Opel-Benz in Nagold schließt zum Jahresende

Autor Jens Rehberg

Ein Familienunternehmen auf geordnetem Rückzug: Wegen der unklaren Perspektiven im Kfz-Gewerbe zieht sich die Familie Benz aus der Branche zurück, „solange wir noch frei entscheiden können, was wir tun.“

Das Autohaus Benz in der Nagolder Schillerstraße.
Das Autohaus Benz in der Nagolder Schillerstraße.
(Foto: Benz)

Das Autohaus Benz in Nagold (Opel, Chevrolet, Volvo) stellt seinen Betrieb zum Jahresende ein. Dies hat der Inhaber und Geschäftsführer Ralf Benz am Dienstag in einer Presseerklärung bekannt gegeben. „Es tut mir in der Seele weh“, schreibt der Händler, „aber nach 88 Jahren wird die Geschichte der Marke Opel am Standort Nagold am Jahresende zu Ende gehen.“ Ralf Benz will sich zusammen mit seiner Familie aus dem Autogeschäft zurückziehen.

„Die Perspektiven unserer Marken Opel, Chevrolet und Volvo sind nicht so, dass sich unser Autohaus in der jetzigen Form auch in Zukunft wirtschaftlich trägt“, begründet Benz die Entscheidung. Deswegen habe sich die Familie entschlossen, das Engagement im Kfz-Gewerbe zu beenden, „solange wir noch frei entscheiden können, was wir tun.“ Die nächsten Monate gehörten jetzt dem geordneten Ende, denn dem Händler ist es wichtig, dass alle 30 Beschäftigten und insbesondere die sieben Auszubildenden mit einer Perspektive ins neue Jahr gehen.

„Dass insbesondere die Marke Opel ihre Probleme hat, hat in den letzten Monaten jeder mitbekommen“, stellt Ralf Benz fest. Der Marktanteil des Rüsselsheimer Herstellers in Deutschland sei von einstmals über 20 Prozent auf 7 Prozent gefallen. Zwar „stehen wir im netzinternen Vergleich mit einem Marktanteil von rund zehn Prozent in der Region besser da als der Durchschnitt, aber das reicht auf Dauer nicht für einen wirtschaftlichen Betrieb.“ Mit Chevrolet und Volvo habe das Autohaus zwar neue und treue Kunden gewinnen können, das zusätzliche Geschäft hätte den Rückgang im Opel-Geschäft aber nicht ausgeglichen.

„Diese Entwicklung tut mir besonders für meine Mitarbeiter leid. Denn dass wir hochqualifiziertes Personal haben, hat uns in den letzten Jahren immer geholfen“, sagt Benz. Inzwischen sei bei den Marken allerdings ein Zustand erreicht, „bei dem nicht mehr abzusehen ist, wie lange auch der Werkstattbereich in der jetzigen Form noch ausgelastet werden kann.“ Und statt eines „Todes auf Raten, mit immer neuen Entlassungen, ist aus meiner Sicht eine klare Linie vorzuziehen.“

Diese Linie läuft auf die Schließung des Autohauses und eine alternative Nutzung des Geländes hinaus. Dazu Ralf Benz: „Eine andere Nutzung unseres zentrumsnahen Geländes würde der Stadt neue Entwicklungsmöglichkeiten bieten.“

Bis Dezember läuft der Betrieb wie gewohnt weiter. Im Januar – so hofft der Opel-Händler – haben die Beschäftigten „hoffentlich nahtlos neue Arbeitsplätze und die Kunden wissen, welcher meiner Kollegen ihre Fahrzeuge wartet.“

88 Jahre Opel-Geschichte

Vor über 100 Jahren eröffnete Friedrich Benz sen. in einem Gebäude ganz in der Nähe des heutigen Standorts eine Schlosserei mit Windenfabrikation. Sein Sohn gründete 1924 das Unternehmen Benz & Koch Automobile – kurz darauf begann die Zusammenarbeit mit dem Rüsselsheimer Hersteller. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg agierte die Firma als Handelspartner von Opel und Magirus.

1987 trat der heutige Inhaber Ralf Benz in das Unternehmen ein, drei Jahre später verkaufte er das Omnibusgeschäft. 1999 baute Benz auf dem Grundstück der Schillerstraße 17 neu. 2005 und 2006 nahm er die Marken Volvo und Chevrolet zum Opel-Kerngeschäft hinzu.

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