Opel bekommt nachgebesserten 2,0-Liter-Diesel durch die KBA-Prüfung
Rüsselsheim hat die Steuerung des SCR-Kats beim größeren Diesel so umprogrammiert, dass der Stickoxid-Ausstoß offenbar deutlich sinkt. Was das für den Ad-Blue-Durst des Systems bedeutet, will Opel aber noch nicht verraten.

Nach ausführlicher Prüfung des nachgebesserten 2,0-Liter-Dieselaggregats hat das Kraftfahrtbundesamt (KBA) am Montag die Typgenehmigung für den überarbeiteten Opel Zafira erteilt, der nächsten Monat in die deutschen Schauräume kommen soll. Das Bundesverkehrsministerium bestätigte am Wochenende einen Bericht der „Bild am Sonntag“, wonach Zweifel an der Software zur Motorsteuerung ausgeräumt seien. Der nachgebesserte Dieselmotor mit SCR-Katalysator soll auch im Insignia und im Cascada zum Einsatz kommen. In kleineren Modellen wie dem Astra bietet Rüsselsheim nur den 1,6-Liter-Diesel an, bei dem Opel bislang auf die für den Hersteller billigere Speicher-Kat-Technologie setzt.
Im Bundesverkehrsministerium hieß es am Sonntag auf Anfrage, es finde bei dem nachgebesserten 2,0-Liter-Diesel nun keine Abschaltung der Abgasreinigung bei Geschwindigkeiten über 145 Stundenkilometer mehr statt. Zudem arbeite das System jetzt im Temperaturbereich von minus 8 bis plus 50 Grad Celsius. Zuvor habe dieser Korridor bei 17 bis 33 Grad gelegen. Es gebe eine deutliche Absenkung beim Ausstoß von Stickoxiden.
Zu den Auswirkungen der angepassten Motorsteuerung auf den Ad-Blue-Verbrauch wollte Opel am Montag auf Anfrage von »kfz-betrieb« noch keine Angaben machen. Die deutlich ausgeweitete Abgasnachbehandlung sollte bei SCR-Kats in der Regel zu einem gesteigerten Ad-Blue-Verbrauch führen, woraus für die Modellentwicklung große Herausforderungen in Sachen Package beziehungsweise Zusatzgewicht entstehen – die Kunden sollen schließlich nicht allzu oft den speziellen Betriebsstoff nachfüllen müssen.
Schwere Vorwürfe gegen bisherige Motorsteuerung
Beim Zafira Tourer sieht sich Rüsselsheim Vorwürfen ausgesetzt, ähnlich wie VW eine illegale Abschaltvorrichtung eingebaut zu haben, um die Abgaswerte des Dieselmotors – vor allem auf dem Prüfstand – besser darzustellen, als sie in Wirklichkeit sind. Die nach Beginn der Abgas-Affäre eingesetzte Untersuchungskommission beim Verkehrsministerium prüft dies noch. Opel hat den Vorwurf stets zurückgewiesen und die Reduzierung der Abgasreinigung in bestimmten Temperaturbereichen und bei höheren Geschwindigkeiten mit dem Bauteileschutz begründet.
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hatte im Frühjahr angekündigt, bei neuen Typzulassungen werde in Zukunft viel genauer geprüft als bisher. Das Ministerium betonte, das KBA habe im Fall Opel nun auf dem Rollenprüfstand und auf der Straße getestet sowie die offengelegte Software gecheckt.
Früheren Presseberichten zufolge soll das Verkehrsministerium vom KBA verlangt haben, die Typgenehmigung für den gelifteten Zafira erst dann zu erteilen, wenn die Motorsteuerung des größeren Diesel-Motors künftig deutlich Stickoxid-ärmeres Abgas bewirke.
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