bzw. am Service Beteiligte über mögliche Defekte und Störungen an einem Modell zeitlich schneller informiert werden und entsprechend handeln.

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