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Online-Diagnose reduziert Werkstattbesuche

| Autor / Redakteur: Steffen Dominsky / Steffen Dominsky

Das 11. CTI-Forum „Automotive Diagnostic System“ hat die Vorteile der Online-Vernetzung für die Diagnose untersucht. Automobilexperten und Serviceanbieter stellten ihre Lösungsansätze vor.

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Beim 11. CTI-Diagnose-Forum referierten und diskutierten Experten über aktuelle und künftige Herausforderungen in der Diagnose.
Beim 11. CTI-Diagnose-Forum referierten und diskutierten Experten über aktuelle und künftige Herausforderungen in der Diagnose.
(Foto: Dominsky)

Die Menge an verbauter Elektronik in unseren Fahrzeugen steigt seit vielen Jahren stetig an. Als wäre das für Werkstätten nicht schon Herausforderung genug, dürfte bedingt durch das Thema Infotainment – Stichwort vernetztes Auto – ein weiterer „Elektronikschwall“ über alle am automobilen Service Beteiligten hereinbrechen. Doch die mehr oder weniger dauerhafte Anbindung des Fahrzeugs ans Internet bringt auch Vorteile. Davon sind diverse Experten aus der Automobil- und der Diagnosebranche überzeugt. Auf dem 11. internationalen CTI-Diagnose-Forum „Automotive Diagnostic System“ unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Schreier von der Hochschule Esslingen warfen sie einen Blick in die aus ihrer Sicht nahe Zukunft.

Schon heute sammeln die zahlreichen in Fahrzeugen verbauten Steuergeräte jede Menge Daten. „99,9 Prozent davon werden niemals genutzt“, schildert Julian Philpot von Bosch die aktuelle Situation. Das zu ändern und sämtliche gespeicherten Daten zu nutzen, ist das erklärte Ziel. So wollen die Entwickler umfangreiche Datenbanken von „normalen“ – sprich intakten – Fahrzeugen bzw. Systemen und Komponenten aufbauen. Im Betrieb können sie diese Daten mit den aktuellen Daten des Fahrzeugs vergleichen und daraus „unnormale“ Zustände ableiten.

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Die Diagnoseexperten können so bereits frühzeitig erkennen, wenn sich ein Bauteil aufgrund der ermittelten Werte aus dem Normal- in den Defekt-Bereich bewegt. So können sie die fahrzeugseitige On-Board-Diagnose bereits dann Alarm schlagen lassen, noch bevor ein Defekt oder eine Störung tatsächlich eintritt oder relevant geworden ist. Der Fahrer kann so rechtzeitig darauf reagieren, z. B. einen Servicebetrieb aufzusuchen, bevor die Komponente ausfällt und das Fahrzeug stehen bleibt. Auch der Industrie würden solche Daten helfen: Sie könnte präzise(re) Ausfallprofile für ihre Bauteile erstellen, erwartet der Bosch-Mann.

Vorhersehen, dass etwas kaputt gehen wird

Dank dieser Technik, dem „proaktiven“ Verhalten, ließe sich zudem auch der Trend zu immer individuelleren Wartungsprofilen noch präziser umsetzen. Das Fahrzeug kann so notwendige Wartungszeitpunkte und -umfänge nicht nur indirekt, sondern quasi verifiziert ermitteln. Gerade bei Nutzfahrzeugen, die bekanntlich rund um die Uhr im Einsatz sind, würden sich Werkstattaufenthalte genauer und frühzeitiger planen lassen.

Doch dazu muss man die Datenmassen zunächst einmal aus dem Auto bekommen. „Kein Problem“, glauben die Ingenieure. Umfangreiche Multimedia-Angebote haben zur Konsequenz, dass Automobile immer öfter über Telematikboxen verfügen. Mittels SIM-Karte wie bei einem Handy stellen sie einen dauerhaften Kontakt mit der Außenwelt bzw. dem Internet her. So verfügt z. B. Daimlers kommendes C-Klasse T-Modell im Zuge der Dienstleistungsmarke „Mercedes me“ bei „Connect me“ über eine „Maintenance“-Funktion. Sie ist in der Lage, relevante Diagnosedaten bereits vor einem Kundendiensttermin der Werkstatt zuzuspielen. Diese kann die Aufenthaltsdauer des Fahrzeugs und eventuell benötigte Ersatzteile bereits einplanen, noch bevor der Kunde auf dem Hof steht.

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